BZ-Telefonaktion

Wie lege ich mein Vermögen clever an?

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Di, 06. März 2018 um 22:45 Uhr

Wirtschaft

Angesichts drohender höherer Zinsen fragen sich Anleger: Was tun mit den Ersparnissen? Antworten geben Vermögensverwalter heute von 17 bis 19 Uhr bei der BZ-Telefonaktion.

Lange wiegten sich die Anleger in Sicherheit. Seit Jahren schienen die Börsen nur eine Richtung zu kennen: nach oben. Anfang Februar bereitete ein Kurseinbruch dieser scheinbaren Gewissheit ein Ende. Die Furcht vor schneller als erwartet steigenden Zinsen in den USA hatte sich breitgemacht. Hohe Zinsen sind Gift für die Aktien: Sie machen Unternehmensanteile als Anlage weniger attraktiv gegenüber festverzinslichen Wertpapieren und hemmen unter Umständen Investitionen. Doch während in den USA die Notenbank Fed die Leitzinsen schon mehrmals angehoben hat, ist in der Eurozone von einer Zinswende noch nichts zu spüren.

Was also tun mit den Ersparnissen? In Gold investieren? Immobilien kaufen? Auf das Sparbuch vertrauen? Solche Fragen beantworten am Donnerstag, 8. März, von 17 bis 19 Uhr fünf unabhängige Vermögensverwalter bei einer Telefon- und Chataktion der Badischen Zeitung zur Geldanlage.
Ansprechpartner



Für die Fragen der BZ-Leserinnen und -Leser stehen zur Verfügung:
» Sascha Anspichler , FP Asset Management GmbH, Freiburg,
Tel.  0761/496 9801
Rainer Laborenz, Azemos Vermögensmanagement GmbH, Offenburg,
Tel. 0761/496 9802
» Udo Winterhalder, GFA Vermögensverwaltung GmbH, Herbolzheim,
Tel.  0761/496 9803
Benedikt Dörle-Schäfer, Freiburger Vermögensmanagement GmbH,
Tel.  0761/496 9804
Claus Walter, Freiburger Vermögensmanagement GmbH. Er beantwortet die Fragen, welche die BZ-Leser über den Internet-Chat stellen.

Sie können auch jetzt per E-Mail Fragen stellen, die im Rahmen des Chats auf http://www.badische-zeitung.de beantwortet werden. Schreiben Sie an: telefonaktion@badische-zeitung.de.

Antworten von Claus Walter, Freiburger Vermögensmanagement GmbH:

Frage: Hallo! Ich habe in drei gemischten Fonds mit unterschiedlichen Risikoeinschätzungen der Consorsbank je 800€ einmalig investiert, bespare einen ETF Fonds world mit 200€ monatlich (beides erst seit ein paar Monaten) sowie einen Riester Fondssparvertrag mit ca. 200€ monatlich bei Union Investment seit ein paar Jahren. Ich bin 52 Jahre alt.....20 000€ liegen "nutzlos" auf dem Girounterkonto. Da ich ein Reihenhaus habe, denke ich immer, dass ich eine Barkasse brauche. Das Haus ist jetzt 18 Jahre alt....es kommen also Renovierungen auf mich zu...irgendwann. Wie soll ich die 20000 € anlegen? Gar nicht, damit es frei verfügbar ist? Meine Rente sieht ganz gut aus. Meine Frage: soll ich in weitere ETF-Fonds investieren, z.B. nur mit dem deutschen Dax und in welchen genau? Mit einmaligem Betrag oder besser mit monatlichen Sparraten? Oder wie sonst soll ich anlegen?

Antwort: Ihre Überlegung ist gut: 20.000 Euro als Notgroschen für Reparaturen in Reserve zu haben ist sicher sinnvoll, eventuell wäre es eine Idee statt es auf einem Girokonto ohne Verzinsung liegen zu lassen ein etwas besser verzinstes und genauso flexibles Tagesgeldkonto zu nutzen. Wenn darüber hinaus Ihre laufenden Einnahmen es ermöglichen, wäre es einen Idee zusätzlichen einen europäischen ETF zu besparen. Der MSCI-World weist einen hohen Anteil von über 50 Prozent an US-Titeln auf, einige europäische Werte wie zum Beispiel in einem ETF auf den Stoxx Europe 600 könnten Ihr Depot weiter diversifizieren.

Frage: Sehr geehrter Herr Walter, ich möchte gerne 10.000,-- Euro für mich und 2x 5.000,- Euro für meine Kinder anlegen. Natürlich möglichst sicher und wenn es geht das Geld von den Kindern kurzfristig abrufbar. Können Sie mir eine Anlage empfehlen.

Antwort: Soll das Geld kurzfristig verfügbar sein bleibt Ihnen nur Tagesgeld als Anlageform, das bietet in der derzeitigen Niedrigzinsphase nur eine sehr geringe Verzinsung. Wenn Sie selbst die 10.000 Euro in den nächsten fünf Jahren brauchen, würde sich ein Fonds mit geringem Aktienanteil anbieten, um einen Ausgleich zwischen Renditechance und Risiko zu erreichen.

Frage: Bekomme in Kürze eine kleine Lebensversicherung ausbezahlt (ca. 11000,- €).Wie kann ich diese am sinnvollsten, aber sicher anlegen.
A: auf längere Sicht
B: Mit Möglichkeit für flexiblen Zugriff.

Antwort: Auf längere Sicht bietet es sich an, einen Teil etwa über einen breit gestreuten Aktien ETF direkt in Produktivvermögen zu investieren. Um die Schwankungen in Grenzen zu halten, sollte aber auch ein Teil in festverzinslichen Wertpapieren investiert werden. Kombiniert gibt es das auch in sogenannten Mischfonds, die jeweilige Gewichtung bestimmt ganz wesentlich das Chance-Risiko-Profil Ihrer Anlage. Wenn Sie Ihr Hauptaugenmerk auf den flexiblen Zugriff legen, dann bleibt fast keine andere Wahl außer Tagesgeld oder kurzlaufende festverzinsliche Wertpapiere.

Frage: Ich bin 78 Jahre und will meiner Enkelin (4 1/2) einen längerfristigen Vermögensaufbau ermöglichen. Ich rechne hypothetisch mit noch mindestens 8 Jahre Lebenszeit von mir. Neben einem Betrag von einmalig 2500,-- € will ich mtl. 50,--€ anlegen. Ich würde gerne mit einer Sicherung der Einzahlungen rechnen - ein gewisses kleineres Risiko - eingeschlossen. Vermutlich wird die Anlage nach einem Ableben von mir von den Eltern weitergeführt oder entsprechend verwahrt bis evtl. zum 18. Lebensjahr der Enkelin.
Gibt es gute Anlagen hierfür?

Antwort: Bei einer langfristigen Perspektive von 13,5 Jahren käme in erster Linie ein Sparplan auf einen Aktienfonds oder ETF in Frage. Mit einer langen Laufzeit treten die Schwankungen am Aktienmarkt in den Hintergrund und sie profitieren von attraktiven Renditechancen der Anlageform Aktien. Sollen allerdings Ihr Einzahlungen wie gewünscht garantiert sein, kommt nur ein Versicherungsprodukt in Frage oder ein Bausparvertrag, aber hier sind die Renditen derzeit sehr überschaubar.

Frage: Ich bin 64 Jahre und bekomme 40 000 Euro Kapitalabfindung von meiner Lebensversicherung, meine Frage wie lege ich es sicher an, da ich immer nur ein Mini Shop hatte bekomme ich nicht viel Rente.

Antwort: In Ihrem Fall wäre eine lebenslange Auszahlung zusätzlich zur gesetzlichen Rente sehr attraktiv. Um das sicherzustellen, bietet sich für Sie eine sogenannte Sofortrente an, am besten von einem großen etablierten Versicherer. Hier zahlen Sie einmalig einen Betrag ein und bekommen monatlich ein kleine Zusatzrente ausgezahlt, allerdings ist das eingesetzte Kapital dann dauerhaft nicht mehr flexibel verfügbar. Insofern überlegen Sie vielleicht, eine kleine Reserve für sich zu behalten.

Frage: Ich besitze ein Haus mit nicht ausgebautem großem Dachgeschoss (110m2). Nach dem Tod meines Mannes (Berliner Testament) sind unsere zwei Kinder erst nach meinem Tod erbberechtigt. Jetzt möchten wir das Dachgeschoss ausbauen und vermieten. Kosten geschätzt nach Architekt zwischen 200.000 und 300.000 Euro. Eine Tochter möchte sich an den Kosten zur Hälfte beteiligen. Steht ihr dann die Hälfte der zu erwartenden Mieteinnahmen zu? Wie wirkt sich das auf das Erbe meiner zweiten Tochter aus?

Antwort: Sie sollten sich in der vertraglich Konstellation auf jeden Fall an einen Rechtsberater wenden. Hier kommt es sehr darauf an, wie sich Ihre Tochter am Ausbau beteiligt. Etwa über ein Privatdarlehen an Sie oder bereits über einen frühzeitigen anteiligen Eigentumserwerb.

Frage: Wie kann ich sicher ohne Risiko ca. 200.000,00 € möglichst Gewinnbringend anlegen. Aufgrund Alter kommt Kauf einer Immobilie nicht mehr in Frage. Danke für Ihre Antwort.

Antwort: Ohne Risiko bei der Geldanlage Gewinne zu erzielen, ist derzeit praktisch ein Paradoxon. Insofern ist es immer eine Frage das Ausgleichs zwischen Ihrem persönlichen Sicherheitsbedürfnis, dem möglichen Ertrag und Ihrem Wunsch nach Gewinn. Wenn Sie den Betrag auf mehrere Anlageklassen verteilen gleichen sich erfahrungsgemäß Schwankungen über einen längeren Zeitraum aus. Eine sinnvolle Aufteilung wäre ein Anteil festverzinsliche Wertpapiere, die Beimischung von Aktien, eine Beteiligung an Immobilien etwa über Fonds und eventuell auch als Krisenreserve ein geringer Prozentsatz Gold. Das gibt es natürlich auch von mehreren Anbietern als gemanagte Lösung in dem die Leitplanken der Anlagestrategie anhand Ihres persönlichen Risikoprofils festgelegt werden.

Frage: Wir sind eine 4-köpfige Familie (Ehemann: angestellt, 50 J., Ehefrau: selbstständig / kaum Altersvorsorge, 45 J., 2 Kinder im Teenageralter.) mit abbezahlter Altbau-Eigentumswohnung in Freiburg und haben aktuell ca. 180.000 Euro auf zwei Tagesgeldkonten mit jeweils 0,1% Zinsen deponiert. Mein Mann plädiert dafür, mit dem Geld eine weitere Eigentumswohnung in Freiburg zu kaufen, ich bin bei den überhitzten Immobilienpreisen sehr skeptisch. Gerne würden wir mit Anfang 60 aufhören zu arbeiten und bräuchten einen professionellen Tipp, wie wir unser Vermögen sinnvoller anlegen können.

Antwort: In der Tat sind die Preise am Immobilienmarkt äußerst stark gestiegen. Wir haben zwar weiter eine stabile Nachfrage, aber ändert sich die Zinssituation kann das auch zu einem spürbaren Dämpfer führen. Insofern sollte man sich sehr genau ansehen, was man derzeit zu welchem Preis kauft. Auf jeden Fall lässt sich die Verzinsung der Gelder auf dem Tagesgeldkonto erhöhen, wenn zumindest ein Teil in kurzlaufende Anleihen mit guter Bonität investiert wird. Legen Sie sich nur nicht zu lange fest, damit sie nicht von steigenden Zinsen überrascht werden und flexibel reagieren können. Mit einem Horizont von zehn Jahren wäre der Aufbau einer breit gestreuten Aktienanlage etwa über ETFs auch eine Alternative. Das lässt sich defensiv ausgestalten, wenn man nicht alles auf einmal investiert, sondern schrittweise über die nächsten drei Jahre aufbaut. Das macht unabhängiger von den kurzfristigen Unsicherheiten. Je näher der Ausstieg aus dem Erwerbsleben rückt, desto stärker wird der Anteil an schwankungsanfälligen Aktien dann reduziert und durch festverzinsliche Wertpapiere ersetzt.

Frage: Ich bin 64 Jahre alt, seit einem Jahr in Rente und habe derzeit auf dem Girokonto einen größeren Geldbetrag liegen. Ich möchte ca. 130.000,00 € mit geringem/mäßigen Risiko anlegen. Empfohlen hat mir meine Bank, diese Summe aufzuteilen und einmal in "Internationale Mischfonds" ( Anlagehorizont 3 Jahre oder länger ) und in "Offene Immobilienfonds" ( Anlagehorizont 4 Jahre oder länger ) zu investieren. Könnte auch eine Immobilie – evtl. für spätere Eigennutzung – interessant sein ? ( Wir wohnen derzeit im eigenen Haus, dass aber im Alter sicher zu groß und zu pflegeaufwendig werden wird ). Wohlgemerkt, ich bin nicht risikofreudig – vielen Dank für Ihre Antwort.

Antwort: Mit einem Betrag von 130.000 Euro kommen Sie leider derzeit im Raum Freiburg nicht weit am Immobilienmarkt. Wenn Ihre Lebensplanung soweit ist und die Hauspflege zu aufwendig wird, können Sie immer noch den Tausch Ihres Hauses mit einer Eigentumswohnung vollziehen. Das Angebot Ihres Bankberaters ist grundsätzlich ein richtiger Streuungsansatz, achten Sie aber genau auf die Kosten der vorgeschlagenen Produkte. Das kann langfristig einen erheblichen Unterschied bei der Rendite machen. Zusätzlich wäre es sicher sinnvoll einen Notgroschen als Reserve zu behalten, wenn überraschende Ausgaben kommen sollten.

Frage: Es handelt sich um ca. 30 000 €, die im Notfall auch abrufbar sein sollten. Wäre auch eine Anlage bei der VAG oder anderen städtischen Unternehmen denkbar?

Antwort: Generell gibt es derzeit wenig Möglichkeiten so einen Betrag schnell verfügbar und trotzdem rentabel anzulegen. Liegt das Hauptaugenmerk auf schnelle Verfügbarkeit gibt es auf Tagesgeldkonten wenigstens noch etwas Verzinsung. Ein flexible Anlage in städtischen Eigenbetriebe ist mir nicht bekannt.

Frage: Gibt es sichere Formen der Geldanlage, die eine vergleichsweise hohe Rendite abwerfen?" Und ergänzend: Wie lange sollte der Mindestzeitraum der Anlage sein? Es geht um einen Betrag von ca. 15 000 €.

Antwort: Sicherheit und Rendite beißen sich mehr denn je in den Schwanz. Ganz ohne Risiko müssen sie derzeit auf Rendite verzichten. Oder sie akzeptieren etwas Risiko und bekommen dafür eine Gewinnchance. Wer zum Beispiel über viele Jahre einen solchen Betrag breit gestreut in Aktien investiert wird mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit Gewinne einfahren. Aber eine Garantie darauf gibt es nicht und man muss mit zwischenzeitlichen Schwankungen leben können. Bei einem Mindestanlagezeitraum von deutlich über fünf Jahren verbessert sich die Wahrscheinlichkeit eines positiven Ergebnis und Einzelaktienrisiken werden durch eine Streuung auf viele Unternehmen reduziert.

Frage: Was würden Sie einem 60-jährigen verheirateten Angestellten in einer Mietwohnung, aber nur wenig Vermögen auf einem Tagesgeld- und einem Festgeldkonto raten, der nun plötzlich 100'000 € bekommen hat und diese möglichst gewinnbringend, aber auch einigermaßen sicher zur Verbesserung seiner finanziellen Situation im Rentenalter anlegen möchte und dann viel Freizeit hat, sich um sein Geld zu kümmern?

Antwort: Es könnte einen Idee sein über den Erwerb einer eigenen Wohnung nachzudenken und sich so die Mietkosten im Alter zu sparen. Mit Ihrem Eigenkapitaleinsatz könnte die Rate eines Kredits geringer als der Mietzins sein und sie bauen automatisch Vermögen auf. Wenn das nicht in Frage kommt und Sie Interesse am Thema Geldanlage und die entsprechende Zeit haben, könnte folgender Weg für Sie interessant sein. 1. Legen sie einen Notgroschen fest. 2. Nehmen Sie die Grundaufteilung zwischen chancenreichen und defensiven Anlageformen vor. 3. Wenn Sie sich nicht jeden Tag um Ihr Depot kümmern möchten, bietet sich eine breit gestreute Aufteilung über ETFs an. Der Kauf und das Management einzelner Werte erfordert Ihre dauerhafte Beobachtung. 4. Eine ausreichende Diversifizierung, also nicht alle Eier in einen Korb zu legen, schützt sie davor, dass einzelne Fehlentscheidungen das ganze Vermögen gefährden.

Frage: Meine Frau hat knapp 10 Tsd € auf dem Sparkonto, was ja keinen Sinn macht. Sie ist nicht sehr risikofreudig. Kann man trotzdem eine Anlage finden, die ein bisschen mehr bringt?

Antwort: Die Alternativen halten sich in Grenzen. Mit einer etwas längeren Laufzeit lassen sich die Zinserträge zwar geringfügig erhöhen, aber ob sich der Verzicht auf Flexibilität hier lohnt ist eine persönliche Entscheidung. Auch bei Direktbanken gibt es oft Aktionen mit etwas höheren Zinsangeboten, achten Sie aber hier auf die Einlagensicherung und wägen Sie die Vorteile gegen den Aufwand ab.

Frage: Ich möchte Aktien kaufen. Raten Sie mir zu indexorientierten (Welt/EU/D) Papieren? Gibt es bei Aktienfonds auch Dividende?

Antwort: ETFs haben den Vorteil, dass sie über die Verteilung auf die verschiedenen Papiere eines Index automatisch eine Risikostreuung ins Depot bringen und in der Regel kostengünstiger sind als aktiv gemangte Fonds. Achten Sie aber auf die Zusammensetzung des Börsenbarometers, zum Beispiel beim MSCI World liegt der Anteil amerikanischer Papiere über 50 Prozent. Eine globale Streuung ist sicher sinnvoll, in ihrer regionalen Aufzählung würde sich die aufstrebende Wachstumsregion Asien auch noch anbieten. Grundsätzlich gibt es ausschüttende und wiederanlegende (thesaurierende) Aktienfonds. Bei ETFs ist es wichtig, dass der zu Grunde liegende Index die Dividenden miteinrechnet, wie es zum Beispiel beim Standard DAX der Fall ist.