"Uns fehlen mindestens zwei Lehrer"

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Di, 19. September 2017

Efringen-Kirchen

Schulzentrum kämpft in der Real- und Werkrealschule mit massiven Stundenausfällen / Versorgung in der Grundschule in Ordnung.

EFRINGEN-KIRCHEN. Unter denkbar schlechten Voraussetzungen ist das Schuljahr an der Real- und der Werkrealschule in Efringen-Kirchen gestartet. Von mehr als 40 Stunden, die aktuell ausfallen, berichtet Schulleiter Volker Pietschmann. Dieser Tage hat er in einem Elternbrief um Verständnis für die Situation geworben. Bis Ende September, wenn das offizielle Einstellungsverfahren für Lehrer endet, hofft Pietschmann, dass auch die Engpässe in Efringen-Kirchen beseitigt sein sollten.

Dabei klingen die nackten Zahlen nach einer eher entspannten Situation. Den 612 Schülern, die an Grundschule und an den beiden weiterführenden Schulen unterrichtet werden, stehen 55 Lehrkräfte gegenüber. Allerdings täuscht der erste Eindruck: 26 der Lehrerinnen und Lehrer sind in Teilzeit beschäftigt, "befinden sich in Elternzeit oder sind aus anderen Gründen freigestellt", erklärt Pietschmann. Nur in der Grundschule und in den Abschlussklassen reiche die Lehrerversorgung aus, um allen Unterricht ohne Einschränkung geben zu können. In allen anderen Klassen macht sich der Mangel an Pädagogen durch Unterrichtsausfälle bemerkbar.

Ganz bewusst habe Pietschmann vor dem Beginn des Schuljahrs, als sich schon abzeichnete, dass die zugewiesenen Lehrer nicht ausreichen würden, um alle Unterrichtsstunden abzudecken, bei der Konzeption des Stundenplans darauf geachtet, dass sich die Lücken nicht bei einzelnen Klassenstufen häufen, sondern dass die Ausfälle möglichst gleichmäßig verteilt werden und zumindest die Hauptfächer so gut es geht abgedeckt sind. Dies sei auch weitgehend gelungen.

"Ich hoffe jeden Tag von Neuem, dass mich das Schulamt anruft und mir mitteilt, dass wir einen Kollegen oder eine Kollegin zugewiesen bekommen", schildert Pietschmann die Situation. Dabei sei ihm inzwischen schon fast egal, welche Fächerkombination die zusätzliche Lehrkraft mitbringe – "das können wir im Notfall durch interne Verschiebungen hinbekommen – Hauptsache wir bekommen jemand", erklärt er ernüchtert. Auch wenn das Schuljahr schon eine Woche läuft, seien die Einstellungsverfahren noch immer nicht abgeschlossen. Noch bis Ende September läuft die Runde, in der das Schulamt nach geeigneten Lehrern sucht.

Ärgerlich für den Schulleiter – und damit ist Pietschmann nicht alleine – ist der Umstand, dass die Lehrereinstellung in Baden-Württemberg seit Jahren das Schlusslicht im Verteilungskampf um Pädagogen bildet. Bis junge Lehrer mit einer Zusage in Baden-Württemberg rechnen könnten, haben viele von ihnen längst fertig unterschriebene Arbeitsverträge in anderen Bundesländern in der Tasche – und fehlen dann natürlich hier, wenn Personal gesucht wird.

Wenigstes von einem Problem, das manche Schule im ländlichen Raum trifft, bleibt Efringen-Kirchen verschont. "Als Schulstandort sind wir richtig attraktiv", ist sich Pietschmann sicher. Immerhin lasse sich die Schule sowohl mit dem Zug als auch mit dem Auto sehr gut erreichen – gerade auch von Freiburg aus. Dazu käme eine stattliche Zahl an Fahrgemeinschaften, die dafür sorgt, dass die Anfahrt für niemanden eine Tortur wird.