Nachdenken übers künftige Ortsbild

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Sa, 16. Januar 2016

Winden im Elztal

Zweite Bürgerversammlung zu "Winden 2030" / Planer macht Mut zu Ideen / Vier Arbeitsgruppen / Die zwei Ortsmitten bleiben .

WINDEN. Auf dem Weg zur Erarbeitung des Gemeindeentwicklungskonzepts "Winden 2030" fand die zweite Bürgerversammlung in Niederwinden statt. Mit etwa 50 Einwohnern nahmen daran deutlich weniger Personen teil als bei der Auftaktveranstaltung. Dafür waren aber viele neu dabei. Unterstützt von den Planern, versuchten die Bürgerinnen und Bürger die in der ersten Versammlung erarbeiteten Ziele zu vertiefen und zu konkretisieren. Vier Arbeitsgruppen stellten ihre Ergebnisse vor.

Fachlich begleitet wurde die Versammlung von Christian Sammel und Sybille Hurter von den Büros fsp-Stadtplanung und Kommunalkonzept. Die Moderation übernahm erneut Partizipationsberater Udo Wenzl, der mit Martina Bechtle auch die Ergebnisse der ersten Bürgerversammlung (BZ berichtete) in strukturierter Form aufbereitet hatte.

Stadtplaner Sammel stellte am Beispiel Umkirchs zunächst die Ergebnisse einer gelungenen Gemeindeentwicklung vor. Er machte den Windenern damit "Mut zu eigenen Ideen". Er zeigte Parallelen zwischen der Freiburger Umlandgemeinde und Winden im ländlichen Raum auf. Beide sind Kleingemeinden an Landesentwicklungsachsen und mangels starker Zuströme "Eigenentwickler". Mit einer Umfahrung und dank eines Entwicklungskonzepts habe sich der Ortskern von Umkirch für die Bewohner positiv verändert. Ein solches "praktisch nutzbares Konzept" werde auch in Winden angestrebt. Bei seiner Bedarfsermittlung habe sich gezeigt, dass Gemeindeentwicklung eben nicht nur aus Flächenaufbereitung und Bauen besteht, sondern auch Organisation und soziales Gefüge dazugehören. Eine Gemeinde könne in vielem nur den Rahmen vorgeben, den bürgerschaftliches Mitwirken und private Investitionen ausfüllen müssen. Ein Konzept umfasst große und immer auch kleine, schnell umsetzbare Projekte. Mit beidem könne man in Winden einiges verbessern.

Udo Wenzl versprach, die schon erhobenen Ideen der Kinder und Jugendlichen ebenfalls ins Konzept einfließen zu lassen. Er fasste die Ergebnisse der Auftaktveranstaltung nochmals zusammen. Anschließend ließ er die Anwesenden – nach drei Themengebieten – Gesprächskreise bilden. Gefragt wurden sie, was konkret zu tun sei, wie die Anliegen umzusetzen seien und wen man dazu brauche. Nach einer Stunde Beratung präsentierten die Bürger ihre Vorstellungen.

Die Gruppe "Ort als Lebensraum" (Ortsbild, Ortsmitte, Straßen) sprach sich – auch wegen der feststehenden Grünzäsur – für zwei Ortsmitten aus: Kirche, Schule, altes Rathaus in Niederwinden und Rathaus, Schachplatz, Narrenbrunnen in Oberwinden. Beiderorts sollen die abgestuften Hauptstraßen mit Tempo 30 verkehrsberuhigt sein, den Radverkehr wieder aufnehmen und durchgängig breite, gepflasterte Gehwege erhalten.

Für Niederwinden lauteten die Stichworte: Sanierung von altem Schulhaus und Stromturm, großflächige Einbeziehung der Straße in den Dorfplatz, neues Brunnenbecken, Bäume, Ansiedlung von Gastronomie, Markt und Arztpraxis und ein Freizeitplatz "Elzstrand Surgrindle".

Für Oberwinden angedacht wurde eine Freifläche beim Rathaus durch Abriss des Altgebäudes mit Zugang zu einer Elzpromenade sowie die Aufwertung von Bahnhofs- und Altem Sägplatz.

Die zweite Gruppe "Lebensqualität in Winden" (Treffpunkte, Bildung, Versorgung, Mobilität) fokussierte sich auf die Ziele Bürgerhaus und Jugendhaus und teilte sich. Begehrt bei beiden Untergruppen: der Bahnhof Niederwinden. Als Standorte für ein oder zwei Bürgerhäuser wurden auch das alte Rathaus Niederwinden, ein leerstehendes Marktgebäude oder – in Oberwinden – der alte Kindergarten und das "Waldhorn"-Areal ausgemacht. Eine Ermittlung möglicher Betreiber und eine Bedarfsanalyse sollen damit einhergehen: Gymnastik, Spielraum, Kurse, Aufführungen – vieles wäre darin denkbar. Für ein überkonfessionell, eventuell vereinsbetriebenes Jugendhaus wurde auch der Pfarrsaal ins Auge gefasst; gute Erreichbarkeit sei wichtig. Auf Wenzls Vorschlag wurden zwei Exkursionen zu Vorzeigeobjekten – Bürgerhaus in Eichstetten und der am längsten selbstverwaltete Jugendtreff Wyhl – abgemacht.

Die dritte Gruppe "Infrastruktur" (Versorgung, Wirtschaft, Tourismus) hatte zu ihrem Thema noch wenig Vorstellungen und blieb abstrakt. Sie befürwortete schnelleren Internetzugang und Gewerbeansiedlung, insbesondere emissionsarmer Kleinbetriebe oder Dienstleister. Mehr bezahlbarer Wohnraum für Familien und Singles wurde verlangt. Vorgeschlagen wurde auch die Ausleuchtung der Hörnlebergkapelle zur besseren Identifikation der Gemeinde.

Für die nächste Bürgerversammlung am 16. Februar, um 19 Uhr in Oberwinden, kündigte Christian Sammel von fsp an, diese Ideen zeichnerisch weiterzuentwickeln. Mit den Bürgern soll ein Planspiel gemacht werden, wie Straßen und Plätze einmal aussehen könnten. Visualisierung von Gestaltungsmöglichkeiten soll die Phantasie weiter befördern. Bürgermeister Klaus Hämmerle machte am Ende deutlich, dass die Gemeinde jetzt auf die Kompetenz der beiden Planungsbüros setzt. Denn bis zum Sommer soll ein beschlussfähiges Gemeindeentwicklungskonzept vorliegen.