Böse Überraschung

Wanderin am Kandel durch Hubschrauber komplett eingekalkt

Helmut Rothermel

Von Helmut Rothermel

Fr, 31. August 2018 um 09:49 Uhr

Waldkirch

Von Kopf bis Fuß ist eine Emmendingerin am Kandel eingekalkt worden. Es habe keine Hinweisschilder gegeben, beklagen die Wanderer. Der Forstdirektor bedauert den Vorfall bei der Bodenkalkung.

Für die Bewohner von Waldkirch war die Geräuschkulisse schon Routine: Beim Fixhof in Siensbach waren mehrere Hubschrauber stationiert, die seit Ende Juli bis weit in den August hinein bei einer Bodenkalkung mit 6000 Flügen mächtig dröhnend über dem Kandel Kalkmehl verteilten. Dies wurde einem Ehepaar aus Emmendingen, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, zum Verhängnis. Seine Frau sei auf einer Kandelwanderung Mitte August ohne Vorwarnung von Kopf bis Fuß vollständig eingekalkt worden, erklärte der Ehemann gegenüber der BZ.

Schon am Parkplatz beim Altersbach habe das Paar einen Hubschrauber gehört und zunächst an einen Notfalleinsatz gedacht. Als Gesteinsmehl vom Himmel regnete, sei ihnen aber klar geworden, dass es sich um eine Bodenkalkung handelte. Der Hubschrauber sei schon bald wieder weggeflogen, und ohne Lärmbelästigung hätten die beiden über Waldpfade wandernd den Gipfel erreicht.

Bis auf die Unterwäsche eingekalkt – wegen fehlender Hinweisschilder

Auf dem Rückweg über den Damenpfad sei es dann aber in höherer Lage zu einer "fast beängstigenden Situation" gekommen, erinnert sich der Wanderer. Ein Hubschrauber sei in nicht allzu großer Höhe direkt auf die beiden zugeflogen, er selbst habe die Beine in die Hand genommen und erfolgreich Schutz gesucht. Seine Frau habe aber keine Chance mehr gehabt und sei in einer gelb-weißen Staubwolke verschwunden. Sie sei nicht nur mit Gesteinsmehl, sondern auch mit kleinen Brocken bis auf die Unterwäsche eingekalkt gewesen und habe ein Brennen in den Augen gespürt.

Was er kritisiere, sei, dass es keinerlei Hinweise und auch keine Wegabsperrungen gegeben habe. Dies hätten auch andere Wanderer bestätigt. Dieser Missstand solle doch bitte bei der nächsten Kalkungsaktion abgestellt werden, forderte der Wanderer.

Forstbezirk: Hauptwege gesperrt, aber nicht alle Wanderpfade

Gegenüber der Badischen Zeitung erklärte der Leiter des Forstbezirks Waldkirch, Martin Moosmayer, er bedauere es sehr, dass die Wanderer in den Kalkregen hineingeraten seien. Der beauftragte Unternehmer sei verpflichtet gewesen, alle Wege in dem Gebiet, die aktuell gekalkt wurden, mit Warnschildern zu sperren. Vor allem seien die Hauptwege gesperrt worden, man könne aber nicht alle Wanderpfade einbeziehen. Insgesamt wurden über 1000 Hektar Wald gekalkt und es wäre unverhältnismäßig gewesen, eine so große Waldfläche für die Bevölkerung zu sperren. Deshalb sei die jeweilige Tagesroute des Hubschraubers über dem Wald abgegrenzt worden.

Bei dem ausgebrachten Material handele es sich um gemahlenes Dolomitgestein aus dem Kaiserstuhl. Es sei zu einhundert Prozent naturbelassenes Gesteinsmehl, das seit über 30 Jahren in Baden-Württemberg ausgebracht werde und keine negativen gesundheitlichen Reaktionen auslöse. Das Material könne von der Kleidung problemlos abgeklopft oder von Haut und Haaren abgeduscht werden. Bisher sei im Forstbezirk noch keine Beschwerde über einen ähnlich gelagerten Fall wie den geschilderten eingegangen. Dennoch würde er gerne mit den Betroffenen ins Gespräch kommen, um eventuelle Probleme zu klären.

Kalkung soll "unnatürliche" Säure im Wald abpuffern

Zum Hintergrund der Kalkungsaktion erklärte Moosmayer, dass so "unnatürliche" Säureeinträge in den Wald abgepuffert werden sollen. Es sei keine Düngung. Durch die Maßnahme werde die Vitalität des Waldes für zehn bis 15 Jahre wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Sie diene auch dem Erhalt der Natürlichkeit, Vielfalt und Schönheit des Kandelwaldes. "Und genau deshalb haben wir hier auch ein so tolles Gebiet für den Tourismus einschließlich der Wanderer", erklärte Moosmayer.