Über den eigenen Tellerrand hinaus

Sylvia Sredniawa

Von Sylvia Sredniawa

Mo, 03. Dezember 2018

Waldkirch

Der Rotary-Club Elzach-Waldkirch hat sich seit seiner Gründung gut entwickelt / Soziale Projekte und Schüleraustausch.

WALDKIRCH. Zwei Jahre ist es inzwischen her, dass im Hotel "Silberkönig" in Bleibach die Charter-Party des neuen Rotary-Clubs Elzach-Waldkirch stattfand. Seitdem ist die Gruppierung auf etwa 28 Mitglieder angewachsen, die aus der Wirtschaft (vor allem dem Mittelstand), Dienstleistung, Bildung, Medizin und anderen Bereichen der Gesellschaft kommen. Sie alle vereint, dass sie sich über aktuelle Entwicklungen austauschen und etwas bewegen möchten – vor allem im Bereich der Bildung, Völkerverständigung und sozialen Projekten.

Jede Woche gibt es ein Treffen im Gasthaus "Löwen" in Buchholz – mal früh, mal mittags, mal abends. Damit sollen regelmäßigere Teilnahmen ermöglicht werden als an einem festen Termin pro Woche. Denn "wir sind kein Altherrenclub", stellt die aktuelle Präsidentin Heike Langer (Langer Medical, Waldkirch) fest, und ihre Bemerkung lässt sich nicht nur an ihr selbst prüfen, die als Frau gerade den Vorsitz hat, sondern auch mit einem Blick in die Runde: Die meisten hier sind noch voll im Berufsleben, oft in leitenden Positionen – und Zeit ist eigentlich etwas, was sie kaum haben. Und trotzdem sind sie der Einladung in den Club gefolgt, um dem Gemeinwesen mit ihren Möglichkeiten zu dienen.

"Kein Altherrenclub", sondern mitten im Leben

Ein Viertel der Mitglieder sind Frauen. Und mit am Tisch sitzt dieses Mal auch eine ganz junge Frau, Kelly, die über das Rotary-Schüleraustauschprogramm für ein Jahr aus Neuseeland nach Deutschland gekommen ist und das Geschwister-Scholl-Gymnasium besucht. Der Kontakt hierher kam zustande, weil auch Schulleiter Bernd Zickgraf Rotarier ist; vom Sommer 2017 bis 2018 war er selbst Präsident des Rotary-Clubs Elzach-Waldkirch, als Nachfolger des Gründungspräsidenten Richard Leibinger. Die Unterbringung und Betreuung der Schülerin teilen sich die Clubmitglieder vierteljährlich, so dass das Mädchen mehrere Familien kennenlernt und mit einer Fülle von Erfahrungen wieder nach Hause fahren kann. Angekommen ist sie, ohne ein Wort Deutsch zu können, aber jetzt, wo der Aufenthalt dem Ende zugeht, klappt das ganz gut.

Bei fast jedem Treffen des Rotary-Clubs im "Löwen" gibt es einen Vortrag von einem der Clubmitglieder, mal über sein Unternehmen, mal über Medizin, mal über Kunst – was ein jeder hier einbringen kann und möchte, um den Horizont der anderen zu erweitern. Auch mehrere Betriebsführungen brachten den Clubmitgliedern neue Erkenntnisse.

Diesmal ist Volker Höhlein, Geschäftsführer vom "’S Einlädele" in der Guntramstraße in Freiburg, zu Gast und bedankt sich beim Rotary-Club Waldkirch-Elztal für dessen enormen Einsatz bei der Ukrainehilfe und für die Gespräche, die maßgeblich mit dazu beitrugen, dass die angekündigte hohe Mieterhöhung und die Kündigung fürs Einlädele zurückgenommen wurde. Zu Beginn eines fünfstündigen Gesprächs, das Dieter Klausmann, selbst Finanz- und Immobilienexperte in Elzach, mit dem Vermieter führte, habe Serkan Tetik die anwesenden Gesprächspartner völlig überrascht: Er hatte sich selbst inzwischen ein umfangreiches Bild vom Einlädele gemacht und war zu der Überzeugung gelangt, dass es erhalten werden müsse. Auf dieser Basis konnte ein gutes Gespräch geführt werden, in dessen Ergebnis die Mieterhöhung fürs Einlädele zurückgenommen wurde.

’S Einlädele wiederum unterstützt in der Ukraine seit 25 Jahren unter anderem eine Kinderklinik und Tageseinrichtungen für Straßen- und andere arme Kinder. Das "Vaterhaus" arbeite unter schwierigsten Bedingungen, berichtete Höhlein. Die Mitarbeiter "stehen oft vor der Entscheidung, ob das vorhandene Geld fürs Essen oder fürs Heizen oder für Medikamente ausgegeben werden soll". Für alles zusammen reicht es nie. Pro Monat wird deshalb ein 40-Tonner mit Sachspenden oder Dingen, die von Geldspenden gekauft wurden, in die Ukraine geschickt. Schon 25-Mal war seit den 1990er Jahren auch Hans-Peter Fischer aus Elzach – ebenfalls Rotarier – in der Ukraine, das letzte Mal zusammen mit Dieter Klausmann. Im Gepäck hatten sie eine Geldspende über 1000 Euro des Rotary-Clubs Elzach-Waldkirch und Spielgeräte, die in Biederbach nicht mehr benötigt wurden. Unter Schirmherrschaft von Gernot Erler, Freiburg, und Esther Weber, Gutach, wurde zum 25-jährigen Bestehen der Ukrainehilfe des Einlädeles außerdem das neue Projekt "Hoffnung Heute" gestartet, mit dem Paten für Kinder, Senioren, Familien und Projekte gesucht werden – ein wichtiges Signal auch vor dem Hintergrund der aktuellen Auseinandersetzungen zwischen der Ukraine und Russland.

Weihnachtsüberraschung für Pflegeheimbewohner

Aber auch im Inland engagiert sich der Rotaryclub Elzach-Waldkirch. In diesem Jahr zum dritten Mal will er die Bewohner des Senioren- und Pflegeheims St. Elisabeth mit einer Geschenkekiste überraschen. Auch für das Alten- und Pflegeheim St. Nikolai ist die Aktion geplant. Auch Baumpflanzungen stehen im Programm. Beteiligen will der Club sich zudem am Kampf der Rotary-Clubs gegen Kinderlähmung. Hier ist geplant, Deckel von Plastik-Getränkeflaschen zu sammeln. Die Deckel seien aus wertvollem Material und können besser wiederverwertet werden als die PET-Flaschen. 500 Deckel könnten eine Polio-Impfung finanzieren. Hier hofft der Club auch auf eine gute Zusammenarbeit mit Supermärkten.

Voller Freude blickt man zudem auf den Juni 2019: Dann treffen sich in Hamburg – erstmals seit 30 Jahren in Deutschland – rund 25 000 Rotarier aus der ganzen Welt zur Welt-Rotary-Konferenz. Ganz sicher fahren auch Mitglieder aus dem Elztal hin sowie vom Partnerclub Sélestat. Weltweit gibt es über 1,2 Millionen Rotarier, die den Ideenaustausch fördern und für Völkerverständigung eintreten.