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28. Dezember 2010 00:00 Uhr
Güterverkehr
Euro-Paletten: Bretter, die die Welt bewegen
Vor 50 Jahren hat der Gütertransport einen Quantensprung erlebt. Die Europalette wurde erfunden. Seitdem wird im Güterverkehr kein Stauraum mehr verschenkt.
BERLIN. Die Geschichte der Europoolpalette, kurz Europalette, begann vor 50 Jahren. Die Idee dahinter war so einfach wie praktisch: Eine einheitliche Plattform im Güterverkehr sollte endlich dafür sorgen, dass kein wertvoller Stauraum mehr verschenkt wird. Bis dahin waren unzählige Aufbauten und Verpackungsgrößen üblich, Lücken und nichtgenutzte Ecken die Folge. Die Europalette änderte dies, was deren Erfindung für die Logistiker genauso wichtig macht wie die des Containers.
Anfang des Jahres 1961 beschloss der Verband der Internationalen Eisenbahnen (UIC) eine genormte Transportplattform für Europa. Die Europalette war geboren. Das Maß aller Dinge aus Holz hat bis heute eine Grundfläche von 0,96 Quadratmetern. 120 Zentimeter ist sie lang, 80 Zentimeter breit und 14,4 Zentimeter hoch. 78 Spezialnägel machen die Palette derart stabil, dass sie über Jahre hinweg genutzt werden kann. Sinnvoll ist dies gleichermaßen aus ökonomischer wie ökologischer Sicht.Der Clou an der Sache: Die genormte Europalette ist austauschbar und muss bei Anlieferung nicht sofort leer geräumt werden. Außerdem kann die sogenannte Vierwegpalette von allen Seiten mit einem Gabelstapler oder Hubwagen aufgenommen und befördert werden. Auf Sattelzügen und in Eisenbahncontainern können je zwei Palettentürme längs oder drei quer verladen werden. Die Europalette kann maximal zwei Tonnen bei gleichmäßiger Verteilung verkraften.
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Die Wirkkraft der Europalette endet erst in den Häfen, weil sie nicht für den Containerverkehr auf Schiffen geeignet ist. In der Seefahrt gilt das angloamerikanische Maßsystem. Deshalb hat sich in der Schifffahrt eine Kunststoffpalette mit einer für Container optimierten Größe von 114 mal 114 Zentimetern durchgesetzt.
Die Europalette wiegt je nach Holzfeuchte 20 bis 24 Kilogramm. Doch nicht jede ist aus Holz gefertigt. Es gibt auch Exemplare aus Aluminium, Stahl, Kunststoff und sogar Papier – je nach Einsatzzweck, denn das Gewicht der Ladung spielt natürlich eine tragende Rolle. Bei Ladung von Lebensmitteln und pharmazeutischen Produkten müssen die Paletten gegen eine mikrobiologische und chemische Verunreinigung und gegen Beschädigung optimal geschützt werden. Deshalb kommen hier meist Alupaletten zum Einsatz.
Neben der Größe ist auch das Erscheinungsbild einer Europalette klar definiert. Um am Tauschring des Europools der European Pallet Association (Epal) teilnehmen zu können, muss die Europalette ein Epal-Brandzeichen am linken Eckklotz aufweisen. Der mittlere Klotz zeigt unter anderem den Herstellercode, eine Signierklammer der Prüfer sowie eine Marke für schädlingsfreies Holz. Am rechten Eckklotz befindet sich das Zeichen des Europäischen Paletten-Pools "EUR" mit einer ovalen Umrandung.
Diese einheitliche Kennzeichnung ist notwendig, damit die Paletten in Bauart und Zustand bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen. Kontrolliert und überwacht wird dies von der Epal-Vereinigung. Dies soll dem Versender und dem Empfänger der Palette einen Tausch ohne großes Zögern ermöglichen. Dennoch: Obwohl Fälschungen strafrechtlich verfolgt werden, sind gefälschte Europaletten im Umlauf.
Seit dem Jahr 2008 gibt es sogar piepende Paletten. Ein Funkchip mit 18-stelliger Identifikationsnummer ermöglicht weltweit eine exakte Ortung. Um den Warenfluss zu verfolgen, muss nicht jeder einzelne Artikel mit einem Chip versehen werden. Coca-Cola und die Rewe-Gruppe haben in Deutschland den Chip in der Palette bereits erfolgreich getestet. Der Preis einer neuen Europalette lag – je nach Abnahmemenge – zwischen fünf und fünfzehn Euro. Die Preise zogen aber allein im ersten Halbjahr dieses Jahres für Paletten aus Massivholz um mehr als 25 Prozent an. Mancherorts wurden die Paletten zum begehrten Objekt für Diebe. Auch dies zeigt, dass dieser Meilenstein der Logistik aus dem europäischen Warenverkehr nicht mehr wegzudenken ist.
Autor: Michael Ossenkopp
