Nahost-Konflikt

Trump erfüllt mit seiner Jerusalem-Politik den Wunsch evangelikaler Christen

Frank Herrmann

Von Frank Herrmann

Di, 15. Mai 2018 um 20:18 Uhr

Ausland

Präsident Donald Trump hat die US-Botschaft in Israel nach Jerusalem verlegt. Während die Mehrheit der amerikanischen Juden das verfrüht findet, steht eine Gruppe voll hinter Trump: die Evangelikalen.

Noch bevor er das Abschlussgebet sprach, um der US-Botschaft in Jerusalem Segen zu spenden, gab John C. Hagee Donald J. Trump seinen Segen. "An Ihren Namen wird man sich noch in tausend Jahren erinnern", schmeichelte der Pfarrer in einem Interview mit dem rechtspopulistischen Nachrichtenportal Breitbart News. "Sie haben die politische Unsterblichkeit erreicht, denn Sie hatten die Courage, das zu tun, was sich andere Präsidenten nicht getraut haben." Dieser Mut unter Feuer, er werde Trump in die Geschichtsbücher eingehen lassen.

Hagee ist Prediger einer protestantischen Megakirche, der Cornerstone Church im texanischen San Antonio. Als Gründer der Organisation "Vereinigte Christen für Israel", mit mehr als zwei Millionen Mitgliedern ein nicht zu unterschätzender Faktor, rührte er schon die Trommel für den Botschaftsumzug von Tel Aviv nach Jerusalem, als noch keiner mit Trump im Weißen Haus rechnete. Auch um sich Hagees Rückendeckung zu sichern, versprach Trump im Wahlkampf, Jerusalem noch vor einer Friedensregelung als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Das war ein Manöver, um evangelikale Christen für sich einzunehmen.

Die hatten den in dritter Ehe verheirateten Immobilienunternehmer aus New York zunächst skeptisch beäugt, sich dann aber hinter ihn gestellt. 80 Prozent der weißen evangelikalen Wähler entschieden sich für Trump, der nun mit dem Botschaftsumzug ein Versprechen einlöst, das auf ihrer Agenda weit oben rangiert. Während die Evangelikalen also treibende Kraft hinter Trumps Entscheidung sind, sieht das bei amerikanischen Juden anders aus. Laut American Jewish Committee waren vor wenigen Monaten 68 Prozent von ihnen dagegen, die Botschaft ihres Landes schon jetzt nach Jerusalem zu verlegen.

Nur hat Hagee, ein Fernsehprediger mit angenehmer Baritonstimme, dessen Einfluss weit über San Antonio hinausreicht, Bibelzitate über das Gelobte Land derart bizarr interpretiert, dass es Stürme der Entrüstung auslöste. Ende der Neunziger verstieg er sich gar zur Behauptung, Gott habe den Holocaust geschehen lassen, "weil Gott sagte, es ist meine höchste Priorität für das jüdische Volk, dass es heimkehrt in das Land Israel". Hitler, so Hagee, habe die Juden in göttlichem Auftrag nach Palästina vertrieben.