Aenne Burda

Wo Anna zu Aenne wurde: Die ersten Standorte der Zeitschrift Burda-Moden lagen in der Stadt Lahr

Heinz Siebold

Von Heinz Siebold

So, 09. Dezember 2018 um 09:27 Uhr

Lahr

Die Geschichte von Aenne Burda wird als Zweiteiler im Ersten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Die Republik fragt sich: Wo ist Lahr? Die Lahrerinnen und Lahrer fragen sich derweil: Wo war Aenne damals genau?

"Wie, du fährst nach Lahr?" Ja, sie fuhr nach Lahr und sie arbeitete dort. Das und noch viel mehr war dem fragenden Gatten ein Graus, schließlich lebte der Offenburger Drucker und Verleger Franz Burda ganz in der Männerwelt seiner Zeit. Seine 40 Jahre alte Frau Anna, Mutter seiner drei Söhne, sollte nicht arbeiten gehen. Und schon gar nicht in Lahr, denn dort hatte der später als Bunte-Verleger auch "Senator" genannte Burda seit 1940 eine Geliebte, mit der er ein weiteres Kind hatte. Eine Tochter, geboren im gleichen Jahr wie sein jüngster Sohn Hubert. In Lahr wurde aus Anna Magdalena dann Aenne. Hier begann sie ihre Karriere als selbstbewusste Macherin des erfolgreichsten und meist verkauften Modemagazins Deutschlands.

"Wir hätten gerne mehr Ortenau im Film gehabt."

Annette Gildner vom SWR
Dass sie 1949 einen bestehenden kleinen Modeverlag übernahm, war die Buße ihres untreuen Gatten. Franz Burda hatte seine Nebenfrau Elfriede Breuer und ihr gemeinsames Kind nicht nur nach Lahr geholt, sondern ihr auch einen kleinen Modeverlag ("Elfi-Moden") mit Sitz direkt im Haus daneben eingerichtet: Im hinteren Teil der Wirtschaft "Zum Bädle" am Werderplatz an der Schutter. Die Druckkosten der Zeitschrift rechnete Burda nicht ab. Die betrogene Ehefrau Aenne durfte zur Beschwichtigung dann zwar den Verlag mit 48 Beschäftigten übernehmen – aber auch die aufgelaufenen 200 000 D-Mark Schulden.

"Es gab drei Burda-Standorte in Lahr", erklärt Stadtführerin Annemarie Friedrich-Kirn. "Im Bädle war die Redaktion. Ein paar Schritte weiter, über die Schutter Richtung Rathaus, war das Schnittmusteratelier." Das Haus in der früheren Marktstraße 54 (zuvor: Adolf-Hitler-Straße) neben Foto Dieterle existiert nicht mehr. Im neuen Gebäude direkt an der Tiergartenstraße residiert heute ein Friseursalon.

Aenne Burda musste sich gegen viele Widrigkeiten durchsetzen

"Die Verwaltung und der Vertrieb waren im Lotzbeckhof", so Friedrich-Kirn. Dieses Gebäude im wenig frequentierten Innenhof zwischen Lotzbeck-Palais in der Kaiserstraße und der Eichrodtstraße gibt es noch. Noch früher war dort die Druckerei des Schauenburg-Verlags ansässig. Daneben gibt es mehrere Gewerbegebäude, eine ehemalige Buch- und Offsetdruckerei und das Büro einer Elektromotorenfirma. Die Gebäude stehen zum Teil unter Denkmalschutz, der gesamte Innenhof steht vor einer Umgestaltung.

Logistisch gesehen war die Dreiteilung des Verlags ungünstig. Die wichtigsten Leute des ganzen Betriebs seien damals die Boten mit ihren Fahrrädern gewesen, wurde hinter Aennes Rücken gespottet. Aenne – den neuen Namen wählte sie als Zeichen der Emanzipation – musste sich gegen ihren eigenen Mann, die etablierten Platzhirsche der Modeszene und gegen viele Widrigkeiten durchsetzen. Sie und ihre treue Belegschaft klebten einfach "Burda" auf die bereits gedruckte Titelseite, als ihr der Name "Favorit" untersagt wurde.

Viele der Fotos in den Heften stammen vom Lahrer Fotografen Dieterle, die spätere Sängerin Senta Groß aus Lahr, geborene Bau-Göttel, stand zeitweise Modell.

Die Lahrer Standorte sind im Spielfilm nicht im Original vertreten

Lange hielt es Aenne Burda in den Lahrer Büros und Werkstätten nicht aus. Im "Bädle" roch es nach Tropfbier, das vom Schankhahn ins Blech tropft, an den Wänden bröckelte der Putz, ums Haus herum kratzten Hühner, geheizt wurde mit dem Kanonenofen. So beschreibt Aennes Biografin Ute Dahmen aus Offenburg die Szene. Und außerdem hatte die Verlegergattin das Haus, in dem die Nebenbuhlerin wohnte und regelmäßig von Franz Burda besucht wurde, stets im Blick. Im Jahr 1950 setzte sich Aenne durch. Der Verleger kaufte seiner Geliebten in Wiesbaden eine Wohnung und komplimentierte sie dorthin. Die Beziehung blieb aber bestehen, bis Elfriede Breuer im Jahr 1960 tödlich verunglückte. Im von Franz Burda geschenkten Porsche.

Die Lahrer Standorte sind im Spielfilm über Aenne Burda nicht im Original vertreten. "Wir haben uns alles vorher angeschaut, aber es ging nicht", sagt Annette Gildner vom Südwestrundfunk und scherzt: "Die Lahrer waren sehr fleißig bei der Beseitigung der 50er-Jahre." Im Film habe es eben nach dieser Zeit aussehen müssen, deshalb habe man Drehorte anderswo gesucht. Fündig ist man vor allem in Brandenburg geworden.

Weitläufig rund um Berlin, gibt es immer noch malerische Alleen, durch die Aenne im Film im offenen VW-Cabrio "nach Lahr" fuhr und auch alte Wohn- und Fabrikgebäude als Kulissen. "Wir hätten gerne mehr Ortenau im Film gehabt", bedauert Annette Gildner, aber der Aufwand, um zum Beispiel den Lotzbeckhof wieder in den alten Zustand zu versetzen, wäre zu groß gewesen.

Nur die "Lady Aenn" genannte alte Druckmaschine von Kaufmann, auf der Millionen von Schnittmusterbögen für das Modemagazin gedruckt wurden, spielte eine Rolle. Für den Dreh mit ihr wurden die Kaufmann-Drucker im Stil der 1950er-Jahre ausstaffiert und mussten Krawatten tragen. Die Modehefte wurden in Lahrer Burda-Druckerei in Dinglingen, in der ehemaligen Zigarrenfabrik von Loeser & Wolff gedruckt.

Teil 2 von "Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau" läuft am Mittwoch, 12. Dezember, 20.15 Uhr in der ARD. Um 21.45 Uhr strahlt die ARD den Dokumentarfilm "Aenne Burda – die Königin der Kleider" der Freiburger Filmemacherin Sigrid Faltin aus.