Kaninchen, keine Gottheiten

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Von vfdw

Di, 21. Juli 2015

Titisee-Neustadt

Das Kunstforum Hochschwarzwald zeigt Bilder der Künstlerin Verena Haisch-Avemark.

TITISEE-NEUSTADT. Die Ausstellung "Vom Meer und anderen Gewässern" klingt wie eine Geschichte. Sie handelt von dem Element Wasser, das Malerin Verena Haisch-Avemark genau betrachtet und nach ihrer Vorstellung abgebildet hat. Dabei entstanden in Öl gemalte Momentaufnahmen, die zum langen Betrachten einladen.

Das Kunstforum Hochschwarzwald bot den zahlreichen Kunstinteressierten am Freitagabend eine Erfrischung der besonderen Art. Und so überrascht es nicht, dass die Besucher beim Betreten der Ausstellungsräume an diesem heißen Abend gleich ins Schwärmen gerieten; "ach da wird es einem gleich kühler" oder "am liebsten möchte man eintauchen" war zu hören. Die Bilder von Verena Haisch-Avemark zeigen nämlich das kühle Nass, mal als rauschenden Bach, mal als wogende See oder auch als stehende Pfütze, die die Farben des sich spiegelnden Himmels wiedergibt und selten als ruhiges unendlich weites Meer.

"Für Verena Haisch-Avemark ist das Meer zweifellos ein Sehnsuchtsort und eine Quelle der Inspiration, doch ihr Blick darauf zeigt keine romantische Verklärung. Sie ist nicht an einer symbolischen Aufladung des Themas interessiert, sondern an dem, was sie – zumeist aus der Vogelperspektive heraus – betrachtet", erklärt Antje Lechleiter, die das Thema der Ausstellung näher bringt. Verena Haisch-Avemark malt seit 2004 Landschaften und Stillleben, davor arbeitete sie als Textilkünstlerin. Die Inspiration für ein Bild käme ihr oft bei einem Spaziergang, erklärt sie, "dann male ich mit Acryl vor Ort oder ich mache ein Foto, aber nicht, um dieses dann genau so abzubilden, sondern als Gedächtnisstütze, damit ich mich erinnern kann, was ich in dem Moment gesehen habe." Vor Ort entstanden etwa die Bilder des Flusses Neumagen, der durch Haisch-Avemarks Wohnort Bad Krozingen fließt. Die Beweglichkeit des Wassers abzubilden, dieser Wunsch entflammte bei der Künstlerin die Begeisterung für das Thema Wasser.

Mehr Farben für das Meer

Die Meeresbilder sind im Atelier entstanden, wobei Haisch-Avemark eine Technik benutzt, die die Bilder um viele Farbnuancen erweitert. "Die Künstlerin macht sich die Leuchtkraft der Grundierung zunutze, indem ihre neuen Leinwände oftmals mit den Farbresten der alten Palette grundiert werden. Auf diese Weise schimmert immer wieder ein frisches Rot oder ein Grün aus der Tiefe hervor", erläutert Antje Lechleiter in ihrer Einführung, "wir sehen also einen sehr freien Umgang mit Farbe und Form." Frei ist Verena Haisch-Avemark auch in der Auswahl ihrer Motive. Auch etwas Unscheinbares und Gewöhnliches wie eine Pfütze im Acker verwandelt sie auf der Leinwand zu Schönem, wobei die Spuren im Schlamm, der das klare, spiegelnde Wasser umgibt, sehr abstrakt wirken und man erst auf den zweiten Blick sogar Reifenspuren darin erkennen kann. "Kein Mensch würde denken, dass eine Ackerpfütze so aussieht, aber sie sieht tatsächlich so aus", sagt Haisch-Avemark.

Sie möchte die Dinge, so abbilden, wie sie sie gesehen hat und erzählt erklärend dazu eine Geschichte aus dem Zen-Buddhismus. Sie handelt davon, dass ein alter Meister und sein Schüler ein weißes Kaninchen vorbei hoppeln sehen und der Schüler auf die Frage des Meisters, was er denn gerade gesehen habe, antwortet "das muss eine Gottheit gewesen sein" woraufhin der Meister ihn rügt, "nein du Dummkopf, das war ein weißes Kaninchen." "Ich male also keine Gottheiten, ich male weiße Kaninchen", erklärt Haisch-Avemark schmunzelnd.

Die Ausstellung von Verena Haisch-Avemark ist bis zum 9.August im Kunstforum und im Rathaus Neustadt zu sehen. http://www.kunstforum-hochschwarzwald.de