Im Geist der Ökumene

Ursula Freudig

Von Ursula Freudig

Di, 11. September 2018

Waldshut-Tiengen

Gemeinsame Glocken für die katholische und die evangelische Gemeinde in Waldshut.

WALDSHUT-TIENGEN. Lang haben Kirchgänger auf das vertraute Glockengeläut verzichten müssen, jetzt ist ein Ende ihres Verstummens absehbar: Der marode, einsturzgefährdete Dachreiter der katholischen Gottesackerkapelle im Waldshuter Stadtpark wird saniert. Danach dürfen die drei Glocken darin wieder schlagen. Dies nicht nur für die Anlässe in der Gottesackerkapelle, sondern wie bisher auch, im Geiste der Ökumene: Die Glocken werden auch wieder zu den Gottesdiensten in die nur wenige Schritte entfernte evangelische Versöhnungskirche einladen.

Dort und auch im evangelischen Pfarrhaus sind Schalter, mit denen ihr Läuten ausgelöst werden kann. Dass die Gottes-acker-Glocken wieder schlagen ist im Interesse beider Kirchen, deshalb wird jetzt auch ökumenisch saniert: Die katholische und evangelische Kirchengemeinde Waldshut teilen sich die Kosten in Höhe von 80 000 bis 100 000 Euro. Damit die Sanierung auch zur Sache der Gemeindemitglieder wird, laden Dekanin Christiane Vogel (evangelische Kirchengemeinde) und Pfarrer Ulrich Sickinger (katholische Kirchengemeinde) für 16. September zu einem ökumenischen Glockenfest ein. Es beginnt mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Versöhnungskirche, der von Dekanin Vogel und Pfarrer Sickinger geleitet wird. Ein Projektchor aus Mitgliedern beider Kirchengemeinden wird die Bach-Kantate "Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut" singen. Danach geht es nahtlos über in ein geselliges Beisammensein im Stadtpark mit vielen Angeboten, die von den Gemeindeteams beider Kirchen organisiert werden. Dazu gehören Stände mit Mittagessen und Kuchen in großer Auswahl, Spielangebote für Kinder und ein Schätz-Wettbewerb. Sämtliche Einnahmen aus dem Glockenfest werden für die Sanierung des Dachreiters der Gottesackerkapelle verwendet. Das gemeinsame Tragen der Kosten und das gemeinsame Fest sind für Pfarrer Sickinger und Dekanin Vogel besonderer Ausdruck der guten Zusammenarbeit zwischen den beiden Kirchen. Beiden liegt die Ökumene sehr am Herzen, selbstverständlich sei sie aber keineswegs. "Wir haben ein tolles Miteinander und können fast alles zusammen machen", so Pfarrer Sickinger. Und Dekanin Vogel: "Wir halten als Christen zusammen, was uns verbindet ist wichtiger als was uns trennt." Beiden ist bewusst, dass am Tag des Glockenfestes auch der Tag der offenen Tür in der neuen Stadthalle ist. Der Ratschlag von Dekanin Vogel für Stadthallen-Interessierte: "Nach dem Mittagessen bei uns hinüber schlendern zur Stadthalle."

Fest und Sanierung: Das ökumenische Glockenfest am Sonntag, 16. September beginnt mit einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Versöhnungskirche ab 10.15 Uhr. Anschließend Fest im Stadtpark bis etwa 15 Uhr. Im Frühjahr 2019 soll die Sanierung des Dachreiters der Gottesackerkapelle beginnen, bereits an Ostern kommenden Jahres sollen die Glocken wieder läuten.