Von Otto und andere Anekdoten

Antje Walter

Von Antje Walter

Sa, 08. August 2015

Titisee-Neustadt

"Die treue Theresia": Ein Rückblick vor den letzten beiden Aufführungen der Jostäler Freilichtspiele an diesem Wochenende.

JOSTAL. Seit drei Wochen wird samstags und sonntags vor der Oehlermühle das Theaterstück "Die treue Theresia – Eine Hinterzartener Bäuerin kämpft um Ihren Hof" aufgeführt. Autor Wulf Schmidt hat mehrere Vorstellungen gesehen und staunt, was für ein lebhaftes Stück aus seinem Rollenbuch entstanden ist. Theater entwickelt sich und lebt von unvorhersehbaren Situationen, wie viele Begebenheiten zeigen.

Tontechnik wie die Großen
Der Terminplan von Tontechniker Christian Fuchs liest sich wie eine Liste sämtlicher berühmter Großstädte, Bühnen und Veranstaltungsorte. Zwischen Hamburg, Wien, Zürich und zahlreichen anderen taucht auf einmal Jostal-Schildwende auf. Sicher war den anderen Auftraggebern nicht bewusst, dass es sich bei den Jostäler Freilichtspielen um ein zumindest gleichwertiges Event handelt.

Begeistertes Publikum
Außer am ersten Spielwochenende – hier gab es noch wenige Restkarten –, konnten die rund 60 Darsteller bislang immer, selbst an regnerischen Abenden, vor ausverkauftem Haus und begeistertem Publikum spielen. Über den Vorverkauf sind längst keine Karten mehr zu bekommen und teilweise warten Interessierte bis zu drei Stunden an der Abendkasse auf eventuelle Rückläuferkarten.

Otto genießt das Streicheln
Er ist der "gewichtigste" Darsteller im Stück. Vor Jahren schon sollte der Ochse eigentlich geschlachtet werden, jedoch hatte die Schwägerin des Besitzers Mitleid mit dem Tier und kaufte es kurzerhand selbst. Jetzt lebt er als Pensionsgast auf dem Hof und darf, da er derart handzahm ist, beim Freilichttheater als letztes Stück Vieh, das vom Hof verkauft wird, mitspielen. Er genießt seinen Auftritt sichtlich und liebt es, dafür von vielen Händen gestreichelt zu werden.

Drehbühne für starke Männer
Die Idee einer Drehbühne kam den Bühnenbauern der Zimmereien Hog-Schwörer und Fürderer schnell. Nur dass sie sich so ins Zeug legten, dass die Spinnstube (innen) und der Sägebauernhof (außen) gleich mehrere hundert Kilo wiegt und nur mit der Kraft von mehreren Männern zu bewegen ist, war so nicht vorgesehen.
Historisch detailgetreu
Das historische Stück wird mit Original-Requisiten aus der Zeit um die Jahrhundertwende gespielt. Dazu gehören Trachten, Schuhe, Taschen und vieles mehr. Auch die Leihgabe von mehr als 100 Jahre alten Original-Bügelflaschen mit Bierkiste sowie Krügen der Firma Rothaus trägt dazu bei, die Szenen so authentisch wie möglich zu gestalten. Der Original-Statikplan des Ravenna-Viadukts wurde zwar nachgedruckt, dann aber mit Kaffeesatz, Tee und anderen Hilfsmitteln gealtert. Auch Einweisungspapiere in die Heil- und Pflegeanstalt Illenau sowie eine Original-Postkarte aus Rotterdam und alte Reichsmark-Geldscheine mussten her.

Von WhatsApp zu Walking
Von Anfang an gut vernetzt hatten sich die Frauen der Spinnstube durch die Einrichtung einer WhatsApp-Gruppe. Kein Wunder waren Sie die Ersten, die mit Arbeitstracht, Spinnrad und weiteren Requisiten bei den Proben erschienen. Und was machen die Spinnwiiber mit dem freien Abend, den Sie durch den Wegfall der Proben bekommen haben? Sie gründen eine Walking-Gruppe.

Italienisch für Italiener
Die italienischen Bauarbeiter der Höllentalbahnstrecke (Markus Wangler und Stefan Ketterer) mussten zunächst einmal mehrere Sätze Italienisch lernen, um sich auf dem Weg ins Wirtshaus "echt" unterhalten zu können.

Schnecken fürs Publikum
In der letzten Szene geht die "alte" Theresia (Rosel Kaltenbach) in den Garten und findet dort Schnecken. Das Thema ist dem Publikum bekannt. Geschrei entsteht jedoch, wenn sie ein paar Schnecken hochkant ins Publikum befördert, weiß dieses zuvor nicht, dass eigens hierfür vorher essbare Fruchtgummischnecken im Beet versteckt werden.

Bald unkrautfrei
wird der gesamte Bühnenplatz sein, wenn die "alte" Paulina (Irmgard Beha) weiterhin fleißig mit ihrem Gehstock das Unkraut auskratzt. Damit angefangen hat sie bereits während der Proben, damit sie, wie sie sagt, "etwas zu tun hat".

Ein Glas Freibier
Weil Andreas Schwär als Lorenz Kapp eine Woche vor der Premiere im Urlaub war, hatte er nicht mitbekommen, dass das Ende der Hochzeitsszene erweitert worden war. Man hatte wohl vergessen ihm mitzuteilen, dass ihm seine Angetraute Theresia (Franziska Waldvogel), wenn sie ihn auf den Misthaufen gestoßen hat, noch ein Glas Bier anschüttet.

Sensibel
Weggetragen wird Bauer Frieder (Armin Lickert) in der Hochzeitsszene nach dem Handgemenge mit Lorenz Kapp (Andreas Schwär). Eingefallen war das Magnus Hofmeier (Feuerwehrmann Johann), dem die Szene recht heftig erschienen war.

Die falsche Pause
Weil Helmut Lüber als Moderator zu Beginn einer Szene bereits verfrüht die Pause ansagen wollte, was das Publikum mit freudigem Lachen honorierte, wurde dieser Part in die Hände der Kinder gelegt.