Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

16. Mai 2013 14:04 Uhr

Erfinderischer Schwarzwald

Ein Windmessturm aus Holz

Ein Windenergieprojekt aus Vöhrenbach hat einen Messturm selbst konstruiert – aus Holz. Dabei half auch Knowhow aus Neustadt, Ingenieur Peter Bläsi glaubt, dass die Holztürme auch im Hochschwarzwald in den Himmel wachsen.

  1. Foto: Siventis

HOCHSCHWARZWALD / VÖHRENBACH. Der Holzweg muss nicht immer in die falsche Richtung führen. Bei der Siventis GmbH führt dieser Weg nach oben und zwar 100 Meter weit. So hoch soll der selbsterfundene und -konstruierte Windmessmast werden, der derzeit auf der Linacher Höhe (zwischen Furtwangen und Vöhrenbach) gebaut wird. Die Siventis GmbH ist keine große kommerzielle Windkraftfirma, sondern ein Projekt von 20 Bürgern aus der Region, die drei Windparks errichten wollen. Die meisten von ihnen sind Anwohner oder Grundstückseigentümer der Flächen, auf denen die Windräder später stehen sollen. An drei Standorten wollen sie insgesamt zwölf Kraftwerke aufstellen.

Die Vorteile des nachwachsenden Rohstoffs

Vor dem Windrad kommt die Windmessung. Bevor die Räder sich drehen, muss jeder Unternehmer rausfinden, ob sich das an dieser Stelle überhaupt lohnt. Nur bei ausreichender Windhöffigkeit produziert das Rad genügend Strom und wirft entsprechend Rendite ab.

Normalerweise werden für die Messung hohe Masten aus Stahl errichtet, die aussehen wie ein Baugerüst. Den Menschen von Siventis ist aber etwas anderes eingefallen. Sie bauen den Messmast aus Holz. "Das hat einige Vorteile", sagt Ulrich Bremauer, einer der Geschäftsführenden Gesellschafter. Zwar liegen die Kosten im Vergleich zur Stahlkonstruktion etwa gleich hoch, bei rund 100 000 Euro, inklusive aller Messinstrumente. "Aber wir arbeiten hier mit nachwachsendem Rohstoff und wir haben eine lokale Wertschöpfungskette", sagt er. Gebaut wird der Turm mit dem Holz der Weißtanne von einer örtlichen Zimmerei. Außerdem wird in den Turm eine Leiter eingearbeitet. Für Wartungsarbeiten müssen so keine externen Spezialfirmen beauftragt werden, wie das bei Stahltürmen der Fall ist. Eigene geschulte Mitarbeiter können die Jobs in der Höhe übernehmen,

Werbung


Der Turm wird wie ein Stecksystem zusammengesetzt. Die einzelnen neun Meter langen Elemente werden Stück für Stück mit einem Hubkran übereinandergesetzt und mit Bolzen verbunden. Für die nötige Stabilität sorgen 12 Millimeter dicke Stahlseile, die zur Seite abgespannt werden. Die einzelnen Elemente können auch wieder abgebaut werden und an anderer Stelle erneut zum Einsatz kommen. Dabei können dann einzelne Verstrebungen ausgewechselt werden.

Mit einem Messturm kann auch die Windhöffigkeit in einem Umkreis von etwa sieben Kilometern bestimmt werden. Dafür kommen mobile Messgeräte zum Einsatz, die mit Sonar- oder Lasertechnik den Wind vom Boden aus Messen.Verlässlich werden diese Werte erst, wenn sie in Relation zu den Daten des Turms gesetzt werden.

Für die Statik des Holzturms ist der Ingenieur Peter Bläsi aus Neustadt verantwortlich. Der Spezialist für fliegende Bauten und Holzkonstruktionen (er entwarf die Holzachterbahn im Europa-Park) kam über die Holzkette in Kontakt mit den Menschen von Siventis. "Ich kann mir gut vorstellen, dass die Türme auch bald bei uns stehen", sagt Bläsi. "Die Vöhrenbacher sind uns ungefähr eineinhalb Jahre voraus, was Windkraft angeht", meint er.

Geeignet sei die Holzvariante auch für den Hochschwarzwald. "Die Anlage auf der Linacher Höhe liegt auch auf etwa 1000 Meter, das Klima ist vergleichbar. Das würde von den Voraussetzungen auch hier funktionieren", sagt er. Wie der Wind gemessen wird, hängt letztendlich von den Investoren ab, die die Windräder bauen. Aber der Holzmessmast habe noch einen weiteren Vorteil, meint Bläsi. "Das sieht viel besser aus, als wenn so ein Stahlgerüst im Wald steht", sagt der Ingenieur.

Autor: Sebastian Wolfrum