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20. Juli 2017

Investoren

Gutes tun und gleichzeitig Geld verdienen - mit Social Impact Investing

Mit sogenanntem Social Impact Investing wollen Anleger Gutes tun und gleichzeitig Geld verdienen. Es geht auch um eine soziale Rendite. Aber das Marktsegment ist klein.

  1. oder Recycling in Asien – mit Social Impact Investing können Anleger das unterstützen. Foto: dpa

  2. Ob Schulunterricht im afrikanischen Nigeria, Landwirtschaft im südamerikanischen Peru Foto: Tom Schulze

  3. Foto: epa efe Paolo Aguilar

FRANKFURT. Am ehesten kann man es mit wirkungsorientiertem Investieren übersetzen – beim Social Impact Investing fließt privates Geld in Unternehmen, die gesellschaftliche Probleme angehen oder sich Umweltfragen annehmen. Maßgabe ist, dass die unterstützten Firmen tatsächlich Geld verdienen. Auch Investoren mit einem großen Herzen wollen Rendite sehen.

Edda Schröder ist eine Pionierin. 2011 hat sie mit ihrer eigenen Anlagefirma namens Invest in Visions den ersten Mikrofinanzfonds in Deutschland aufgelegt. In diesen können auch Privatanleger mit kleinen Beträgen investieren und damit indirekt Mikrobanken in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa unterstützen. Bislang hat sich das gelohnt – für beide Seiten. Mehr als 400 Millionen Euro hat der Fonds mittlerweile eingesammelt, fast 70 Kleinstbanken in 25 Ländern werden unterstützt. Die Anleger konnten sich über eine Rendite von im Schnitt gut 2,3 Prozent pro Jahr freuen.

In diesem Frühjahr hat die 52-jährige ehemalige Fondsmanagerin einer großen britischen Gesellschaft den nächsten Schritt getan und den ersten Social Impact Fonds aufgelegt, vorerst nur für einen Großanleger. Mikrofinanz sei mittlerweile etabliert, sagt Schröder. "Aber Impact Investment – also wirkungsorientiertes Investieren – ist mehr. Es umfasst Investments mit dem Ziel finanzieller Renditen und positiver gesellschaftlicher Entwicklung, die man als soziale Rendite bezeichnen könnte." Dabei gehe es nicht um Spenden oder Zuwendungen, sondern um Kapital, mit dem die jeweiligen Sozialunternehmen arbeiten können.

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Anleger sollten einen langen Atem haben

Der Markt steckt hierzulande allerdings noch in den Kinderschuhen. Schröder ist sich aber sicher, dass die Nachfrage wächst, "weil hier die Chance besteht, direkten gesellschaftlichen Einfluss zu nehmen". Ansätze dafür gibt es viele: Es können Bildungsfonds sein wie der Deutsche Bildung Studienfonds, der Studenten unterstützt, kleine Landwirtschaftsbetriebe in afrikanischen Ländern, eine Recyclingfirma oder auch Resozialisierungsprojekte, die sich um Strafgefangene nach der Entlassung kümmern.

Generell heißt Social Impact Investing: Das Geld soll in Unternehmen fließen, die gesellschaftliche Probleme angehen oder sich Umweltfragen annehmen. Maßgabe ist aber, dass die Firmen mit diesen Ansätzen Geld verdienen und den Investoren eine Rendite bieten. Die soziale Rendite komme hinzu. Beides erfordert nach Angaben von Edda Schröder auch: Investoren müssen sich aus ihrer Sicht langfristig binden – "mindestens fünf bis sieben Jahre".

Weltweit sollen Ende vergangenen Jahres 144 Milliarden Dollar "wirkungsorientiert" investiert gewesen sein, heißt es bei der Interessensvertretung Global Impact Investing Network (GIIN). Das ist auf den ersten Blick eine gewaltige Summe und doch nur ein Bruchteil der weltweiten Vermögensanlagen von geschätzt 75 Billionen Dollar. Vorreiter sind die USA. Auch in Deutschland geht es einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge voran. Danach hat sich das Anlagevolumen von 2012 bis Ende 2015 auf rund 70 Millionen Euro verdreifacht. Aber das ist im Vergleich immer noch sehr wenig.

Schröder sieht zwar vor dem Hintergrund der anhaltend sehr niedrigen Zinsen gute Chancen auch für Impact Investing. Aber das größte Problem bleibe der Mangel an Kapitalzuflüssen. Das hängt laut Experten auch damit zusammen, dass nicht klar ist, wie der Grad der erzielten sozialen Wirkung einer Anlage gemessen werden kann. Zudem müssten die Anleger und Investoren umdenken, sagt Yannick Rust von Invest in Visions. Investitionen in Sozialunternehmen seien mit einem höheren Risiko verbunden. "Aber auf lange Sicht scheint sich die nachhaltige Ausrichtung eines Unternehmens bezahlt zu machen."

Als einer der Treiber dieses Anlagesegments unter den großen Banken gilt die schweizerische UBS. Sie ist einer der größten Vermögensverwalter weltweit und betreut viele reiche Kunden. Bei denen wächst offenkundig das Interesse an nachhaltigen und sozial ausgerichteten Investments. Anfang Juli konnte die UBS bei diesen betuchten Anlegern 325 Millionen Dollar für den Rise Fund einsammeln. Der Fonds, getragen unter anderem von Rockstar Bono, will gezielt in soziale Projekte und Unternehmen und in Umweltschutzvorhaben investieren.

Die Schweizer UBS treibt das Thema voran

Nach Darstellung von Mark Haefele, dem Chefanlagestrategen der UBS, verwaltete die Bank Ende vergangenen Jahres 970 Milliarden Schweizer Franken, die nachhaltig investiert sind – immerhin ein Drittel der insgesamt verwalteten Kundengelder. Die UBS will ihren Kunden weitere Möglichkeiten für "wirkungsorientierte" Anlagen anbieten.

Auch in Deutschland soll es vorangehen. Jüngst haben Deutsche Börse, Banken und Unternehmen die Initiative "Accelerating Sustainable Finance" gestartet, mit der Investitionen der Finanzbranche in umweltfreundliche, soziale und nachhaltige Anlageprodukte, Initiativen und Unternehmen beschleunigt werden sollen. Es gehe, so Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter, um konkrete Ideen und Vorhaben und darum, innovative Geschäftsfelder für nachhaltige, umweltfreundliche und soziale Anlageprodukte zu identifizieren, "um die positive Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft bei unbedingtem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen zu unterstützen".

Hierzulande zählen die alternativ-ökologische GLS-Bank oder die Umweltbank in Nürnberg seit Jahren zu Akteuren im Blick auf wirkungsorientiertes Investment. Das Geld der Sparer fließt bei der GLS in Form von Krediten in Projekte der ökologischen Landwirtschaft, der erneuerbaren Energien, in Bildung und Kultur. Die geförderten Vorhaben werden regelmäßig veröffentlicht. Ähnlich sieht es bei der Umweltbank aus. Sie konzentriert sich allerdings ausschließlich auf Umweltprojekte.

Autor: Rolf Obertreis