Glosse

Warum es Silvio Berlusconi wichtig ist, dass das Klo geputzt ist

Julius Müller-Meiningen

Von Julius Müller-Meiningen

Mo, 15. Oktober 2018 um 15:58 Uhr

Fussball International

Der Schein zählt: Der italienische Ex-Ministerpräsident Berlusconi putzt angeblich immer das Klo, auf dem er gerade war. Jetzt kehrt er in den Fußball zurück – und gibt den Saubermann.

Silvio Berlusconi hat eine eiserne Maxime, das hat er einmal verraten: Der italienische Ex-Ministerpräsident putzt immer das Klo, auf dem er gerade war. Egal, ob er selbst Verursacher irgendwelcher Spuren ist oder nicht. Was zählt, ist der Eindruck. Man könnte als letzter Benutzer ja der Verschmutzung verdächtigt werden, auch wenn man selbst gar nicht deren Urheber sei. Das ist die Lex vom Saubermann, der hinter den Kulissen nach ganz eigenen Regeln lebt. Der Berlusconi-Kosmos ist bekanntlich voll von Skandalen, in dem seine Verurteilung wegen Steuerbetrugs fast schon wie eine Lappalie wirkt.

In diesem Zusammenhang wirkt auch der Kauf des lombardischen Fußballklubs SS Monza durch den 82-jährigen Medienunternehmer und Politiker aufschlussreich. 31 Jahre lang hatte Berlusconi den AC Mailand zum erfolgreichsten Club der Welt geführt, ehe er ihn vor einem Jahr für 740 Millionen Euro an einen chinesischen Geschäftsmann veräußerte. Im Alter hat ihn und seinen heute 74-jährigen Geschäftsführer beim AC Mailand, Adriano Galliani, offenbar erneut das Fußballfieber gepackt. Die Herren wollen Monza von der dritten Liga in die Serie A führen. Dazu hat Berlusconi jüngst einen recht bizarren Verhaltenskodex für die Spieler des Vereins erlassen.

Autogramm müssen leserlich sein

Diese müssten nicht nur jung und italienisch sein, sondern auch ihre Frisuren "sehr in Ordnung halten". Bärte seien verboten, "das schickt sich für Fußballer nicht". Ebenso wenig geduldet würden Tätowierungen oder Ohrringe. Die Spieler sollten nicht nur anständig gekleidet auftreten, sondern sich auch für rohe Fouls entschuldigen, die Autorität des Schiedsrichters anerkennen und lesbare Autogramme schreiben.

Erster Neuzugang ist langhaarig – und tätowiert

Es droht eine Revolution der Saubermänner im abgehalfterten italienischen Fußball. Es empfiehlt sich dennoch, ruhig zu bleiben. Das alte Berlusconi-Gesetz vom schönen Schein gilt immer noch. Denn die erste Neuverpflichtung des SS Monza unter dem neuen Eigentümer war ein langhaariger und tätowierter Spieler.