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20. Juli 2010 12:17 Uhr

Ursachenforschung

Warum brennen immer wieder Bauernhöfe?

Sechs Tote beim Brand eines Bauernhauses in Hessen, mehrere abgebrannte Schwarzwaldhöfe in Südbaden: Immer wieder werden Bauernhäuser durch Brände zerstört. Was sind die Gründe?

Die Ursache des verheerenden Feuers im hessischen Limburg ist noch völlig unklar – doch auch der von einem Feuer zerstörte Schneiderhof bei Staufen ist ein aktuelles Beispiel dafür, dass immer wieder alte Höfe von Großfeuern heimgesucht werden. Alexander Widmaier, Kreisbrandmeister für Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, ist zurückhaltend mit verallgemeinernden Aussagen – jeder Brand sei anders. Trotzdem nennt er Gründe, warum alte Schwarzwaldhöfe besonders gefährdet sind. Die Menge der brennbaren Materialien ist bei in diesen Gebäuden besonders groß, weil sie zu großen Teilen aus Holz gebaut sind und in Scheunen oder Ställen Heu, Stroh oder Getreide lagert.

Außerdem entsprechen alte Höfe oft nicht den Anforderungen des modernen Brandschutzes: "Heute würde man zum Beispiel zwischen Wohn- und Ökonomiegebäuden bestimmte Brandschutzmauern errichten", sagt Widmaier. "Aber vor 300 Jahren hatte man natürlich noch nicht das gleiche Wissen über Brandverläufe wie heute."

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Die große Hitze ist stets ein Problem für die Feuerwehren

Bricht in einem alten Anwesen ein Feuer aus, verbreitet sich der Brand oft rasend schnell, findet immer neue Nahrung und entwickelt eine enorme Hitze. So werden immer wieder historische Bauten durch Brände bis auf die Grundmauern zerstört: Am 5. Juli brannte der Schneiderhof am Eingang zum Münstertal nieder, zehn Tage zuvor das ehemalige Gasthaus Hirschen in Bubenbach, einem Ortsteil von Eisenbach. Im Januar war ein historisches Weingut in Endingen am Kaiserstuhl niedergebrannt. Vergangenen November zerstörten Brände unter anderem den Röschhof in Simonswald und ein altes Schwarzwaldhaus in Lenzkirch-Kappel; im September war der wohl aus dem 17. Jahrhundert stammende Kesslerhof in Hinterzarten abgebrannt. Auch ein Bauernhaus in Herrischried wurde durch ein Feuer komplett zerstört.

Für die Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis seien solche Brände eine große Herausforderung, sagt Alexander Widmaier. Wegen der großen Hitze können die Feuerwehrleute häufig nicht in das Gebäude und zum Brandherd vordringen. Schwierig sei manchmal auch die Lage eines Hofes, wenn er zum Beispiel im Winter nur schwer anzufahren werden kann, und die Versorgung mit Wasser: "Häufig muss die Feuerwehr lange Schläuche bis zu einem Bach oder Teich verlegen", sagt Widmaier, zum Beispiel wenn Höfe keine eigenen Löschteiche oder Zisternen haben. Viele Freiwillige Feuerwehren planen Anfahrt und Wasserversorgung für die größeren Anwesen in ihren Bereich schon im Voraus - für alle Fälle.

Wie gefährdet ein Gebäude ist, hängt nicht nur vom Alter ab, das bestätigt Michael Kuhn von der SV Sparkassenversicherung. Wichtiger seien der bauliche Zustand eines Gebäudes und die Frage, ob und wie es gewerblich genutzt werde. Bei alten Gasthäusern oder Bauernhöfen müsse das in der Regel individuell feststellt werden.

Viel Staub bedeutet: Brandgefahr

Die Suche nach der Brandursache ist in solchen Fällen nicht leicht - vor allem, wenn die Gebäude völlig zerstört wurden. Meist sei die Brandursache in den Wirtschaftsgebäuden zu finden, sagt Volker Weber, Leiter der Kriminaltechnik bei der Freiburger Polizei. Gerade in Ställen seien technische Defekte an alten Anlagen ein möglicher Auslöser. Durch viel Staub besteht eine latente Brandgefahr: So könnten sich beispielsweise Heu- und Strohpartikel entzünden, wenn sie sich auf einem heißen, ungeschützten Halogenscheinwerfer ablagerten.

Ebenfalls gefährlich sind Heustockbrände, bei denen Bakterien in frisch eingelagerten Heuballen für Hitze sorgen und sich diese im schlimmsten Fall selbst entzünden. Dem Verdacht auf Brandstiftung geht die Polizei mit speziell geschulten Brandmittelspürhunden nach, die etwa Benzin, Diesel oder Spiritus riechen können, sagt Weber. Im Zweifelsfall werden Proben der Asche oder des Untergrunds untersucht.

Um die genaue Ursache zu ermitteln, beauftragt die Staatsanwaltschaft auch externe Sachverständige, die den Brandplatz und die Überreste des Feuers genau analysieren. Das kann dauern - oder ohne Ergebnis bleiben. Warum der Kesslerhof in Hinterzarten im September brannte, bleibt wohl unbekannt: "Die eigentliche Ursache kann nicht mit der erforderlichen Sicherheit geklärt werden", heißt es bei der Staatsanwaltschaft Freiburg.

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Autor: Thomas Goebel