Soziales Wohnen am Bahnhof

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Do, 15. November 2018

Winden im Elztal

Rat billigt Entwurfsplanung für gemeindeeigenes Gebäude / Kontroverse Standortdebatte.

WINDEN. Bei der Sitzung des Gemeinderats stand der geplante Bau des gemeindeeigenen Gebäudes für "Soziales Wohnen" im Mittelpunkt. Im Juni war der Beschluss für einen Neubau gefallen, im September ein Planungsauftrag erteilt worden. Nun stellte das Lahrer Architekturbüro Schlager einen Entwurf mit Kostenrechnung vor, nach dessen Prüfung es auch mit der Vorbereitung des Bauantrags beauftragt wurde.

Eine lange Debatte gab es über den genauen Standort des Gemeindewohnhauses, das am Bahnhofsplatz gebaut werden soll. Der Vorgabe der Planer folgend, stellte Bürgermeister Klaus Hämmerle zur Abstimmung, den Bau im vorderen Bereich nahe dem Bahnhof zu erstellen. Das aber war umstritten und entsprechend knapp fiel das Votum aus. Sieben Ratsmitglieder stimmten für den Antrag; sechs Gemeinderäte, nämlich die gesamte CDU-Fraktion sowie Fabian Tritschler (FWV), hielten den Standort für nicht gut und stimmten dagegen.

Architekt Markus Langenbahn vom Lahrer Büro hatte zuvor den Entwurfsplan präsentiert. Dieser sieht auf 815 Quadratmeter ein – das baurechtliche Maximum ausschöpfendes – 30 Meter langes, zweigeschossiges Gebäude mit Balkons und flachwinkligem Satteldach vor. In ihm sollen pro Geschoss zwei Dreizimmer-Wohnungen zu je 77 und je eine Einzimmerwohnung mit 26 und 42 Quadratmeter entstehen. Alle Ruhezimmer sollen, auch kostensparend, weil weniger Schallschutz erfordernd, bahnabseitig angeordnet sein. An der Nordseite auf weiteren 20 Metern würden Fahrradständer, ein Spielplatz sowie zwölf Parkflächen angefügt. Insgesamt 27 Personen könnte das Haus aufnehmen; zur Erlangung von Wohnraum für die gewünschten 30 bis 35 Personen, so der Architekt, müsste die Gemeinde ein zweites Gebäude errichten. Als Baukosten (noch ohne zusätzliche energetische Maßnahmen) nannte er rund 1,12 Millionen Euro.

Bei der Standortabwägung sah der Planer im hinteren Bereich beim Bauhof den Vorzug, die große Parkfläche zu erhalten und eine Brache zu nutzen; das Schallschutzgutachten dürfte den Platz wegen des Bauhofs aber ablehnen. Er favorisiere deshalb den vorderen Bereich wegen größerer Nähe zur Wohnbebauung, mehr Attraktivität und weniger Lärm. Darüber entspann sich eine kontroverse Diskussion. Pia Lach und Franka Weis (SPD) plädierten für den vorderen Bereich; für ältere, sozial schwache oder zu integrierende Personen sei mehr Ortsnähe wichtig; außerdem könnte sein, dass der Bauhof einmal zusammengelegt und erweitert wird. Herbert Reich (FWV) wies darauf hin, dass sich die Durchfahrtsbreite an der Bahnhofstraße an der engsten Stelle auf knapp fünf Meter reduziert und empfahl als Kompromiss, Gebäude und Freifläche einfach "umzudrehen". Karl Fischer (CDU) lehnte den bahnhofnahen Standort dagegen kategorisch ab. Nicht hinten, sondern vorne, durch Hallennutzung, Park and Ride, Schulbetrieb und Buswendeplatz, entstehe der größere Lärm. Und sollte, so Friedhelm Fakler (CDU), irgendwann ein zweites Gemeindegebäude nötig sein, wäre dies am hinteren Standort problemlos möglich, vorne würde der Bahnhofsplatz aber ganz zugebaut. Die CDU-Fraktion stimmte deshalb mit Nein, konnte sich jedoch nicht durchsetzen.

Wieder Einigkeit herrschte bei der Energieeinsparung. Das Gebäude soll nach dem Standard KfW40+ errichtet werden. Das heißt, sein Energieverbrauch wird um 60 Prozent unter dem von der Energieeinsparverordnung 2016 verlangten Niveau liegen. Michael Ries vom gleichen Lahrer Büro stellte die zusätzlichen Anforderungen an Dämmung und Anlagentechnik vor, unter anderem Lüftungsanlage und Photovoltaik mit Batteriespeicher. Die Mehrkosten werden großteils durch den KfW-Tilgungszuschuss gedeckt. Die Gemeinde erhält dadurch für nur 13 000 Euro mehr ein Effizienzgebäude. "Auch im sozialen Wohnbau ist das gerechtfertigt", bemerkte dazu Harry Schindler (SPD), "die Bewohner werden bei der ’zweiten Miete’ entlastet." In der Zeit, bis das neue Gebäude fertig ist, wird die Gemeinde noch mehrere Flüchtlinge übergangsweise in Wohncontainern unterbringen. Das wurde im September beschlossen. Hämmerle teilte mit, dass acht Container angemietet wurden. Sie würden zirka ein Jahr benötigt und kosteten rund 50 000 Euro. Dafür erwartet die Gemeinde Mieteinnahmen vom Kreissozialamt. Die sechs Wohn- und zwei Küchen- und Sanitärcontainer werden am Bahnhofplatz einander gegenüberstehend angeordnet. Die Durchfahrt sei nicht beeinträchtigt.