Wie Schüler sich helfen können

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Di, 06. Dezember 2016

Freiburg

Beim ersten Freiburger Schülerkongress beschäftigen sich fast 600 Jugendliche mit psychischen Erkrankungen und Hilfen.

Für Lehrer gab es schon Angebote, aber aber das gab’s in Freiburg noch nie: Am Montag fand der erste Schülerkongress statt. Das Thema: psychische Erkrankungen bei Jugendlichen. Die Referenten: Schüler gemeinsam mit Profis. Knapp 600 Jugendliche aus Stadt und Umland hörten zu und stellten Fragen. Parallel tauschten sich Erwachsene aus.

Wer kennt jemanden, der sich schon mal geritzt hat? Eine Hand nach der anderen geht hoch. Und wer wusste, wie man damit umgeht? Keine Hand zu sehen. Gerade erzählte Paula ihrer Freundin, dass sie Probleme mit einem Jungen hat und sich selbst verletzt. "Es ist so befreiend." Ihre Freundin sagt, dass sie sich da nicht auskennt, aber sie gerne zu einer Beratung begleitet. Hilfe von Profis haben die beiden St.-Ursula-Schülerinnen auch bei ihrem Rollenspiel im Ballhaus: Eine Schulpsychologin und eine Ärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie beantworten und stellen Fragen. Wie geht man mit der Bitte um, niemandem was zu sagen? Trotzdem jemanden hinzuziehen, der sich auskennt, meint ein Junge: "Wenn man wirklich befreundet ist." Die Frauen verweisen darauf, wer hilft: Vertrauenslehrer, Sozialarbeiter und die Beratungsstellen (siehe Info).

Vier Schüler-Profi-Teams halten Vorträge zu den Themen Selbstverletzung, Prüfungsangst, Autismus und ADHS – alle wurden lange vorbereitet, sind aber kurz und knackig. Eine viertel Stunde, dann kommt eine Lockerungsübung mit einem Hiphopper und das nächste Thema. In vier Sälen sitzen fast 600 Neunt- und Zehntklässler aus Freiburg, dem Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen.

Ein Drittel der Erwachsenen erlebt im Laufe eines Jahres eine psychische Störung – "und jeder sechste Schüler", sagt Professor Mathias Berger. Der Vorsitzende des Freiburger Bündnisses gegen Depression hatte die Idee zum Kongress, den unter anderem das Regierungspräsidium und die Uniklinik mitveranstalten. Das Thema ist umso aktueller, als ein 14-Jähriger vorige Woche mit einer Axt zur Staudinger-Gesamtschule unterwegs war. Parallel zum Schülerkongress findet ein Austausch von Rektorinnen, Lehrern, Ärzten, Beratern, Vertretern von Behörden und Jugendhilfe, mit Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach und Präventionsexperten der Polizei statt. Die Schule widme sich der gesunden psychologischen Entwicklung von Jugendlichen, Prävention sei im neuen Bildungsplan mehr verankert, sagt Südbadens Vize-Schulpräsident Andreas Milsch, der das Forum mit Benjamin Hennig moderiert, Referent für Schulpsychologie beim Regierungspräsidium. Nach dem Amoklauf von Winnenden sind Milsch zufolge die Hilfssysteme stark ausgebaut worden, trotzdem kommen auf einen Schulpsychologen noch 8000 Schüler. Der Kongress solle Sensibilität für das Thema erhöhen und Schwellen abbauen.