Vorsorge

Wie sich Deutsche mit einer Patientenverfügung absichern können

Ralf Isermann

Von Ralf Isermann (AFP)

Mo, 25. Juni 2018 um 14:38 Uhr

Liebe & Familie

Immer mehr Deutsche haben eine Patientenverfügung. Bei den wichtigen Schriftstücken müssen Patienten einiges beachten, damit es im Ernstfall keine Missverständnisse gibt.

Die Deutschen befassen sich intensiver mit dem Sterben als früher. 43 Prozent haben laut einer Umfrage eine Patientenverfügung, weitere 32 Prozent beschäftigen sich ernsthaft mit dem Thema. Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz registriert einen steigenden Beratungsbedarf. Die Vorgaben für eine Patientenverfügung sind gesetzlich geregelt.

Was ist eine Patientenverfügung?

Jeder kann mit solch einem Schriftstück festlegen, ob und wie er in bestimmten Situationen ärztlich behandelt werden möchte. So kann ein Patient etwa entscheiden, dass alles Erdenkliche zur Verlängerung seines Lebens getan werden soll. Oder aber er kann festlegen, dass sein Leben nicht künstlich durch Maschinen verlängert wird. Es sind sehr grundlegende Entscheidungen, über die sich die Betroffenen entsprechend Gedanken machen und sich möglichst auch beraten lassen sollten.

An wen wendet sich die Patientenverfügung?

Die Patientenverfügung richtet sich an Ärzte und deren Behandlungsteams. Zusätzlich können aber auch gesetzliche Vertreter zur Durchsetzung der Patientenwünsche bevollmächtigt werden.

Wie bekommen die Ärzte die Patientenverfügung?

Ärzte und Bevollmächtigte wie etwa die eigenen Kinder oder Betreuer sollten möglichst schnell wissen, wo die Patientenverfügung aufbewahrt ist. Dazu kann etwa ein mit den persönlichen Unterlagen mitgeführter Hinweis sinnvoll sein. Vertrauenspersonen sollten über den Aufbewahrungsort informiert sein.

Muss jeder eine Patientenverfügung haben?

Nein, das Verfassen ist freiwillig. Es dürfen den Patienten auch keine Nachteile etwa beim Abschluss von Verträgen für Pflegeheime entstehen, wenn sie keine solche Verfügung haben.

In welcher Form muss die Patientenverfügung abgefasst sein?

Für die Rechtmäßigkeit muss die Patientenverfügung schriftlich abgefasst sein. Sie muss eigenhändig vom Betroffenen unterschrieben sein, alternativ kann sie auch durch ein von einem Notar beglaubigtes Handzeichen unterzeichnet werden.

Gilt die Patientenverfügung dauerhaft?

Solange es keine andere Entscheidung gibt, gilt sie fort. Es wird aber empfohlen, sie regelmäßig etwa einmal im Jahr zu prüfen und gegebenenfalls veränderten Wünschen anzupassen. Ein Widerruf ist jederzeit formlos möglich.

Wie verbindlich sind die Vorgaben?

Festlegungen für bestimmte ärztliche Maßnahmen sind verpflichtend. Wenn ein Arzt etwa eine Weiterbehandlung betreibt, obwohl der Patient dies eindeutig ablehnt, kann diese Missachtung des Patientenwillens als Körperverletzung strafbar sein. Andererseits kann kein Patient von seinem Arzt strafbares Handeln verlangen. Eine in Deutschland verbotene Tötung auf Verlangen kann also etwa nicht gefordert werden.

Spielen die eigenen Wertvorstellungen eine Rolle?

In der Patientenverfügung sollten auch diese mit niedergelegt werden. Dies kann dann in strittigen Fragen bei der Auslegung helfen, etwa, wenn ein Patient seine Einstellungen zum Leben oder religiöse Haltungen darlegt.

Gibt es Hilfe beim Verfassen?

Ärzte, Sozialdienste und auch Wohlfahrtsverbände wie die Caritas, die Diakonie oder die Awo können beim Verfassen helfen. Geht es etwa um Eingriffe in die körperliche Integrität, also um Operationen, ist auch eine ärztliche Aufklärung nötig, solange nicht ausdrücklich der Verzicht darauf erklärt wird. Außerdem kann eine Beratung Widersprüche vermeiden helfen: Wer etwa an einer Stelle ein möglichst langes Leben als Ziel formuliert, an anderer Stelle aber lebenserhaltende Maßnahmen ablehnt, hinterlässt seine Ärzte ansonsten ratlos.

Gibt es Musterverfügungen?

Im Internet und bei verschiedenen Anbietern existiert eine Vielzahl von Vorlagen. Wegen der individuellen Wünsche und Krankengeschichte ist eine Mustervorlage aber keine ideale Lösung. Das Bundesjustizministerium bietet eine Broschüre an, die neben Tipps auch Vorschläge für Textbausteine und den Aufbau einer Verfügung umfasst.