Finanzinstitut

Die Volksbank Lahr führt Negativzinsen ein

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Do, 26. Januar 2017 um 00:00 Uhr

Wirtschaft

Das Finanzinstitut in Lahr folgt dem Beispiel anderer Geldhäuser in der Region und führt Negativzinsen ein. Die Bilanz zeigt die gute wirtschaftliche Verfassung der Region und der Volksbank.

LAHR. Die Volksbank Lahr führt Negativzinsen ein. Dies kündigte Vorstandschef Peter Rottenecker am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz des Ortenauer Finanzinstituts an. Damit folgt das Geldhaus dem Beispiel anderer südbadischer Banken: Die Volksbank in der Ortenau, die Volksbank Breisgau-Nord und die Sparkasse Offenburg verlangen bereits Negativzinsen.

Rottenecker begründete den Schritt mit der Wettbewerbssituation in der Region. Verlangen andere regionale Banken Negativzinsen, strömt kurzfristig abrufbares Kapital zu jenen Finanzinstituten, die keine Negativzinsen erheben. Dies setzt die Banken ohne Negativzins unter Druck: Sie müssen die Gelder ihrer Kunden wieder anlegen, haben aber kaum Möglichkeiten, dies zu attraktiven Konditionen zu tun, denn sie müssen selbst Zinsen auf Guthaben zahlen. So nimmt die Europäische Zentralbank einen Zins, wenn Banken für kurze Zeit Euro bei ihr anlegen.

Otto Normalsparer sei jedoch vom Negativzins ausgenommen, sagte der Vorstandschef. Der beziehe sich nur auf kurzfristig abrufbare Guthaben von Großkunden wie Kommunen oder Unternehmen. Es gelte ein Freibetrag von 250 000 Euro. "Wir werden intensiv mit den Kunden sprechen und nach einer Alternative suchen", sagte Rottenecker. "Der Negativzins wird deshalb nur in einer äußerst geringen Zahl von Fällen fällig werden."

Die Bilanz der Volksbank Lahr zeigt, wie gut es der Ortenau wirtschaftlich geht. So stieg das Volumen der ausgegebenen Kredite im vergangenen Jahr um rund neun Prozent auf 1,356 Milliarden Euro. Das starke Wachstum zeigt zweierlei: Unternehmer und Verbraucher in der Ortenau nehmen mehr Darlehen auf. Dies würden sie nicht tun, wenn sie beispielsweise damit rechneten, ihren Job zu verlieren oder nicht mehr an Aufträge zu kommen. Eine Bank kann jedoch nur mehr Geld für Investitionen und den Wohnungskauf ausleihen, wenn sie sich selbst in einer guten ökonomischen Verfassung befindet. Ginge es ihr schlecht, müsste sie zusätzliche Darlehen verweigern, da diese mit Eigenkapital unterfüttert werden. In Italien fehlt es Banken beispielsweise an Eigenkapital. Deshalb tun sie sich mit der Kreditvergabe schwer, was das Wachstum hemmt.

Allerdings zeigt sich in der Bilanz der Volksbank Lahr auch das, was Bankvorstände schon seit geraumer Zeit angesichts der Niedrigzinsphase prophezeit haben: Der Zinsüberschuss, die wichtigste Einnahmequelle für Regionalbanken, geht zurück. Bei der Volksbank Lahr sank er von 40,2 Millionen Euro 2015 auf 37,4 Millionen Euro. Das hängt vor allem damit zusammen, dass hochverzinsliche Kredite, die in der Vergangenheit abgeschlossen wurden, auslaufen. Die neuen Kredite sind niedriger verzinst. Rottenecker rechnet für 2017 mit weiteren Rückgängen. Der Provisionsüberschuss (Einnahmen aus Vermittlung von Bausparverträgen, Versicherungen etc.) blieb mit 15,9 Millionen Euro nahezu konstant.

Auf den rückläufigen Zinsüberschuss haben die Lahrer reagiert: Die Kosten für Personal und Verwaltung sanken von 41,9 Millionen Euro auf 36,4 Millionen Euro. Dazu trugen Filialschließungen bei. Die Mitarbeiterzahl verringerte sich um 16 auf 487. Sie wird nach Einschätzung von Rottenecker auch in Zukunft leicht sinken. Weniger ausbilden will man jedoch keinesfalls. Unter dem Strich stieg das Betriebsergebnis vor Bewertung von 14,4 Millionen auf 16,9 Millionen Euro. Gravierende Probleme wegen faul gewordener Darlehen hat die Volksbank nicht. "Auch im zurückliegenden Jahr konnten wir mehr Einzelwertberichtigungen bei Krediten auflösen, als gebildet werden mussten", sagte Rottenecker.

Das Eigenkapital, das sich aus einbehaltenen Gewinnen speist, legte um 4,7 Prozent auf 184,9 Millionen Euro zu. Die Aufsichtsbehörden fordern von den Banken mehr Eigenkapital. Je geringer das Eigenkapital, desto krisenanfälliger ist eine Bank. Die erhöhten Eigenkapitalanforderungen sind eine Reaktion auf die Finanzkrise, bei der Banken wegen geringen Eigenkapitals in die Knie gingen und so das Finanzsystem ins Wanken brachten.

Nach Aussage von Rottenecker müssen die Kunden der Volksbank Lahr in den kommenden Monaten nicht mit steigenden Gebühren für ihre Girokonten rechnen. Man habe stets Geld für die Konten verlangt, werde jetzt aber nicht an der Gebührenschraube drehen. Zwar überarbeite man die Kontenmodelle wegen des veränderten Kundenverhaltens, sagte Rotteneckers Vorstandskollege Reiner Richter. Dies werde jedoch unter dem Strich nicht zulasten des Kunden gehen. Viele Banken haben angesichts der Niedrigzinsphase die Kontogebühren erhöht, um so ihre Einnahmen zu steigern.

Der Stadt Lahr bescheinigten Richter und Rottenecker eine erfreuliche wirtschaftliche Entwicklung. Trotzdem seien die Immobilienpreise in Lahr nach wie vor deutlich unter dem Freiburger Niveau. Nach Angaben von Richter bezahle man für eine neue Eigentumswohnung in Lahr zwischen 2800 und 3200 Euro pro Quadratmeter. In Freiburg bekomme man jedoch kaum etwas unter 4500 Euro.
Welche Banken in Südbaden Negativzinsen verlangen, erfahren Sie unter: http://mehr.bz/negativzins