Industriegarn-Hersteller

Spinnerei SWU Special Yarns in Waldkirch ist insolvent

Barbara Schmidt, Jörg Buteweg und Bernd Kramer

Von Barbara Schmidt, Jörg Buteweg & Bernd Kramer

Mo, 06. August 2018 um 15:25 Uhr

Wirtschaft

Die Waldkircher Spinnerei SWU Special Yarns ist zahlungsunfähig. Davon sind nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Thilo Braun 41 Mitarbeiter betroffen.

Die Waldkircher Spinnerei SWU Special Yarns ist zahlungsunfähig. Davon sind nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Thilo Brau von der Freiburger Kanzlei Nehrig, Braun & Sozien 41 Mitarbeiter betroffen. SWU fertigt Garne für die Industrie, die unter anderem für Schleifmittel und im Automobilbau eingesetzt werden.

"Arbeit ist genug vorhanden" der vorläufige Insolvenzverwalter
"Dass quasi mit Insolvenzantrag die lange geplanten Betriebsferien begannen, war für den Ablauf nicht optimal, aber auch kein Beinbruch. Die Liquidität für die Fortführung des Betriebes im vorläufigen Insolvenzverfahren konnte bereits hergestellt werden, sodass die Produktion nach den Betriebsferien wieder auf vollen Touren laufen wird. Arbeit ist genug vorhanden. Der Mutterkonzern wird die SWU außerdem mit zusätzlichen Aufträgen unterstützen", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter.

Das Unternehmen war bereits 2014 – damals noch als Teil der Spinnweberei Uhingen mit Standorten im südbadischen Waldkirch und in Uhingen auf der Schwäbischen Alb – zahlungsunfähig geworden. Die Ettlinger Ettlin AG übernahm die Spinnerei aus der Insolvenz heraus. Für die Chance auf einen Neuanfang musste fast die Hälfte der Belegschaft gehen. Als Gründe für die neuerlichen Schwierigkeiten werden der Preisverfall bei Ringgarnen, eine rückläufige Nachfrage und steigende Rohstoffpreise genannt. "Unsere Erwartungen von vor vier Jahren haben sich leider nicht erfüllt, weder in Uhingen noch in Waldkirch", bedauerte Thomas Diels, kaufmännischer Geschäftsführer der textilen Gesellschaften der Ettlin AG.

Das erste Quartal 2018 sei noch erträglich gewesen, doch im zweiten Quartal habe es deutliche Verluste gegeben. Statt mehr Garn zu produzieren, sei der Absatz sogar gesunken – was die Herstellungskosten je Garneinheit noch verteuerte, statt sie zu senken. Nach vier Jahren Verlusten waren die Gesellschafter laut Diels nicht mehr bereit, weiteres Geld zu investieren. Der Insolvenzantrag sei unausweichlich gewesen. "Ende des Jahres hatten die Gesellschafter noch einmal eine halbe Million Euro Eigenkapital zugeschossen. Das ist schon wieder aufgebraucht", verdeutlichte Diels die Lage.

Auch Zugeständnisse der Belegschaft konnten daran offenbar nicht viel ändern. Im März hatten die Beschäftigten einem Verzicht auf das diesjährige Urlaubs- und Weihnachtsgeld zugestimmt – in der Hoffnung, so den Fortbestand der Spinnerei zu ermöglichen. "Die Arbeitnehmer sind schon sehr enttäuscht, denn sie haben ja auch etwas eingebracht", sagte Thomas Bittner, Geschäftsführer der Industriegewerkschaft (IG) Metall Freiburg und Lörrach. Die Gewerkschaft habe schon damals befürchtet, dass eine Insolvenz droht, "doch das wurde von der Geschäftsführung vehement bestritten".

Diels zufolge sollte die Spinnerei durch Wachstum im traditionellen Bereich und durch neue Produkte wieder in die Gewinnzone kommen: Das leichte Wachstum habe in den vergangenen drei Jahren geklappt – bis zum verheerenden zweiten Quartal 2018. Die geplanten neuen Produkte gibt es bisher nicht, "weil wir nicht an den dafür benötigten Grundrohstoff herankommen". Der Hersteller der Aramide (Kohlenstoffverbindungen) beliefere nur einen einzigen Abnehmer in Europa und wolle es dabei belassen. "Das haben wir uns anders vorgestellt", so Diels.