Ein beliebter Ort der Begegnung

Eva Korinth

Von Eva Korinth

Mo, 21. November 2016

Titisee-Neustadt

Das Café im Seniorenzentrum St. Raphael feiert Geburtstag.

TITISEE-NEUSTADT. Kaffee, Kuchen und ein Ort der Begegnung: Seit 20 Jahren gibt es das Café im Seniorenzentrum St. Raphael – und so lange ist es sowohl ein Treffpunkt für die Bewohner und Besucher des Altenheims als auch für andere Gäste aus der Region.

So sitzen am Samstag Anna Haberstroh (83 Jahre) und Brigitte Larsen (69) gemütlich an einem Tisch am Fenster. "Guten Kuchen gibt es hier. Außerdem ist die Atmosphäre schön und viele nette Leute hat es", sagen die beiden. Brigitte Larsen nutzt vor allem freitags das Essensangebot mit Fisch. "Es schmeckt immer gut", sagt die ehemalige Vorsitzende der Seniorenbegegnungsstätte (SBS). Außerdem trifft sie immer viele Leute, die sie aus der SBS kennt. Das Café sei eine Art Kommunikationsplattform. Haberstroh ergänzt: "Jeder hat was zu erzählen. Und gerne mache die Leute hier nach ihren Spaziergängen Halt."

Zum ersten Mal trafen sich an diesem Wochenende Gabi Löffler (61 Jahre), Rosi Leschke (62) und Marianne Kunath (93) zum Kaffeeklatsch im Café Raphael. Die Kuchen seien sehr gut und man sitze schön. Kunath war schon früher mit ihrem Mann regelmäßig zum Fischessen freitags da. "Ich geh’ viel hier her mit meinen Söhnen, wenn sie mich besuchen. Es ist sehr schön", sagt die 90-jährige Hedwig Wehrle, die im zweiten Stock des Seniorenzentrums St. Raphael wohnt. "Ich finde es gut, dass es das Café hier gibt", sagt sie. Zusammen sitzt sie mit Marlies Steiert (76) am Tisch. Sie kennt das Café von früher, als sie auf ihre Schwester wartete, die die Tagespflege besuchte.

Der Geschäftsführer der Einrichtung, Marco Kuhn-Schönbeck meint, dass vor zehn Jahren, zum damaligen Jubiläum, noch kräftig geworben und eine Woche lang gefeiert wurde. Eine bunte Mischung an Besuchern und Bewohnern genießt das Ambiente des besonderen Cafés. "Es ist sehr gut etabliert und gut ausgelastet", findet Kuhn-Schönbeck. Er möchte dennoch die Räumlichkeiten mehr nutzen, insbesondere in Verbindung mit der Kapelle, und strebt an, nach und nach ein kulturelles Angebot einzuführen. Das Mittagessenangebot nutzen auch viele Gäste von außerhalb. Im Durchschnitt werden 40 bis 50, an Spitzentagen sogar 60 Mittagessen verzehrt. Viel los ist am Fischtag, dem Freitag. Gut frequentiert sind ebenso die Mittagstische am Donnerstag und am Sonntag. Auch die Sozialstation und der eigene Pflegedienst holen Mittagessen für ihre Patienten im Café.

Ein Zuhause für Kartenspieler aus der ganzen Region

Das Café ist nicht verpachtet, sondern ein eigenständiger Betrieb, der sich selbst trägt. Im Foyer des Seniorenzentrums platziert, gibt es 40 Sitzplätze sowie auf der Außenterrasse nochmal 20. Für Feste wie Geburtstage, Kommunion, Trauerfeiern, Hochzeiten werden der Konferenzraum und der große Saal (100 Leute) genutzt. Hier kommen nicht nur Anfragen von Heimbewohnerangehörigen, sondern auch aus der Bevölkerung zusammen, weiß die Caféleiterin Regina Löffler zu berichten.

"Zu Beginn war es schwer", blickt sie zurück. Damals kamen oft gar keine Gäste, die Bedienungen mussten die Langeweile verwalten. Doch jetzt hat es sich rumgesprochen, dass es im Seniorenzentrum ein öffentliches Café gibt. Oft werden ganze Kuchen vorbestellt und nach Hause mitgenommen. Die Hemmschwelle, ein Seniorenheim zu betreten und hier Mittag oder Kuchen zu essen, ist bei vielen nicht mehr vorhanden. Jetzt kommen sogar Müttergruppen her und es treffen sich regelmäßig Kartenspieler von außerhalb, um Cego, Skat oder Mau-Mau zu spielen. Die Heimbewohner nutzen gerne das Ambiente des Cafés, um mit ihren Besuchern oder Angehörigen ein paar schöne Stunden zu verbringen.

Gebacken werden die Kuchen von Doris Fesenmeier, Jutta Paul und Regina Löffler. Der Käsekuchen sei der Dauerbrenner, berichtet Löffler. Für das Wohl der Gäste sorgen abwechselnd sieben Tage die Woche von 11 bis 18 Uhr im Café Sandra Uecker, Franziska Faller, Roswitha Fritz, Susanne Bombardi, Veronika Rombach und Olga Erfurdt und die jeweilige Auszubildende der Hauswirtschaft. Am Sonntag sind zwei Bedienungen da, wochentags eine. Sandra Uecker ist seit 19 Jahren im Café tätig. Einmal hat sie einen Schrittzähler genutzt und am Dienstende zeigte der 7,5 Kilometer an, die sie zurückgelegt hatte. Immer wieder gebe es lustige Begebenheiten, sagt sie. Die Bedienungen kennen fast jeden Gast beim Namen, die Gewohnheiten und Lieblingskuchen. Es sind freundschaftliche Beziehungen entstanden, man lacht miteinander und erträgt und übersteht Leid gemeinsam.

Info: Am Mittwoch, 23. November, spielt zum Jubiläum das Seniorenorchester des Akkordeon- und Handharmonikaclubs ab 19.30 Uhr im Café auf.