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18. April 2015

Jeden Tag eine SMS vom Luchs

Die seltene Raubkatze streift seit zwei Wochen durch den Hochschwarzwald – jetzt trägt sie einen Sender am Hals.

  1. Ein Mitarbeiter verabreicht dem betäubten Luchs das Mittel zum Aufwachen. Foto: FVA

  2. Pinsel + Ohr = Luchs Foto: FVA

  3. Das Tier in der Fotofalle Foto: FVA

HOCHSCHWARZWALD. Der Luchs geht um im Hochschwarzwald. Seit einiger Zeit zieht das seltene Raubtier mit den Pinselohren durch die Region. Und seit Donnerstag vergangener Woche tut es das mit einem Sender um den Hals, der seine Bewegungen genau aufzeichnet. Dem Luchs scheint es hier zu gefallen, er legt große Strecken zurück, den Hochschwarzwald hat er aber bislang noch nicht verlassen.

Ein Schafbesitzer bringt die Mitarbeiter der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg (FVA) auf die Spur der Wildkatze. Am Ostersonntag war ein Lamm gerissen worden. Für die Mitarbeiter der FVA sieht es stark nach dem Fang eines Luchses aus. Fotofallen bringen kurz darauf den Beweis. Den Ökologen gelingt es am Donnerstag vor einer Woche das Tier zu fangen und zu betäuben, um ihm ein Halsband mit einem Sender umzulegen (wir berichteten).

"Wir freuen uns richtig darüber", sagt Hubertus Knoblauch darüber, dass jetzt bestätigt ist, dass ein Luchs durch die Region streift. Knoblauch ist der stellvertretende Leiter des Hauses der Natur am Feldberg und Mitbegründer der Luchs-Initiative, die sich dafür einsetzt, dass der Luchs in Baden-Württemberg wieder heimisch wird. Vom Lebensraum her sollte der Luchs sich wohlfühlen im Schwarzwald. "Er braucht nicht viel. Nur Wald und genügend Rückzugsraum", sagt Knoblauch. Gefahr für Menschen geht vom Luchs nicht aus. "Das ist so ein scheuer Kerl", sagt er.

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"Das ist so ein scheuer Kerl"

Hubertus Knoblauch,

Haus der Natur
Wildtierökologe Micha Herdtfelder von der FVA bekommt seit diesem Donnerstag jeden Tag eine SMS von dem Luchs. Beziehungsweise von seinem Halsband. Dort sitzt der Sender, der genau aufzeichnet, welche Wege das Tier geht. Und die sind mitunter ziemlich weit. Vom 12. bis zum 13. April hat er 32 Kilometer zurückgelegt. Luftlinie. "Luchse haben ein sehr großes Streifgebiet", sagt Herdtfelder. Ihre Reviere sind im Durchschnitt 200 Quadratkilometer groß. Das Halsband soll das circa zwei bis drei Jahre alte Tier nicht stören, bei anderen Luchsen mit Sendehalsband sei keine Beeinträchtigung bekannt, so Herdtfelder. Das Band fällt nach 52 Wochen automatisch ab, nach der Zeit geht der Batterie des Senders die Energie aus. Ob das Tier ein neues Halsband bekommen soll, steht nicht fest. Bis dahin hofft die FVA Genaueres über Routen, Fressverhalten und Rückzugsräume zu erfahren.

Außerdem sollen Jäger informiert werden, wenn sich der Luchs in ihrem Revier aufhält. Sie sollen Erfahrungen sammeln können, etwa darauf achten, ob etwa das Wild sich anders verhält. "Hier gibt es viele Gerüchte über die Anwesenheit des Luchses", sagt Herdtfelder. Der Luchs hat einen besseren Ruf als der Wolf. Wohl, weil er seltener ist und wenn, dann nur einzelne Tiere reißt. Überhaupt ist die Zusammenarbeit mit Jägern und Nutztierhaltern besonders wichtig beim Thema Luchs. Genauer als "Hochschwarzwald" soll der Aufenthaltsort des Luchses nicht öffentlich bekanntgegeben werden. Nutztierhalter und Jäger werden aber informiert, wenn der Luchs in ihrer Nähe ist. "Die Zusammenarbeit läuft da wirklich super", sagt Herdtfelder. Der Landesjagdverband hat die Patenschaft für den Luchs übernommen. Und wird als Pate der Raubkatze einen Namen geben.

Der 21-Kilo-Luchs mit einer Schulterhöhe von etwa 60 Zentimeter, der durch den Hochschwarzwald zieht, stammt wahrscheinlich aus der Schweiz, Herdtfelder vermutet den Jura als Herkunftsort. Das wird derzeit geprüft. Mit Genproben kann eingegrenzt werden, aus welcher Population und damit aus welcher Region der Luchs kommt. "Oder es läuft über die Fellzeichnung. Die ist wie ein Fingerabdruck. Wir haben Fotos an die Schweizer Kollegen geschickt", sagt Herdtfelder.

In Baden-Württemberg wurden schon öfter Luchse gesehen. Das Geschlecht wurde aber erst bei drei Tieren festgestellt – alle drei waren männlich. Micha Herdtfelder geht davon aus, dass der Luchs mit Sender irgendwann wieder abwandert, da er in der Region keine Partnerin findet.

LUCHSE

Der Luchs ist für den Menschen ungefährlich. Angriffe sind nicht bekannt, das Tier ist sehr scheu. Der Luchs frisst auch Nutztiere, dafür wird Entschädigung aus einem Ausgleichsfond bezahlt. Wer einen Luchs sieht, oder Schäden melden will: Tel. 0761/4018274  

Autor: swo

Autor: Sebastian Wolfrum