Studie

Warum Elsässer dem deutschen Arbeitsmarkt fernbleiben

Sebastian Krüger

Von Sebastian Krüger

Mo, 22. Januar 2018 um 20:08 Uhr

Wirtschaft

Es zieht weniger Elsässer auf den Arbeitsmarkt nach Südbaden, als gedacht. Wichtige Gründe sind fehlende Sprachkenntnisse und geringes Ansehen der beruflichen Ausbildung.

Während badische Betriebe Probleme haben, offene Stellen zu besetzen, schwankt im Elsass die Arbeitslosenquote seit Jahren zwischen acht und zehn Prozent. Dennoch zieht es weniger Elsässer auf den deutschen Arbeitsmarkt, als zu erwarten wäre. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt in einer Studie, warum der grenzüberschreitende Arbeitsmarkt nicht so richtig ins Rollen kommt.

Nach der europäischen Wirtschaftskrise im Jahr 2008 entwickelten sich die Arbeitsmärkte in Frankreich und Deutschland unterschiedlich. Während sich die deutsche Wirtschaft rasch erholte, litt der französische Arbeitsmarkt lange unter den Folgen. Die Arbeitslosigkeit stieg zwischen 2008 und 2015 um fast drei Prozentpunkte an. Auch wenn sie mittlerweile wieder leicht abnimmt, wäre eine verstärkte Arbeitsmigration nach Deutschland zu erwarten gewesen.

Studie liefert analytische Erklärung

Doch die Praxis sieht anders aus: Zwar sind mehr als 20.000 Franzosen in badischen Betrieben tätig – viele von ihnen als Pendler. Aber zwischen 2010 und 2014 nahmen laut Enzo Weber, Studienautor und Ökonom am IAB, nur 1400 Franzosen eine neue Arbeit in Deutschland auf. "Betrachtet man die unterschiedliche Entwicklung der Arbeitsmärkte ist das ein niedriger Wert", sagt er.

Die Befunde seien nicht neu, so Weber. Doch die Studie liefere erstmals eine analytische Erklärung für die erhobenen Daten. So führten die Wissenschaftler Marlene Knörr und Enzo Weber Experten-Interviews, um zu erfahren, was Franzosen daran hindert, eine Stelle in Deutschland anzunehmen.

Anerkennung von Abschlüssen als Barriere

Eine der größten Barrieren stellt die Anerkennung von Abschlüssen dar. Bei vielen Ausbildungen seien die Lernziele und Ausbildungsinhalte standardisiert. Das erleichtere die berufliche Mobilität innerhalb eines Landes oft, erschwert aber den Wechsel ins Ausland. Auch unterscheiden sich die Bildungswege. "Die Franzosen lernen nach dem Abitur zwei Jahre lang in der Schule und haben dann einen fast schon akademischen Abschluss. Wollen sie dann in Deutschland arbeiten, müssen sie noch ein Ausbildungsjahr dranhängen, nur um einen nicht akademischen Abschluss zu erlangen. Das stößt natürlich auf wenig Verständnis", sagt Weber. Um das zu ändern schlägt Weber vor, dass Franzosen ihr drittes Ausbildungsjahr, das in Deutschland gefordert ist, parallel zu einem Job in Deutschland absolvieren können.

Auch fehlende Sprachkenntnisse entpuppen sich als große Hürden für viele Franzosen – insbesondere für Arbeitnehmer, die im Dienstleistungssektor tätig sind. Andere Faktoren, die eine grenzüberschreitende Mobilität einschränken seien ein unzureichender Nahverkehr oder fehlende Informationen über das Nachbarland. Weniger ins Gewicht fallen längere Arbeitszeiten in Deutschland und der niedrigere Mindestlohn, so Weber.

Doch die Studienautoren wollen nicht nur schwarzmalen. So gebe es beiderseits des Rheins viele Bemühungen, einen interkulturellen Austausch zu fördern und grenzüberschreitende Bildungsprogramme auf den Weg zu bringen.
Messe:

Der Salon Formation Emploi Alsace, eine der größten Messen für Ausbildung, Arbeit und Weiterbildung in Frankreich, findet am 26. und 27. Januar in Colmar statt. 70 südbadische Arbeitgeber wollen dort Fachkräfte gewinnen. Für Interessenten gibt es neben vielen Vorträgen einen Bewerbungsmappen-Check, die Möglichkeit zu Bewerbungsfotos, eine Farb- und Stilberatung, ein Business-Styling sowie einen Test zur Einstufung der Deutschkenntnisse.