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08. Juni 2015

Junge Winzer am Kaiserstuhl (1)

Franziska Schätzle (Weingut Schätzle in Schelingen)

Franziska Schätzle bezeichnet sich im Vergleich zu ihren Eltern als konsequentere und kompromisslosere Winzerin. Sie würde ihr Sortiment gern auf die Sorten Grauburgunder, Chardonnay und Spätburgunder spezialisieren.

  1. Franziska Schätzle Foto: schoenen

KAISERSTUHL. Der Strukturwandel im Weinbau schreitet am Kaiserstuhl rasant voran. In immer mehr Betrieben übernimmt die junge Generation das Kommando. In einer Serie stellt die BZ die "jungen Wilden" vor. Heute ist Franziska Schätzle vom Weingut Schätzle in Schelingen an der Reihe. Die Fragen stellte BZ-Redakteur Gerold Zink.

BZ: Was machen Sie anders als Ihr Vater oder Ihre Mutter?

Schätzle: In allen Bereichen bin ich konsequenter und kompromissloser. Dies betrifft die großen Ziele, aber auch die kleinen Details und ist mit Sicherheit nicht immer der leichtere und schon gar nicht angenehme Weg. Aber ich fühle mich wohler dabei und die jüngsten Erfolge bestätigen uns.
BZ: Was fasziniert Sie am Beruf der Winzerin?
Schätzle: Die Vielfalt der Tätigkeiten mit dem direkten Kontakt zur Natur und den genussfreudigen Menschen, egal wo auf der Welt.
BZ: Beschreiben Sie Ihre Betriebsphilosophie mit drei Schlagworten.
Schätzle: naturnahes Denken, verantwortungsvolle Generationenleistung und burgundisch-eleganter Fokus

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BZ: Was schätzen Sie am Kaiserstuhl so sehr, dass Sie hier Ihre Zukunft planen?
Schätzle: In meinem persönlichen Fall ist diese Entscheidung sehr bewusst gefallen. Nach einigen Wanderjahren, Studium und ersten beruflichen Schritten im Ausland sowie einer längeren Station in Rheinhessen haben mein Mann und ich gemeinsam beschlossen, unsere Zukunft im Kaiserstuhl gestalten zu wollen. Noch heute fasziniert mich die Landschaft, die Vielfalt der Natur und kleinklimatischen Bedingungen auf engstem Raum täglich aufs Neue. Unsere Heimat hat einen unverwechselbaren Charakter.
BZ: Was muss in der Weinwirtschaft am Kaiserstuhl besser werden?

Schätzle: Mit Sicherheit kommen auf uns in den nächsten Jahren einige Herausforderungen zu, für die wir uns in den einzelnen Betrieben gut aufstellen müssen, aber auch in der Gemeinschaft vorausschauend agieren sollten. Nur mit wirtschaftlich gesunden Strukturen in der Breite werden wir auch die kleinen, hochwertigen und arbeitsintensiven Vulkanterrassen weiterhin pflegen und bewirtschaften können.
BZ: Mit welchen Weinen kann sich der Kaiserstuhl profilieren?

Schätzle: Mit Weinen, die die faszinierende Landschaft, die sonnig-warmen wie auch mineralisch und fruchtbaren Bedingungen aufgreifen und bis ins Glas transportieren. Dies gelingt in meinen Augen mit den Rebsorten Grau- und Spätburgunder hier am allerbesten. Und bringt Ergebnisse, die ihres Gleichen suchen und schon gar nicht austauschbar sind.
BZ: Was können junge Winzer am Kaiserstuhl gemeinsam bewegen?

Schätzle: Gemeinsam können wir die Dynamik, das hohe kreative und innovative Potenzial sowie die Weltoffenheit und den Charme der aktiven Winzergeneration weit über die Grenzen unserer Heimat hinaustragen und somit eine Magnetwirkung für Genießer, Weinliebhaber und Fachleute gleichermaßen erzielen.
BZ: Was ist für Sie ein großer Wein?

Schätzle: Ein großer Wein spiegelt den Charakter der Landschaft, in der er gewachsen ist, und die Persönlichkeit des Winzers, die ihn bis in die Flasche begleitet hat, und das auch noch viele Jahre nach der Abfüllung.
BZ: Sie gewinnen im Lotto zwei Millionen. In welches Wein-Projekt stecken Sie das Geld?
Schätzle: Ich bin Realistin und wenig vertraut mit solchen Träumereien. Aber einen Teil würde ich in Wein-Fortbildung zur Anschaffung großer Weine im Sinn der vorhergehenden Frage investieren. Der Großteil des Gewinns wäre für die Umsetzung eines noch klareren, burgundischen Profils bestimmt, mit dem Fokus auf kleine Vulkanterrassen, der Reduktion des Sortiments auf Grauburgunder, Chardonnay und Spätburgunder sowie der Reaktivierung und Erhaltung der kleinen, hochwertigen Parzellen im zentralen Kaiserstuhl mit Grand Cru Charakter.

Franziska Schätzle (30), verheiratet, Mutter von zwei Töchtern; Studium von Weinbau und Önologie in Geisenheim und Dijon (Burgund); Praktika und Arbeit in der Pfalz, Bordeaux, Burgund, Neuseeland und Spanien (Kellermeisterin im Weingut Ossian); Veranstaltungsorganisation für den VDP, 2013 Einstieg in das familieneigene Weingut Gregor & Thomas Schätzle (13 Hektar Rebfläche, Schwerpunkt Grau-, Weiß- und Spätburgunder sowie Chardonnay).
Info Wein-Party: Über 40 junge Kaiserstühler Winzer präsentieren bei der Veranstaltung "Wein-Fass-Bar" am Freitag, 17. Juli, 18 bis 2 Uhr, im Weingut Fritz Keller in Oberbergen ihre Weine; Vorverkauf 15 Euro (zzgl. VVK-Gebühren), Abendkasse 20 Euro (inklusive Weine, Sekt und Wasser), Karten erhältlich beim BZ-Karten-Service
(bz-ticket.de/karten oder Telefon 0761/4968888), bei allen BZ-Geschäftsstellen, beim Weingut Abril in Bischoffingen, beim Weingut Gerhard Karle in Ihringen und beim Weingut Fritz Keller in Oberbergen.

Autor: gz