Classic Cars

Im Oldtimer-Markt steckt viel Geld

Johanna Uchtmann /bas

Von Johanna Uchtmann (dpa)/bas

So, 16. September 2018 um 20:30 Uhr

Wirtschaft

Wo immer sie auftauchen, ziehen sie viele Blicke auf sich: Oldtimer. Automobile Klassiker werden in Deutschland immer beliebter. Und ihre Besitzer lassen sich ihr Hobby jedes Jahr Milliarden kosten.

Vor wenigen Wochen erst sind wieder etliche Oldtimer bei den Schwarzwald- und Schauinsland-Classic-Rallyes durch Südbaden gerollt. Die Autobranche verdient gut an den chromglänzenden Schätzchen – mit steigender Tendenz.

Rund 2,5 Milliarden Euro geben die Bundesbürger jährlich nur für Reparatur, Restaurierung und Wartung aus. Das ergab eine Studie der Beratungsgesellschaft BBE Automotive im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie (VDA), des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) und des Zentralverbands des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK).

Versicherungen, Reisen, Garagen und andere Zusatzausgaben eingerechnet, seien es sogar fast fünf Milliarden Euro pro Jahr, sagt Gerd Heinemann, BBE-Geschäftsführer und Autor der Studie, die jetzt auf der Messe Automechanika in Frankfurt vorgestellt wurde. Zum Vergleich: Die Reparatur und Wartung aller rund 46 Millionen Pkw in Deutschland schlägt laut Heinemann mit gut 30 Milliarden Euro im Jahr zu Buche.

Der Markt für alte Autos wächst stetig: Die Zahl der zugelassenen Oldtimer hat sich seit 2008 mehr als verdoppelt. In den vergangenen zehn Jahren ist ihre Zahl laut Studie jährlich um durchschnittlich 8,2 Prozent gestiegen. Derzeit sind gut 675 000 Oldtimer zugelassen. Dazu kommen 220 000 Klassiker, die entweder nicht zugelassen sind oder ein rotes Kennzeichen haben, also nicht immer und überall fahren dürfen.

Oldtimer darf sich ein Auto erst nennen, wenn es mindestens 30 Jahre alt ist. Wurde es vor mindestens 20 Jahren gebaut, heißt es Youngtimer. Beide zusammen bilden den Markt der Classic Cars – laut Heinemann ein wichtiger Markt für die Branche. Ihre Zahl ist der Studie zufolge mit mehr als drei Millionen Autos heute gut dreimal so hoch wie vor zehn Jahren – Tendenz weiter steigend.

Ersatzteile aus dem Drucker, Lackpatina aus der Sprühdose

Die Fachmesse Automechanika in Frankfurt hatte dieses Jahr erstmals eine eigene Ausstellung nur zu Classic Cars im Programm. "In dem Markt steckt Geld", betont Heinemann. Das hat auch die Branche erkannt: Artur Oswald zum Beispiel hat in diesem Jahr ein Start-up gegründet, das eine Schwachstelle der Szene ausbessern will. Auf seinem Onlineportal Retromotion können sich Oldtimer-Besitzer Autoteile per 3-D-Drucker nachdrucken lassen, die es nirgends mehr zu kaufen gibt.

Ein weiteres Beispiel ist die Firma BASF Coatings: Die Tochter des Ludwigshafener Chemiekonzerns, deren älteste Marke Glasurit auf Oldtimer-Lacke spezialisiert ist, hat vergangenes Jahr eine Lackiertechnik entwickelt, die Oldtimern eine Patina des Alters verleiht, obwohl sie nagelneu lackiert sind. VW hat eine eigene Classic-Cars-Sparte mit rund 60 000 Ersatzteilen für alte Autos. Die allermeisten seien Originale, sagt Marketing-Leiter Jörn Schwieger. Einige ließen sie aber auch neu produzieren, zum Beispiel Käfer-Ersatzteile in Mexiko.

Der VW Käfer ist der Studie zufolge mit weitem Abstand das beliebteste Classic Car der Deutschen: 50 000 Käfer waren 2018 registriert (7,6 Prozent), gefolgt von Mercedes W123 (vier Prozent) und VW Golf (3,9 Prozent). Überhaupt stammen rund 70 Prozent der Oldtimer von deutschen Marken. Mit deutlich geringeren Anteilen folgen Wagen amerikanischer, italienischer, französischer und japanischer Autos.

Deutschlands Oldtimer-Hochburgen liegen – wenig überraschend – vor allem in einkommensstarken Regionen. Dazu gehört München mit fast 20 000 angemeldeten Oldtimern. In der bayerischen Landeshauptstadt sind damit 2,7 Prozent aller zugelassenen Autos Oldtimer – bundesweit liegt der Schnitt bei 1,5 Prozent. Noch höher ist der Anteil mit 2,9 Prozent (7800 Oldtimer) allerdings im nordrhein-westfälischen Rhein-Kreis Neuss. Deutlich über dem Schnitt liegen auch Mannheim in Baden-Württemberg (2,6 Prozent) und Offenbach bei Frankfurt (2,5 Prozent).