Kirsch auf neuen Wegen

Christine Storck

Von Christine Storck

Fr, 23. Februar 2018

Offenburg

Traditionsfirma steigert Produktion nach Wegzug aus Offenburg / Innovation im Kühlbereich.

OFFENBURG/WILLSTÄTT. Dieser Umzug sorgte für mächtig Gesprächsstoff: Vor gut einem halben Jahr verlegte das Offenburger Traditionsunternehmen Philipp Kirsch aus Platzgründen nach 150 Jahren seinen Standort nach Willstätt. Eine Entscheidung, die Geschäftsführer Jochen Kopitzke nicht bereut – im Gegenteil: "Wir können schon jetzt rund ein Drittel mehr produzieren", sagt er im Gespräch.

Das Familienunternehmen, nach eigenen Angaben Marktführer für Medikamenten- und Blutkühlung, wollte sich neu erfinden und hat es getan. Rund zwölf Millionen Euro investierte die Phillip Kirsch GmbH in neue Produktions- und Verwaltungsgebäude, inklusive Anlagen und Maschinen. Auf einem rund 23 000 Quadratmeter großen Grundstück ist im Gewerbegebiet in Willstätt-Sand ein 118 Meter langes und 55 Meter breites Firmengebäude entstanden, das rund 4500 Quadratmeter Produktions- und 2000 Quadratmeter Lagerfläche bietet. Ab 2019 will Kirsch auch wieder ausbilden: zwei Mechatroniker und zwei Kaufleute.

Die dringend nötige Erweiterung der Kapazitäten sei am alten Standort in Offenburg nicht möglich gewesen. Jetzt laufen die Geschäfte besser als zuvor. "Wir merken das an allen Unternehmenskennzahlen", bestätigt Jochen Kopitzke. Details will er jedoch nicht nennen. Bekannt ist lediglich der Umsatz des Jahres 2016: Da erwirtschaftete Kirsch rund 14 Millionen Euro.

Aber nicht nur die Zahlen hätten sich positiv entwickelt – durch die hellen Flure mit ihren vielen Glaswänden wehe in Willstätt-Sand ein ganz neuer "Spirit". "Endlich sind alle an einem Ort und haben kurze Wege. Das vereinfacht die Prozesse und motiviert", meint der Geschäftsführer. Das vergangene Jahr sei sportlich gewesen, aber alle hätten an einem Strang gezogen. Die Produktpalette, nach einem Baukastensystem gefertigte Spezialkühlschränke für Krankenhäuser, Kliniken, Blutbanken sowie Chemie- und Pharmaunternehmen ist äußerlich zwar gleich geblieben, könne aber mit dem neuen Maschinenpark einfacher hergestellt werden. Das Innenleben der Modelle wurde überarbeitet – dadurch arbeiten sie noch genauer, erklärt Kopitzke. Es werde nur noch auftragsbezogen produziert.

Dabei hat Kirsch den Blick stets auf die Zukunft gerichtet: Gemeinsam mit verschiedenen Partnern, darunter das Fraunhofer Institut Freiburg, erforscht das Unternehmen einen neuen Ansatz Kühlung, die Magnetokalorik. Sie basiert auf Materialien, die in einem Magnetfeld ihre Temperatur ändern. Dieser Effekt wird ausgenutzt, um besonders energiesparend und geräuscharm Kälte zu erzeugen. Der Bund fördert das Projekt mit 2,4 Millionen Euro. Bereits 2015 hat Kirsch den nach eigenen Angaben weltweit ersten funktionsfähigen Prototypen eines magnetokalorischen Medizinkühlschranks präsentiert. "Wir müssen am Puls der Zeit bleiben. Jetzt geht es um die Marktreife", sagt Jochen Kopitzke. Bis zur Serienproduktion können aber noch bis zu zehn Jahre vergehen.

Auf den Maschinenpark habe die neue Technik erstmal keinen Einfluss. "Wir werden sehen, was wir dann umstellen müssen", bleibt der Geschäftsführer entspannt. Weiteres Wachstum sei jedoch geplant, unter anderem soll der Exportanteil von 30 auf rund 50 Prozent steigen. Die Magnetokalorik erschließe neue Anwendungsfelder in der medizintechnischen Kühlung. Welche das sein könnten, ließ er offen.

Falls die Zukunft den erneuten Ausbau der Kapazitäten verlange, habe Kirsch auf demselben Grundstück in Willstätt jedenfalls Möglichkeiten weiter zu expandieren: Die Produktionsfläche wäre verdoppelbar. "Wir könnten schnell anbauen, falls nötig", sagt Kopitzke.