Südbaden

Banken erheben von eigenen Kunden Gebühren fürs Abheben

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Mi, 29. März 2017 um 20:31 Uhr

Wirtschaft

Sparkassen und Volksbanken verlangen vermehrt Gebühren von ihren eigenen Kunden bei Abhebungen von Geldautomaten – selbst wenn der Automat zum Sparkassen- oder Volksbanknetz gehört.

Dies hat eine Recherche des Journalisten Horst Biallo und der Badischen Zeitung ergeben. Auch Kunden von südbadischen Banken sind betroffen. Die Geldinstitute verteidigen sich jedoch. Sie sagen, dass Gebühren nur bei einzelnen Kontomodellen anfallen. Der Kunde habe eine Alternative.

Wer bei der genossenschaftlichen VR-Bank Schopfheim-Maulburg ein "VR-Individualkonto" hat, muss beispielsweise nach fünf Freiabhebungen im Monat 60 Cent je Gang zum VR-Geldautomaten bezahlen. Nach Ansicht der Bank sei dies alles andere als ein Skandal, da die Grundgebühr für das VR-Individualkonto deutlich niedriger sei als bei anderen Kontomodellen. Der VR-Individualkunde zahlt laut Preisliste drei Euro monatlich, wer dagegen ein VR-Komplettkonto hat, sieben Euro. Dort seien alle Auszahlungen kostenlos. Wer nur wenige Male den Geldautomaten nutze, fahre mit dem VR-Individualkonto so günstiger, sagt die Bank. Das Kontomodell mit den Abhebungsgebühren gebe es schon länger.

Banken verteidigen Gebühren

Auch die Volksbank Lahr erhebt bei einem ihrer Kontenmodelle Gebühren für Abhebungen am eigenen Automaten und im Volksbanknetz. Nach zwei Auszahlungen im Monat werden 40 Cent fällig. Die Sprecherin der Bank verweist wie ihre Kollegen aus dem Wiesental auf die niedrigere Grundgebühr. Was am Ende billiger sei, hänge vom Verhalten des Kunden ab. Die Bank will, wie im Januar angekündigt, im Laufe des Jahres neue Kontenmodelle vorstellen. Bei der Sparkasse Hanauerland (Kehl/Ortenau) müssen beim "Giro Classic" nach fünf kostenlosen Abhebungen im Monat bei jedem weiteren Geldholen 40 Cent bezahlt werden. Das Institut war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Nach Beobachtung des Finanzjournalisten Horst Biallo würden Sparkassen und Volksbanken vermehrt Gebühren für Abhebungen an institutseigenen Geldautomaten verlangen und sich so vom früheren Grundsatz des kostenlosen Bargeldservice verabschieden. Nach seiner Recherche erheben bundesweit 40 der knapp 400 Sparkassen bei einzelnen Kontomodellen Gebühren von bis zu einem Euro pro Abhebung.

Verbraucherschützer warnen

Verbraucherschützer werfen den Banken schon seit Längerem vor, übermäßig an der Gebührenschraube zu drehen, um so zurückgehende Einnahmen im Kreditgeschäft wegen der Niedrigzinsphase auszugleichen. Bankinsider erwidern, dass das kostenlose Girokonto stets ein Zuschussgeschäft gewesen sei. Jetzt, da die Ertragslage wegen der rückläufigen Zinsüberschüsse schlechter werde, würden die Konten mit einem "realen" Preis versehen.

Horst Biallo hat bei seiner Recherche auch gefragt, ob betroffene Sparkassen die Gebühr anzeigen. Dies ist seit einigen Jahren bei Geldabhebungen mit der EC-Karte bei fremden Kreditinstituten Pflicht. Er bekam keine Antwort.

Bei der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau gibt es jedenfalls keine solchen Gebühren. Jedes Kontomodell hat einen Pauschalpreis. "Wir halten das für die fairste Lösung", teilte die Sparkasse der Badischen Zeitung mit.

Mehr zum Thema: