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19. August 2011 12:06 Uhr
Finanzmarkt
Unruhe an den Börsen: Was Anleger tun können
Die Furcht vor Inflation und fallenden Aktienkursen lässt manche Anleger derzeit schlecht schlafen. Anlässe zur Sorge gibt es genug – vermeintlich kluge Ratschläge, was zu tun ist, auch. Wir geben Hilfestellung.
Aber für komplizierte Probleme gibt es selten simple Lösungen. Wer sich angesichts der Turbulenzen an den Börsen Gedanken über seine Anlagestrategie macht, muss mit einem Kassensturz anfangen und prüfen, wie es um die eigenen Finanzen bestellt ist. Was für den einen Anleger gelte, stimme für den anderen noch lange nicht, warnen Verbraucherschützer.
Soll man Aktien jetzt lieber loswerden?
Fallende Kurse bedeuten für Aktienbesitzer schmerzhafte Verluste – zumindest auf dem Papier, solange die Aktien noch nicht verkauft sind. "Wer jetzt verkauft, verkauft zu einem schlechtem Kurs", gibt Peter Lischke von der Verbraucherzentrale Berlin zu bedenken. "Dann stellt sich auch die Frage: Was mache ich mit dem Geld?" Eine andere Anlageform ist häufig mit Kosten verbunden, was die Rendite schmälert. "Wenn ich zum Beispiel in Fonds investiere, zahle ich in der Regel Ausgabeaufschläge. Auch bei den Fonds weiß ich nicht, wie sie sich entwickeln."
Also abwarten und Tee trinken?
Stillhalten, bis sich die Börsen erholen, kann eine Strategie sein. Nur: Keiner weiß, wie lange das dauert. "Und die Kurse können natürlich weiter nachgeben", warnt Lischke. Wer mit deutlichem Verlust verkaufen würde und das Geld derzeit nicht dringend braucht, für den ist Abwarten eine Option. "Kann ich auf das Geld nicht verzichten und würde sogar mit Plus aussteigen, verkaufe ich besser."
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Soll man bei fallenden Kursen einsteigen?
Die Idee klingt genial: Die Inflation steigt (wenn auch bislang nicht dramatisch), auch Schulden werden damit billiger. Warum also nicht bei der Bank einen Haufen Geld leihen und Aktien kaufen, die gerade im Sonderangebot zu haben sind? Ganz so einfach ist es aber nicht: "Das ist eben sehr spekulativ", warnt Lischke. "Die Aktienkurse müssen dann tatsächlich deutlich steigen, wenigstens so stark, dass ich davon die Darlehenszinsen begleichen kann." Und das sei ein erhebliches Risiko. "Wir raten, vom Aktienkauf über Schulden die Finger zu lassen."
Gelten in Krisenzeiten andere Spielregeln?
Auch wenn weltweit die Kurse fallen, ist das kein Grund, sich anders zu verhalten als zuvor. "Für Anleger gelten die gleichen Regeln wie sonst auch", sagt Christian Urban von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Also vor allem: Das Risiko streuen, nicht nur auf ein Finanzprodukt setzen und bei der Anlage auf die Kosten achten." Ganz wichtig sei, nie nur auf Aktien zu setzen, sondern auf einen breiten Mix von Fonds bis Festgeld. Das ist der beste Schutz gegen Verluste.
Ist Gold jetzt nicht das Sicherste?
Gold erscheint vielen derzeit als attraktive Anlage. Der Preis steigt und steigt. Am Donnerstag kostete eine Feinunze erstmals mehr als 1800 Dollar. Inflation kann Gold nichts anhaben. Aber dennoch sollten Durchschnittsanleger daraus keine falschen Schlüsse ziehen. "Wir raten auch jetzt nicht, in Gold zu investieren", sagt Urban. "Es spricht nichts dagegen, Gold zu haben, aber auf keinen Fall als einziges oder wichtigstes Anlageprodukt." Denn wie sich der Goldpreis künftig entwickelt, sei reine Spekulation. Beachtet werden sollte außerdem, dass Gold immer in Dollar gehandelt werde, sagte Julia Topar vom Bundesverband deutscher Banken. Das heißt, es gibt ein Währungsrisiko. Wenn der Dollarkurs nach unten geht, ist das schlecht für alle, die in Gold investiert haben. Und anders als zum Beispiel Tagesgeld oder Bundesschatzbriefe bringt Gold keine Zinsen.
Lohnt es sich, jetzt ein Haus zu kaufen?
Wer viel Geld in Aktien gesteckt hat und nun täglich sieht, wie es weniger wird, flucht womöglich über seinen Anlageberater. Die Überlegung ist naheliegend, die Aktien loszuwerden und ein Haus zu kaufen. Schließlich gilt Betongold als krisensicher – oder galt es zumindest. Denn die Immobilienpreise steigen nur in begehrten Gegenden. Auch ein Haus oder eine Eigentumswohnung ist also nicht generell eine sichere Bank. Aber: "Immobilien sind Sachwertanlagen und nicht von der Inflation betroffen", sagt Peter Lischke. "Wenn man das Geld überhat, ist es sicher ein guter Zeitpunkt für einen Immobilienkauf." Wenn nicht, hänge viel davon ab, wie der Kauf finanziert wird. Die Darlehenszinsen seien derzeit niedrig – für den Fall, dass man Geld leihen muss.
Wie sicher ist die Rente?
Fallende Kurse können die private Altersvorsorge treffen. "Das gilt vor allem bei einer fondsgebundenen Rentenversicherung", warnt Pamela Bantle von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Vielen ist das gar nicht bewusst." Wenn die Kurse runterrauschen, verschlechtert das die Aussicht für die Höhe der Rente. "Für Jüngere, die 30 oder 40 sind, ist das kein Problem, weil bis zur Rente noch viel Zeit ist." Anders ist es für jene, die bald in Rente gehen und bei der Altersvorsorge auf Fonds gesetzt haben. Die Frage lautet für sie, was riskanter ist: schnell aussteigen oder abwarten? "Wer sich absichern will, nicht noch mehr zu verlieren, der muss rausgehen", sagt Bantle. "Aber die Frage ist, was die Alternativen sind." Es führt kein Weg daran vorbei, auszurechnen, was welche Variante kostet – auch wenn am Schluss nur die Wahl zwischen Varianten mit dem geringsten Verlust bleibt.
- Übersicht: So sieht es derzeit an der Börse aus
Autor: Andreas Heimann, dpa
