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01. August 2011

Ein Geschichtsbuch aus dem Tal

Jahrelange Arbeit an der Ortsgeschichte Langenordnach / Statt einer reinen Höfechronik entstand ein 460 Seiten starkes Buch.

  1. Die fünf Geschichtsforscher von Langenordnach Werner Morath (von links) Egon Wursthorn, Markus Straub, Karl Wursthorn und Willi Straub präsentierten ihr Arbeit der letzten viereinhalb Jahre. Foto: Liane Schilling

TITISEE-NEUSTADT. Druckfrisch präsentierten am Freitag die fünf Heimatforscher des Titisee-Neustädter Ortsteils Langenordnach im Festzelt des Skiclubs ihre 460 Seiten umfassende Ortschronik mit dem Titel "Langenordnach – ein Tal im Hochschwarzwald". Viereinhalb Jahre waren Werner Morath, Willi und Markus Straub, sowie Egon und Karl Wursthorn mit den Nachforschungen und Erhebungen in verschiedenen Archiven, Ämtern und Pfarrhäusern sowie bei den Familien beschäftigt, ehe das Werk in Druck gehen konnte.

Den Gedanken so etwas zu machen, habe man schon lange gehegt, aber bei der Vorstellung der Chronik Waldau habe er den Entschluss gefasst, ’jetzt packe mer’s a’", erzählte Karl Wursthorn und meinte "wenn einer uff de ander wartet, wird’s immer schwieriger". Daher suchte er sich geeignete Partner, die bereit waren Zeit und Arbeit in die Idee zu stecken, eine Ortschronik zu erstellen. Das Team war bald gefunden, die ersten Arbeiten gingen zügig voran und es wurden weitere Kontakte geknüpft. So gab Helmut Heizmann aus Kappel bei Freiburg, der schon einige Erfahrungen mit dem Thema hatte, wertvolle Tipps und Hinweise. Auch das Gewann "Ebene" wurde mit aufgenommen, was durch sehr viele Besitzerwechsel enorme Mehrarbeit verursachte, so Karl Wursthorn. Bald entstand der Wunsch des Autorenteams nicht mehr nur eine reine Höfechronik zu verfassen, sondern diese durch verschiedene historische Aufsätze zu ergänzen. Dazu konnten Gastautoren gewonnen werden. So erarbeitete Richard Constabel aus England, sehr mit der Uhrmacherei verbunden, das entsprechende Kapitel. Gerrit Müller (Natur, Forst- und Landwirtschaft), Kurt Hodapp (Geigenbau) und Detlef Herbner (Heimatgeschichte) brachten sich ebenfalls mit ihren Fachgebieten und Artikeln ein.

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Anregung zum Nachforschen und Diskussionsstoff

Das Gesamtergebnis geht, dem Urteil des Verlegers Wolfgang Schillinger zufolge, "weit über den Charakter einer Ortschronik hinaus, ist schon eher ein Geschichtsbuch". Herbner führte aus, dass man bei der Lektüre des Buches merken werde, "was wir geschrieben haben, ist eine Einführung". Es werden, so Herbner weiter, "Fragen aufgeworfen, die den Jungen unter uns Anregung geben sollen, zum Nachforschen und uns allen, Diskussionsstoff". Seine Ausführungen zum Ortsnamen Langenordnach allein belegten diese Aussage. Der hochdeutsche Name Langenordnach tauche erstmals 1581 auf, vorher ab 1437 sei von der "der Ordna" fast wie im heutigen Alemannisch "in de Orne" die Rede. In der ersten Urkunde, in welcher Langenordnach schriftlich erwähnt wird, in der Schriftrolle des Verzeichnisses seiner Erwerbungen des Klosters St. Peter "Rotulus Sanpetrinus" genannt, wird der Ort im Mittelalterlatein "Vallis Nodera" genannt. Vallis steht, so Herbner, unstrittig für Tal. Nordera kann für die nördliche Ach, also den von Norden kommenden größten Zufluss der Gutach/Wutach, stehen. Oder, so die Gedanken von Gerrit Müller, ausgehend von einer keltischen Sprachwurzel, steht "Nor" für Sumpf, damit für einen sumpfigen Bachlauf?

Einen Rückblick auf die Arbeit als "Loschori" in Ämtern und Archiven gab Egon Wursthorn. Dabei habe es nicht nur positive Erlebnisse gegeben. Da man sich in einer wichtigen Pfarrei absolut nicht willkommen fühlte, mussten die Recherchen nach Freiburg verlegt werden. Dort fielen jeweils 15 bis 17 Euro nur an Parkgebühren an, die Qualität der Bildschirme ließ ebenfalls zu wünschen übrig. Dennoch konnten die Forscher letztlich stolz das Ergebnis ihrer Arbeit präsentieren. Neben der Geschichte der einzelnen Häuser, die auch in Form von Tuschezeichnungen von Anita Schwörer präsentiert werden, beinhaltet das Buch auch Themen wie "das wandelnde Bächlein", Hochwasser, Landwirtschaft im Wandel der Zeit, Entwicklung von Wirtschaft und Tourismus, den Kiesabbau im Dorf, Straßenbau, Ortsgrenzen, kirchliche Begebenheiten und Kapellen. Die politische Entwicklung wird ebenso beleuchtet wie die Vereinsgeschichte.

Hinterseh: "Sie haben Unglaubliches geleistet"

Da Einflussnahme von außen nicht gewünscht war, übernahm Karl Wursthorn vom Schachenhof, den Werner Morath als Motor des Unterfangens bezeichnete, die Finanzierung der Druck- und Unkosten. Wenn knapp 500 Bücher zum Preis von 48 Euro verkauft werden, so seine Ausführungen, sind die Ausgaben gedeckt. Gedruckt wurden 600 Exemplare. Die Zeichnungen der Höfe können gerahmt und von Anita Zähringer mit einer Widmung versehen, für 52 Euro erworben werden. Die Sparkasse, Thomas Binder und die Transportbetonwerke finanzierten als Sponsoren den Präsentationsabend, der vom Kirchenchor Waldau musikalisch umrahmt wurde.

Bürgermeister Armin Hinterseh dankte dem Chronikteam für das Engagement und lobte "Sie haben Unglaubliches geleistet". Er freute sich, dass die Stadt Titisee-Neustadt so gut dokumentiert sei, und meinte an Karl Wursthorn gewandt, der humorvoll durch den Abend geführt hatte, sie sind "nicht nur der rot Bur, sondern auch de Gottschalk vo de Orne".

Autor: Liane Schilling