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Was 2018 so alles im Fernsehen läuft

Cornelia Wystrichowski

Von Cornelia Wystrichowski

Di, 02. Januar 2018 um 22:00 Uhr

Computer & Medien

Filme und Serien über Marx, Brecht und Anne Burda, Schwerpunkte zum Ersten Weltkrieg und dem Dreißigjährigen Krieg – das Fernsehjahr 2018 bietet einiges.

Im Fernsehjahr 2018 jagt ein TV-Ereignis das nächste, außerdem rollt bei der Fußballweltmeisterschaft in Russland der Ball, die Serienwelle erreicht einen Höhepunkt und Stefan Raab feiert sein Comeback – das neue Programmjahr wird voraussichtlich alles, nur nicht langweilig.

Serienfans haben 2018 die Qual der Wahl, denn Bezahlsender und Öffentlich-Rechtliche konkurrieren ums Publikum. Los geht es mit der achtteiligen Satireserie "Das Institut" (3.1., BR/NDR), in der es um ein deutsches Sprach- und Kulturinstitut im fiktiven Kisbekistan geht, das den Bewohnern des von ausländischen Mächten und inländischen Terroristen zerbombten Landes in Zentralasien deutsche Leitkultur näherbringen will. Danach schickt das ZDF die Fortsetzung des Mehrteilers "Tannbach" (ab 8.1.) über ein Dorf während der deutschen Teilung ins Rennen. Sky sendet die 25 Millionen Euro teure Fortsetzung von "Das Boot", die 40-Millionen-Euro-Serie "Babylon Berlin" läuft im Ersten – bei Sky war sie schon zu sehen. Im Frühjahr sendet das ZDF den sechsteiligen Finanzthriller "Bad Banks" mit Desirée Nosbusch, Amazon zeigt die Spionageserie "Deutschland 86" (die Fortsetzung von "Deutschland 83"), die ARD spinnt die Stasiserie "Weissensee" weiter. Für Herbst plant Sky die Weltuntergangsserie "Acht Tage" mit Christiane Paul, in "Dogs of Berlin" (Netflix) mit Fahri Yardim geht es um die Unterwelt, und in "Die Protokollantin" (ZDF) spielt Iris Berben die Mitarbeiterin eines Morddezernats. Man sieht: Geld spielt bei Serien offenbar eine Nebenrolle, und die Stars stehen für die Prestigeprojekte Schlange.

Doch auch der Fernsehfilm ist nicht tot, gefragt sind dabei vor allem große Namen und reale Ereignisse. Heinrich Breloers zweiteiliges Dokudrama "Brecht" befasst sich mit dem Dichter und Dramatiker, die ARD zeigt eine Gesellschaftssatire über Modezar Rudolph Moshammer (Titel: "Ich und R"), Mario Adorf spielt für den ZDF-Film "Der deutsche Prophet" Karl Marx, dessen Geburtstag sich 2018 zum 200. Mal jährt. Katharina Wackernagel verkörpert im ARD-Film "Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau" die legendäre Verlegerin aus der Ortenau. Der ZDF-Zweiteiler "Der Mordanschlag" behandelt das RAF-Attentat auf Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder, "Big Manni" über den Flowtex-Wirtschaftsskandal läuft im ersten Quartal im Ersten, ebenso der Zweiteiler "Gladbeck" über das Geiseldrama von 1988. Im dritten Quartal wird die ARD-Verfilmung von Lutz Seilers preisgekröntem Roman "Kruso" über Andersdenkende in der DDR zu sehen sein.

In Zeiten, in denen die EU vor großen Herausforderungen steht, erinnert das Fernsehen auch an zwei Kriege, die das Gesicht Europas verändert haben: Das Ende des Ersten Weltkriegs jährt sich zum 100. Mal, der Beginn des Dreißigjährigen Kriegs mit dem Prager Fenstersturz zum 400. Mal. Der Sechsteiler "Die eiserne Zeit" über den barocken Völkerkrieg, produziert von Sendern aus Deutschland, Schweden, Osteuropa und Frankreich, läuft im Sommer bei Arte. Das Dokudrama "Kaisersturz" (ZDF) mit Sylvester Groth als Wilhelm II. erzählt vom Ende der deutschen Monarchie anno 1918. Die ARD-Serie "18 – Krieg der Träume" befasst sich mit der Zeit zwischen 1918 und dem deutschen Überfall auf Polen 1939.

Im "Tatort" aus Kiel bekommt Axel Milberg eine neue Assistentin: Almila Bagriacik ist die Nachfolgerin von Sibel Kekilli. Außerdem ist Hannelore Hoger im Frühjahr im ZDF nach 24 Jahren zum letzten Mal als Bella Block im Einsatz, Robert Atzorn ist am 15.1. nochmal in der ZDF-Reihe "Nord Nord Mord" zu sehen. Sein Nachfolger wird Peter Heinrich Brix.

Stefan Raabs neue Erfindershow "Das Ding des Jahres", ein Mix aus "Die Höhle der Löwen" und Castingshows wie "Das Supertalent", soll im ersten Halbjahr auf Pro 7 laufen. Raab, der sich bekanntlich vom Bildschirm zurückgezogen hat, wird nicht selbst moderieren, sondern als Ideengeber die Strippen ziehen. Auch ein anderer TV-Rentner ist wieder aktiv: Harald Schmidt entwickelte die Idee zur neuen SWR-Verlegerserie "Labaule & Erben" mit Uwe Ochsenknecht, geplant für Ende 2018 – Schmidt selber wird aber wohl nicht vor der Kamera stehen.

Bei alledem soll ein Jubiläum nicht unerwähnt bleiben: Vor 90 Jahren wurde das erste öffentliche Fernsehbild in Deutschland übertragen. Der Bildschirm des Empfangsgeräts "Telehor" war vier auf vier Zentimeter groß und musste mit einer Lupe betrachtet werden. Der Apparat verkaufte sich ausgesprochen schlecht.