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16. Juni 2012

UNTERM STRICH: Von Deutschen überrollt

Zwei Rollhockeyteams aus Weil im Meisterschaftsfinale der Schweiz.

Alle Sportfans in der Schweiz müssen jetzt ganz tapfer sein: Das Finale um die Schweizer Rollhockeymeisterschaft findet ohne Schweizer Mannschaft statt. Ausgerechnet zwei deutsche Vereine strecken die Hand aus nach dem eidgenössischen Silberpokal. Der Rollsportverein Weil am Rhein und der Rollhockeyclub aus dem Weiler Stadtteil Friedlingen haben sich für die beiden Endspiele qualifiziert. Das erste beginnt heute um 15.30 Uhr in der Rollsporthalle am Nonnenholz.

Für das Schweizer Selbstbild ist das nun nicht der tobleronische Gipfel des Genusses. Es steht zu befürchten, dass der landsmannschaftliche Stolz durch den doppelten teutonischen Einfall ziemlich überrollt wird. Noch hallt im Nachbarland die Drohung mit dem Einmarsch der Kavallerie nach, die Peer Steinbrück bildhaft zum Lüften des Schweizer Bankgeheimnisses einmal ausgestoßen hat. Noch sind die Aufgeregtheiten spürbar, die eine Schweizer Nationalrätin mit ihrer Klage über das epidemische Ausmaß deutscher Zuwanderung bewirkte.

Im Rollhockey freilich fühlten sich beide Weiler Vereine auf der anderen Rheinseite willkommen. Seit neun Jahren kurvt der RSV Weil schon mit Stock und Ball durch den Schweizer Ligabetrieb, 2009 holte der Traditionsverein bereits einmal das Schweizer Double aus Meisterschaft und Pokal. Im gleichen Jahr gesellte sich der neu gegründete RHC Friedlingen hinzu. Frei von Animositäten ist das Verhältnis aber nicht: Im Halbfinale gegen Genf kassierte der RSV nach der Schlusssirene noch einen Treffer, dem stattgegeben wurde. 2010 hob der Verband für das Pokalfinale die Sperre gegen den Spielertrainer des Weiler Gegners aus Diessbach entgegen seines Reglements kurzerhand auf. Ein Weiler Protest verlief im Sande.

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Ein deutsches Finale um den Schweizer Titel ist ein schwer verdaulicher Brocken für das autonome Alpenland. Doch vielleicht lindert die Erinnerung an die eigene Fußball-Nationalelf den Kummer: Wer schießt schon fünf Tore gegen den kommenden Europameister?

Autor: Matthias Kaufhold