BASF in Südbaden

Die einzige Fabrik in Baden

Ralf Staub

Von Ralf Staub

Fr, 03. April 2015 um 18:46 Uhr

Wirtschaft

BASF hat im Werk Grenzach das schwere Erbe der Ciba-Spezialitätenchemie angetreten.

Dass die Badische Anilin- & Soda-Fabrik mit ihrem Werk in Grenzach-Wyhlen tatsächlich auch einen Standort in Baden hat, ist eher einem Zufall zu verdanken: Auf der Wunschliste stand der Produktionsstandort für optische Aufheller und Pigmente eher nicht, als der Ludwigshafener Konzern 2008 die Fühler nach der damals schwer angeschlagenen Ciba Spezialitätenchemie mit Hauptsitz in Basel ausstreckte. In das Werk Grenzach, in dem seit 1898 zunächst überwiegend Farbstoffe produziert worden waren, war kaum noch investiert worden – BASF fand im Prinzip nur eine einzige interessante Produktion vor, dafür aber ein 32 Hektar großes Firmengelände (mehr als 40 Fußballfelder) mit jeder Menge Altlasten.

Als die Ludwigshafener 2009 definitiv kamen, war die Belegschaft in Grenzach bereits von 1500 im Jubiläumsjahr 1998 auf 800 geschrumpft. Diesen Kurs setzten die neuen Herren fort: Als erstes wurde die erst wenige Jahre zuvor aufgebaute Forschungsabteilung mit rund 160 Mitarbeitern zurück nach Basel verlegt, 2010 dann der große Schock: Just am 11.11. gab BASF bekannt, weitere 400 Stellen zu streichen.

Mit dem Schrumpfen der europäischen Papierindustrie und weltweiten Überkapazitäten bei der Produktion von optischen Aufhellern wurde kurzerhand beschlossen, diese künftig nur noch in den asiatischen Wachstumsmärkten (China, Indonesien und Indien) herzustellen. Bis dahin wurden in Grenzach jährlich bis zu 100 000 Tonnen des Massenguts synthetisiert – und damit gut 40 Prozent des Umsatzes generiert.

Was blieb, war die im Jahr 2001 aufgenommene Produktion von UV-Filtern für Kosmetik und Körperpflege mit derzeit rund 200 Mitarbeitern – aber keine definitive Standortgarantie seitens des Konzernvorstandes.

Trotz Überlegungen der BASF, 40 Millionen Euro in den Ausbau der Produktion zu investieren, werden in der politischen Gemeinde große Fragezeichen hinter die Zukunft der BASF vor Ort gemacht: Es wird offen darüber spekuliert, dass der Konzern die Gemeinde verlässt, wenn die Patente für die Produktion der UV-Absorber ausgelaufen sind. Deshalb hat sich Grenzach-Wyhlen auch gegen die Ansiedlung eines Chemieentsorgers auf dem Areal gewehrt, weil sie das Areal längerfristig vom Industrie- zum Gewerbeareal machen will.