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02. Januar 2012
"Die weiten Strecken sind der Tod des Zirkus"
BZ-INTERVIEW mit Zirkusdirektor Walter Frank über die Kritik von Tierschützern, die hohen Transportkosten und die gestiegenen Ansprüche der Zuschauer.
WALDSHUT-TIENGEN. Wenn Elefanten oder Bären in der Manege auftreten, schlagen die Herzen vieler Zirkusfreunde höher. Doch Tierschützer prangern seit Jahren schlechte Lebensbedingungen und umstrittenen Dressuren an. Ursula Freudig fragte Walter Frank, Direktor des Circus Luna, der bis 8. Januar in Waldshut-Tiengen gastiert, nach dem Leben im Circus. Der 74-Jährige stammt aus einer Zirkusfamilie, deren Stammbaum bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Vor gut 40 Jahren gründete er den Circus Luna.
BZ: Herr Frank, was gibt es in Ihrem Circus zu erleben?Frank: Wir sind ein klassischer Circus von mittlerer Größe, der eine bunte Mischung aus Artistik, Clownerei und Tierdressuren zeigt. Unser Publikum sind größtenteils Familien und Kinder, die Tiere sehen wollen. Nur artistische Hochleistungen langweilen Kinder. Wir haben rund 40 Tiere, die wir größtenteils selbst aufgezogen haben und die teilweise schon sehr lange bei uns sind. Maultier Isolde ist zum Beispiel 40 Jahre alt, Braunbär Bessie haben wir mit der Hand aufgezogen, 20 Jahre ist er jetzt alt. Unsere Tiere arbeiten mit Freude und werden von uns mit Geduld und Liebe und natürlich mit Leckerli dressiert. Mit Gewalt erreicht man bei ihnen gar nichts.
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Frank: Es gab vergangenes Jahr einen Unfall bei einer Betriebsfeier. Ein Mann hat sich mit seinem Kind zwischen den Elefanten und einen Zaun gestellt, weil er sich möglichst schnell in eine gute Position für das Foto mit Benjamin bringen wollte. Benjamin hat sich gar nicht bewegt, nur umgedreht und hat dabei versehentlich den Mann und sein Kind getroffen, die gegen den Zaun gedrückt wurden und dadurch verletzt wurden.
BZ: Die Tierschutzorganisation Peta sieht das anders.
Frank: Es stimmt nicht, wie Peta den Vorfall in der Öffentlichkeit dargestellt hat. Peta nützt den Vorfall aus, um Benjamin als verhaltensgestört und aggressiv hinzustellen. Alle, die es beobachtet haben, sagten, es wäre ein Unfall gewesen. Wir wurden auch nicht strafrechtlich verfolgt. Peta verbreitet Unwahrheiten und wir haben wenig Möglichkeiten, uns zu wehren. Das ist rufschädigend. Benjamin wird entsprechend den vorgeschriebenen Leitlinien gehalten, zum Beispiel was die Gehegegröße betrifft. Bei uns ist alles in Ordnung, die Veterinärämter kontrollieren regelmäßig die Haltung und Pflege unserer Tiere und haben keine Beanstandungen.
BZ: Benjamin ist bei Ihnen gut aufgehoben?
Frank: Er ist bei uns im Circus groß geworden, hier ist sein Zuhause, er wäre woanders unglücklich und würde sich auch nicht in eine Gruppe integrieren. Wir hatten anfangs zwei Elefanten, aber einer davon ist durch eine von einem Fuchs übertragene Salmonellenvergiftung gestorben. Wir haben alles versucht, ihn zu retten. Wieder einen neuen jungen Elefanten zu bekommen, ist uns nicht gelungen. Seit 1990 gibt es ein Einfuhrverbot für Elefanten, selbst Zoos haben heute Schwierigkeiten, einen zu bekommen.
BZ: Zirkus ist heute ein hartes Geschäft?
Frank: Ja, die Ansprüche der Leute sind sehr hoch. Aber unser größtes Problem sind die Städte, die uns zu wenig Plätze zur Verfügung stellen. Da wo früher Festplätze waren, sind jetzt Parkplätze. Wir haben immer längere Transportwege und immer höhere Transportkosten. Liegt zum Beispiel unser nächster Tourneeort 80 Kilometer entfernt, müssen wir insgesamt mit unseren schweren, viel Sprit verbrauchenden Zugfahrzeugen, 3000 Kilometer hin und her pendeln, bis alles dort ist. Das ist mit extrem hohen Kosten verbunden. Die weiten Strecken sind der Tod des Zirkus.
In den neuen Bundesländern war der Zirkus früher ein Kulturgut, für den Plätze zur Verfügung gestellt werden mussten. Heute wird er als Kulturgut nicht mehr anerkannt. Hinzukommt, dass wir nur schwer planen können, weil die Städte ihre Plätze nicht zu einheitlichen Zeiten vergeben. Wir lieben unseren Zirkus, aber wir kommen manchmal an eine Grenze.
BZ: Wie ist es mit dem Futter?
Frank: Das ist auch nicht einfach. Wir können nur eine Reserve mitnehmen und müssen immer vor Ort bei den Landwirten Futter kaufen, auch wenn es teuer ist.
BZ: Sie blicken dennoch nach vorne?
Frank: Ja, wir sind ein Familienzirkus mit einem extremen Zusammenhalt. Wir machen alles als Team, das schweißt zusammen und macht stark.
Autor: bz
