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23. März 2009 16:17 Uhr

Die gemeinsame Arbeit für das Hilfsprojekt Zaza Faly stärkt den Zusammenhalt am Kreisgymnasium

Auch ein Stück Vorbeugung

Seit 1998 begleitet das Kreisgymnasium das Hilfsprojekt Zaza Faly, das sich der Straßenkinder Madagaskars annimmt. In diesem Jahr versuchten die Schülerinnen und Schüler in Neustadt, das Meer der Hilfe mit vielen kleinen Tropfen aus dem Frühlingsbasar zu füllen.

  1. Setzen sich leidenschaftlich für das Zaza Faly Projekt ein (von links): Melissa (11), Paula (10), Agnes (11), Lisa (10) und Maike (10)) aus der Klasse 5a desa Kreisgymnasiums. Foto: Marion Pfordt

  2. Klappt wie am Schnürchen: Das Küchenteam plant, kauft ein und kocht selbständig Hand in Hand. Foto: Marion Pfordt

  3. Hannah Löffler (links) und Victoria Gebhart verkaufen afrikanische Gerichte. Foto: Marion Pfordt

TITISEE-NEUSTADT. Die Einnahmen der Stände, an denen Spiele, Dienstleistungen, Kultur und Speisen angeboten wurden, fließen nachvollziehbar in die Sozialstation im Zentrum der Hauptstadt Antananarivo, wo den verlassenen Kindern Schulbildung, Nahrung, medizinische Versorgung und menschliche Wärme geboten wird.

6697,96 Euro wurden am Samstag eingenommen. Dieses Geld wird komplett dem Straßenkinderprojekt zur Verfügung gestellt. Dazu kommen noch 3000 Euro, die bei einem "Sponsored Run" am Ende des letzten Schuljahrs aufgebracht wurden. Dieser Lauf erzielte 6000 Euro, von denen die Hälfte in die Schulverschönerung floss; vor allem wurde eine fest einbetonierte Tischtennisplatte für den Schulhof angeschafft, die zweite Hälfte geht nach Madagaskar.

Alle Schüler und Schülerinnen der Klassen 5 bis 12 beteiligen sich an der Aktion, die das ärmliche, harte und für uns nur schwer nachvollziehbare Leben der Straßenkinder bessern soll. Doch der zusätzliche Einsatz wird nicht als Pflicht empfunden. Alexander Wohlgenannt ist 18 und besucht die Jahrgangsstufe 12. Gemeinsam mit Florian Engesser und Sven Ruf erstellt er mittels eines eigens entwickelten Informatikprogramms den Biorhythmus der Besucher. Zwei Projekttage gingen dem Stand voraus, die Jungs empfinden die Aktion als willkommene Aufgabe und Abwechslung im Schulalltag. Für Maike, Lisa, Agnes, Paula und Melissa aus der Klasse 5 steht das Ergebnis im Vordergrund: Sie sprechen die Besucher direkt auf die Spendenaktion an, sie wollen den Kindern, die nicht so privilegiert sind wie sie, unbedingt helfen. Dafür kommen sie gerne am Samstag in die Schule: "Für die Kinder kann man das doch machen, wenn die doch nicht so viel haben", sind sich die Mädchen einig.

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Obwohl Kochunterricht nicht auf dem Bildungsplan für die Jahrgangsstufe 12 steht, entschied sich eine Gruppe, den Besuchern traditionell afrikanische Gerichte anzubieten. Das Kochteam suchte im Internet originale Rezepte aus, dann mussten die Vier-Personen-Angaben auf 200 Personen berechnet, die Zutaten im Großmarkt eingekauft und im Biologiesaal auf einem haushaltsüblichen Herd zubereitet werden, erzählt die 18- jährige Viktoria Gebhart. Doch alles klappte wie am Schnürchen, der Couscous-Salat, der vegetarische Gemüseeintopf und der Hühnereintopf mit Reis duften und sind heiß begehrt. Das Zusammenspiel der Bio-Saal-Küche und des Essenverkaufs an der Theke läuft appetitlich und reibungslos. Tutor Damian Dietrich ist in der Küche anwesend, doch Organisatoren und Chefköche sind die Jugendlichen, er macht nur mit, wenn er gebraucht wird. Das sei so beeindruckend, sagt er: In den zweieinhalb Tagen der Vorbereitung erleben sich Schüler und Lehrer sich von einer anderen Seite, der Zusammenhalt der Gruppe wird gestärkt. Der wohltätige Gesichtspunkt ist zwar das Ziel, vordergründig sei jedoch das Geben und Nehmen.

Organisationsleiterin Petra Krebs-Dietrich zieht eine günstige Bilanz. Finanziell, weil Kindern auf Madagaskar direkt Hilfe bereitgestellt werden kann. Andererseits ist die Lehrerin beeindruckt von der enthusiastischen Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler, die "ganz, ganz großes Interesse an der Sache zeigen". Die Mitarbeit auch von Eltern beweise, dass die Schulgemeinschaft funktioniert.

Ein bisschen anders ist der Basar in diesem Jahr dennoch: Am Eingang steht eine kleine Kerze als Symbol für die Trauerfeier für die Opfer des Attentats in Winnenden. Schulleiter Helmut Jolk wollte den Basar bewusst nicht absagen. Denn dieser Tag bewirke durch die Arbeit der Schulgemeinschaft eine Stärkung des Zusammenhalts der Kinder. "Das ist auch eine Art Vorbeugung", ist seine Überzeugung. Das gemeinsame Tun für einen guten Zweck sei von Erfolg geprägt. Hier erlebten alle das soziale Handeln, das Teil des Schulprofils sei. Der Beitrag sei gut für die Einzelnen und gut für die Gemeinschaft, da die Kinder lernten, nicht alles selbstverständlich zu nehmen und nicht alle Verantwortung an den Staat abzugeben.

Autor: Marion Pfordt