Geringverdiener sollen bei Caritas besser wegkommen

Jörg Buteweg

Von Jörg Buteweg

Sa, 09. Juni 2018

Wirtschaft

Die Arbeitgeberseite lehnt diese Tarifforderung strikt ab.

FREIBURG. Für eine Lohnsteigerung von sechs Prozent und eine Besserstellung der gering entlohnten Beschäftigten gehen Mitarbeiter der Caritas am Samstag auf die Straße. In Freiburg und Biberach gibt es Kundgebungen, mit denen die Beschäftigten ihren Forderungen Nachdruck verleihen wollen, ehe am 14. Juni in Fulda wieder verhandelt wird.

Die kirchlichen Arbeitgeber Caritas und Diakonie führen keine Tarifverhandlungen im herkömmlichen Sinn. Sie gehen den sogenannten dritten Weg. Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter sitzen in gleicher Kopfzahl in einer arbeitsrechtlichen Kommission, die über Entgelte und Arbeitsbedingungen entscheidet. Ihre Beschlüsse benötigen eine Dreiviertelmehrheit der Kommissionsmitglieder.

Die schiere Lohnerhöhung ist dabei nach übereinstimmender Aussage von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern nicht der größte Streitpunkt. Da orientiert man sich bei der Caritas, mit mehr als 500 000 Beschäftigten (in vielen rechtlich selbstständigen Einrichtungen) größter nicht-staatlicher Arbeitgeber in Deutschland, traditionell am Tarifabschluss im öffentlichen Dienst. Dort wurden im April Lohnsteigerungen von durchschnittlich 7,5 Prozent in drei Stufen vereinbart. Für die Beschäftigten mit geringeren Entgelten gab es zusätzlich eine Einmalzahlung.

Schwieriger ist schon die Forderung der Arbeitnehmerseite, die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen abzuschaffen. Daran will die Arbeitgeberseite nicht rühren, weil die Große Koalition die Befristung von Arbeitsverhältnissen neu regeln will. Das wolle man abwarten, sagt Pressesprecherin Christiane Moser-Eggs.

Der Hauptstreitpunkt aber ist die Forderung der Arbeitnehmerseite, die unteren Lohngruppen überdurchschnittlich von einer Lohnerhöhung profitieren zu lassen. Sie sollen mindestens 200 Euro mehr im Monat bekommen. Das betrifft vor allem Hilfskräfte in Pflegeheimen. "Wir wollen, dass die Beschäftigten in diesen Lohngruppen wenigstens das bekommen, was es im öffentlichen Dienst gibt", sagt Andrea Grass. Sie arbeitet im St. Josefshaus in Herten und ist Mitglied der arbeitsrechtlichen Kommission auf der Arbeitnehmerseite.

Das sieht die Arbeitgeberseite anders: "Die unteren Lohngruppen verdienen bei der Caritas schon relativ gut", sagt Christiane Moser-Eggs. Deswegen lehnt die Arbeitgeberseite die Forderung ab. "Wenn der Lohnabstand zu den Fachkräften zu klein wird, gibt es keinen Anreiz mehr, sich zu qualifizieren", sagt Christiane Moser-Eggs. Man wolle die etwa 50 000 betroffenen Beschäftigten nicht in Zeitarbeitsfirmen ausgliedern, wie das die Kommunen täten. Zum anderen sei es kaum möglich, starke Kostensteigerungen durch höhere Vergütungen der Kostenträger auszugleichen.

Trotz dieser Differenzen zeigen sich beide Seiten optimistisch, am 14. Juni eine Einigung zu finden. Die gilt nicht unmittelbar für alle Caritas-Mitarbeiter. Was die Kommission auf Bundesebene beschließt, müssen Kommissionen auf regionaler Ebene übernehmen. Dabei gebe es die Möglichkeit, in einer Bandbreite von etwa 20 Prozent von den Empfehlungen der Bundeskommission abzuweichen, sagt Moser-Eggs.