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18. August 2012

Wie aus der Saat des Ungehorsams

Der Anna-Kym-Garten, beziehungsweise Stadtpark, erhielt vor genau 50 Jahren sein heutiges Aussehen und genießt seitdem.

  1. Ein Bild vom Anna-Kym-Garten anno 1962. Alles wirkt noch sehr luftig. Foto: Stadtarchiv (2)/sabine Ehrentreich

  2. Heute, 50 Jahre danach, ein Foto von etwa der gleichen Stelle. Der Blick zur ev. Stadtkirche ist zugewachsen. Foto: Sabine Ehrentreich

Seine Schattenplätze sind gerade jetzt im Hochsommer heiß begehrt – vielleicht ist das auch der Grund, warum sein runder Geburtstag eher im Schatten der öffentlichen Wahrnehmung steht. 50 Jahre steht der Anna-Kym-Garten den Schopfheimern öffentlich als Stadtpark zur Verfügung. An seiner Gestaltung hat sich in dieser Zeit bis heute nichts Grundlegendes geändert. Seine Wurzeln sind allerdings deutlich älter.

UNGEHORSAM SEI DANK
"Das ist im Nachhinein schon irgendwie eine witzige Geschichte", findet Fachbereichsleiter Jürgen Sänger. Von der Badischen Zeitung aufs Stadtpark-"Jubiläum" angesprochen, wälzte er in Akten und Jahrbuchartikeln und stieß darauf, dass es eigentlich gar keinen Park geben würde – wenn es einst nach dem Willen der Stadt Schopfheim gegangen wäre.

Die verkaufte 1861 Landparzellen entlang der Bahnhofstraße. Der Verkauf war allerdings an eine Vorgabe gebunden: Alle Käufer waren verpflichtet, ihre erworbenen Flächen innerhalb von drei Jahren zu bebauen. Andernfalls, so drohte die Stadt, würde sie von einer Klausel Gebrauch machen, die ihr das Recht einräumt, bei Nichtbebauung den Verkauf rückgängig zu machen. Einen der Käufer, Fabrikant Carl Wilhelm Grether (1803-1890), scherte dies freilich wenig. Der Pionier der Wiesentäler Textilindustrie und Großvater der späteren Schopfheimer Ehrenbürgerin Anna Kym-Krafft (1856-1944) hatte bei der Versteigerung Flächen zwischen dem Schopfheimer Wuhr und der Bahnhofsstraße erworben. Für ihn war dies ein "Lückenschluss", da er zuvor daran angrenzende Grundstücke nördlich des Wuhrs gekauft hatte und dazu mehrere Gebäude an der Hauptstraße, darunter die einstigen Gasthäuser "Rössle" und "Sonne". Diese mussten später dem Grether-Kym’schen Palais weichen, das Grether an der Hauptstraße errichten ließ. Ein prachtvolles Gebäude, das 1960 wiederum teils abgerissen und in drei Geschäftshäuser umgeformt wurde – "zum Bedauern vieler Schopfheimer damals", weiß Stadtarchivarin Dr. Ulla K. Schmid. Sie hat den Werdegang dieses Gebäudes recherchiert und im Jahrbuch 2004 festgehalten. Da der Stadtpark untrennbar mit dem Palais verbunden ist, floss dessen Historie in den Artikel mit ein – wobei sich auch schon Ulla Schmids Schwester Rosemarie Wiegand einige Jahre zuvor mit dem Park und speziell mit seinen Bäumen beschäftigt hatte. Ein Text darüber findet sich im Jahrbuch 1995. Ulla Schmid hat ausführlich dokumentiert, dass die Stadt immer wieder darauf pochte, dass Grether auch die freie Fläche nach Süden zur Bahnlinie hin überbaut. Grether weigerte sich aber hartnäckig. 1874 schien es, dass die Stadt endgültig ernst macht. Sie plante von sich aus auf dem Gelände den Bau einer Volksschule. Grether spielte allerdings wiederum auf Zeit. Schließlich platzte dem Gemeinderat der Kragen und die Stadt stellte ein Ultimatum. Nun lenkte Grether ein und schlug vor, dass er ein Ökonomiegebäude errichtet und den Bauplatz "in einen schönen, mit Eisengitterzaun umsäumten Garten" umformt. Damit gab sich die Stadt zufrieden und Grether beauftragte den Karlsruher Architekten Hasslinger mit der Planung eines Gartens, ganz wie es damals in Mode war im englischen Stil.

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ALLMÄHLICHE ÖFFNUNG
Der Grether’sche Garten, der nun entstand, war beeindruckend. Allerdings wussten dies viele nur vom Hörensagen – die Schopfheimer hatten erstmal lange keinen Zutritt. Das ändert sich nach dem Tode Grethers insofern, als das Areal in den Besitz von Camill Kym und seiner Ehefrau Anna Kym-Krafft überging. Die Schopfheimer Ehrenbürgerin – bis heute für ihrer sozialen Wohltaten unvergessen – machte den Park einmal im Jahr zur Osterzeit zugänglich, zumindest für Mädchen und Buben des Kindergartens am Marktplatz. Für jedes Kind platzierte sie Osterkörbchen auf dem Gartenareal – darin befanden sich für damalige Verhältnisse geradezu unglaubliche Leckereien wie ein roter Zuckerhase. "Das war das große Ereignis für die Kinder", weiß Ulla Schmid aus Erzählungen von Schopfheimern, die das noch in ihrer Kindheit miterlebten. Nach dem Tod von Anna Kym-Krafft lebte eines ihrer drei Kinder, Tochter Elisabeth, noch bis 1947 im Palais. Dann zog sie nach Möhlin. Bis 1957 wurde das Gebäude vermietet. Dann stand das gesamte Anwesen, das faktisch schon seit 1923 der Wiesentäler Grund- und Waldgesellschaft gehört hatte, zum Verkauf. Zuerst wurde es der Volksbank angeboten, die aber winkte ab. Und so bemühte sich die Stadt um das Anwesen, musste sich dazu allerdings zuvor das Einverständnis von Elisabeth Kym sichern. Was dann geschah, sollte die Gemüter noch einige Zeit beschäftigen. "Fräulein Kym" ging offenbar davon aus, dass die Stadt hier ein Museum einrichtet. Bürgermeister Vetter beteuerte, keine verbindliche Verwendungszusage gemacht zu haben. KAUF DURCH DIE STADT
Die Stadt jedenfalls erwarb 1957 das Anwesen und verkaufte 1958 die Gebäude – mit den bereits beschriebenen Folgen für das Palais. Die Grünflächen allerdings behielt sie – in der Absicht, daraus einen öffentlichen Park zu machen. Zuerst wurde der Bauhof beauftragt, das Areal zu lichten. 1958 wurde eine Firma damit beauftragt, das Areal zu gestalten. Der Auftrag umfasste die Entfernung der Eisengitter, die bis dahin das Anwesen eingezäunt hatten, Säuberung und Verbreiterung der Wege, Bepflanzungen und das Anlegen eines Wasserbeckens. 1961 gab der Stadtrat dem Park den Namen Anna-Kym-Garten, zudem wurde der Bau einer Vogelvoliere beschlossen, die 1962 fertig wurde. Das ehemalige Gartenhaus wurde als Parkcafé verpachtet.

GEZIELTE BELEBUNG
"An der Gestaltung des Parks hat sich seit damals, also 1962, im Grunde nichts geändert", erklärt Jürgen Sänger. Grundsätzliche Änderungen sind auch heute von seitens der Stadt nicht geplant, allerdings hat der Gemeinderat vor einiger Zeit beschlossen, den Spielplatz aufzuwerten. "Der fristet leider ein Schattendasein", so Sänger. Hintergrund war nicht zuletzt das Ergebnis einer Sicherheitsumfrage der Polizei unter der Bevölkerung. Damals kam heraus, dass sich mancher zu gewissen Uhrzeiten im Park, bedingt durch bestimmte Personenkreise im Bahnhofsumfeld, unsicher fühlt. Eine deutliche Aufwertung des Spielplatzes – hier will sich auch der Gewerbeverein beteiligen – soll 2013 umgesetzt werden.

"Richtig gut" läuft hingegen schon seit nunmehr drei Jahren das Konzept, mittels Veranstaltungen wie dem Open-Air-Kino – in diesem Jahr am vom 31. August bis 2. September –, dem Kulinarik-Event "Lichter und Leute im Park" von Gastronom Hans Glöggler oder neu in diesem Jahr auch das Open-Air-Festival "Folk im Park" Leute und damit mehr Leben in den Park zu bringen. "Diese Veranstaltungen werden allesamt sehr gut angenommen", freut sich Sänger.

Autor: hö


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