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07. September 2012 18:04 Uhr

Extreme

Hochschwarzwald: Wetter verleidet Sammlern die Pilzsaison

Man muss schon ein Glückspilz sein, um derzeit Pilze im Hochschwarzwald zu finden – die Saison ist ausgesprochen schlecht. Der Grund: das pilzunfreundliche Wetter. Allerdings besteht noch etwas Hoffnung.

  1. Wo sind sie geblieben? Pilzsucher sehen im Hochschwarzwald diese Saison oft alt aus – es wachsen nur wenige der schmackhaften Hutträger. Foto: dpa

Herbstzeit ist Pilzzeit? Kommt leider ganz darauf an, wie das Wetter in den Monaten zuvor war. Und dieses Jahr war es bislang absolut pilzunfreundlich. Wo sich im Schwarzwald sonst reichlich Pfifferlinge, Steinpilze und Co. tummeln, wächst dieses Jahr so gut wie nichts.

Dass Doris Laber ihren Besuch mit Kaffeetasse in der Hand empfängt, ist heute kein gutes Zeichen. Denn eigentlich ist sie zum Pilzesammeln verabredet, aber sie macht nicht den Eindruck, als würde sie ihre Tasse abstellen und mit Korb und Fachwissen bewaffnet auf Pilzejagd gehen. Im Gegenteil.

"Dieses Jahr ist ein sehr schlechtes Pilzjahr", sagt Laber. "Wir haben so gut wie nichts gefunden." Wir, das ist sie und ihr Mann, Peter Laber. Die beiden sind absolute Spezialisten auf dem Gebiet der Pilze, seit 1972 beschäftigen sie sich mit dem Thema. Sie haben in den 40 Jahren schon zahlreiche Artikel in Büchern und Fachzeitschriften herausgegeben, mehr als 400 Werke mit Fachliteratur stehen in den Bücherregalen ihres Wohnzimmers. Die beiden Hinterzartener wissen Bescheid, was in Sachen Pilze im Hochschwarzwald geht. Und eben auch, wenn nichts geht.

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"Im Juli gab es ein paar madige Steinpilze. Und einmal haben wir eher durch Zufall ein paar Pfifferlinge gefunden. Die haben schon für eine Mahlzeit für uns beide gereicht. Aber wir essen ja auch beide nicht so viel", sagt Doris Laber. Schuld an der schlechten Ausbeute ist das Wetter, meinen die beiden. "Es gab dieses Jahr zu viele Extreme. Mal war es zu heiß, mal zu kalt, dann gab es wieder einzelne starke Regenfälle, dann wieder gar keinen Niederschlag. Ideal wäre ein mittleres feuchtes Klima", sagt Peter Laber. "Ich meine, wir bekommen den Klimawandel da zu spüren", ergänzt seine Frau.

Der Hochschwarzwald ist eigentlich ein hervorragendes Gebiet, um essbare Pilze zu sammeln. Die sauren Böden in den Fichtenwäldern bieten ein fruchtbares Umfeld. Hier wachsen Steinpilze, Birkenpilze, Maronenröhrlinge sowie der Große Gelbfuß, Riesenschirmlinge und Pfifferlinge. Das sind nur die Gängigsten.

Oft werden Pilze verwechselt

Unter den etwa 1000 Großpilzsorten finden Menschen, die sich auskennen, noch einige weitere genießbare Arten mehr. "Das ist dann aber wirklich Expertensache", sagt Doris Laber. Denn obwohl sich unter Sammlern inzwischen herumgesprochen haben sollte, dass nur die Pilze geerntet werden sollten, die man wirklich kennt, passieren doch immer wieder Unfälle. "Oft passiert etwas, weil Menschen, die nicht von hier kommen, Pilze mit Arten ihrer Heimat verwechseln", sagt Peter Laber. Ein essbarer Pilz anderswo in der Welt kann einem giftigen Hochschwarzwälder Exemplar gleichen. "Eine Frau aus der Türkei hat sogar einen Fliegenpilz gegessen", sagt Peter Laber. Der Pilz also, der wohl der bekannteste unter den giftigen ist. "Aber der Pilz sieht eben dem essbaren südeuropäischen Kaiserling ähnlich."

Die meisten Menschen, die im Hochschwarzwald nach Pilzen suchen, sind vorsichtig genug. Und das sind nicht gerade wenige, die Gegend ist ein beliebtes Sammelgebiet, nicht nur für Hochschwarzwälder. Der Trend wurde sogar eher von außerhalb in die Region getragen, meinen die Labers. "Der Hochschwarzwälder ist traditionell beim Pilzesammeln sehr vorsichtig", meint Peter Laber. Populärer wurde das Suchen der Speisepilze nach dem Zweiten Weltkrieg, meint Doris Laber. Damals seien viele Menschen aus den vormals Deutschen Ostgebieten auch in den Schwarzwald gekommen. Und sie hätten auch ihre Vorliebe für Pilze aus dem Wald mitgebracht.

Laber macht Mut

Heute kommen viele Touristen wegen der leckeren Pilzvielfalt. Dass Pilzbestände durch die vielen Sammler dauerhaft gefährdet werden, daran glauben die beiden nicht. "Der Pilz selbst, das Mycel, sitzt ja unter der Erde. Wenn wir Pilze essen, ist das nur der sichtbare Fruchtkörper", sagt Doris Laber. Sie vergleicht das Mycel, ein wurzelähnliches Geflecht, und den Fruchtkörper mit einem Apfelbaum und den Äpfeln daran. "Wenn sie die Äpfel ernten, bleibt der Baum ja auch stehen und trägt nächstes Jahr wieder Früchte." Ein Sammelverbot, wie es etwa in der Schweiz gibt, hält sie deshalb nicht für sinnvoll. Dieses Jahr dürften ohnehin die wenigsten auf eine Pilzader gestoßen sein. Einige Glückspilze ausgeschlossen.

Ganz aufgegeben haben die Labers die Saison 2012 aber noch nicht, denn die kann noch ein bisschen andauern, etwa bis Ende September. Wenn in den nächsten Wochen ein konstanter, nicht zu starker Regen fällt und es dabei nicht zu kalt wird, würde Doris Lauber ihre Kaffeetasse gegen einen Korb zum Pilzesammeln tauschen. "Das kann noch was werden", macht Doris Laber Mut.

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Autor: Sebastian Wolfrum