Woche der Demoskopen

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

So, 10. Februar 2019

Freiburg

Der Sonntag Umfrage der BZ ergibt Mehrheit pro Dietenbach – wie viel Dampf bleibt in der Debatte?.

Ein Video von OB Horn, eine Meinungsumfrage der Badischen Zeitung mit klarem Ergebnis, schließlich noch die zentrale Infoveranstaltung: Die Debatte um einen Neubaustadtteil Dietenbach hat diese Woche möglicherweise den Höhepunkt ihrer Dynamik erreicht.

Zahlreiche Diskussionsveranstaltungen haben bereits stattgefunden, die Standpunkte sind dargelegt, neue Aspekte fielen in den vergangenen Tagen nur noch selten. Doch auch wenn die zentrale Info-Veranstaltung im Freiburger Konzerthaus mit rund 1 300 Interessierten diesen Eindruck letztlich weitgehend bestätigte, hatte die Woche doch noch mal neue Elemente zu bieten. So nutzte Oberbürgermeister Martin Horn eine seiner ureigensten Kompetenzen und der seines Social-Media-Teams und meldete sich in Gummistiefeln und Winterjacke per Video direkt von den Äckern des Dietenbachgeländes. Wie aus dem Stegreif wirkend, warb er dort für den neuen Stadtteil und streifte die gängigsten Bedenken skeptischer Bürger. "Wir brauchen diesen Stadtteil nicht für Rentner und Rentnerinnen aus Hamburg, sondern für uns selbst", erklärte Horn auf der Ackerfurche, "allein die Uniklinik baut 250 bis 300 Appartements für Pflegerinnen und Pfleger. Wir haben 700 Wohnungen für Studierende, 1 000 Wohnungen für die Stadtbau". Und so weiter. Rund 26 000 Aufrufe in Facebook und 2 300 bei Instagram bis gestern zeugten durchaus von Breitenwirkung.

Einige Stunden später präsentierte die Badische Zeitung online die Ergebnisse einer von ihr beim Leipziger Sozialforschungsinstitut IM Field GmbH in Auftrag gegebenen Meinungsumfrage – und ihre Daten zeigten in Online- und Analogdebatten eine nicht eben geringe Einschlagsdynamik. Die repräsentativ angelegte Umfrage unter 1 000 Befragten ergab eine Mehrheit von 58 Prozent für den Bau des Stadtteils und eine Minderheit von 31 Prozent, die dagegen ist. Acht Prozent zeigten sich unentschlossen, vier Prozent machten keine Angabe. Die Mehrheit pro Dietenbach findet sich der Studie nach in allen Altersgruppen, unter den 30- bis 39-jährigen findet sich die größte Zustimmung, in der Altersgruppe 65-plus die geringste – doch auch hier ist die Mehrheit für den Stadtteil.

Weitere Erkenntnisse: Je größer ein Haushalt ist, desto größer ist die Zustimmung für den neuen Stadtteil – Familien erachten die Notwendigkeit also umso größer. Nur acht Prozent der Befragten lehnen ein Wachstum der Stadt ab, 28 Prozent zeigen sich zu dieser Frage allerdings unsicher. Die Zustimmung zu Dietenbach steigt mit dem Grad der Bildung. Für Diskussionen sorgte auch die Zuordnung der Dietenbach-Befürworter und -Gegner zu bevorzugten Parteien bei Wahlen. Denn eine mehrheitliche Ablehnung eines neuen Stadtteils zeigte sich nur bei Sympathisanten der AfD.

Inwieweit das Ergebnis der Meinungsumfrage die Luft aus der Debatte lässt oder möglicherweise bisher passive Dietenbach-Gegner motiviert, wird sich in den kommenden Tagen zeigen, spätestens aber beim Bürgerentscheid. Ulrich Glaubitz, einer der drei Vertrauensleute des Bürgerentscheides gegen den Stadtteil, sieht keinen Grund zum Aufgeben. "Dass wir uns nicht entmutigen lassen, ist so sicher wie das Amen in der Kirche", erzählt er gegenüber dem Sonntag . "Wir wollen alles dafür tun, dass wir am 24. Februar eine Mehrheit bekommen".

CDU: Sozialklausel auf den Prüfstand

Kurz vor Wochenende veröffentlichte der Freiburger CDU-Kreisverband noch eine Pressemitteilung zum Thema. Auf einer "mitgliederoffenen Vorstandssitzung" habe sich der Verband nochmals intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Ergebnis: Der Kreisvorstand sei nun auch der Meinung, dass es zu Dietenbach keine Alternative gebe. Allerdings müsse die Bezahlbarkeit dort oberstes Ziel sein – auch bei Eigentumswohnungen. Die 50-Prozent-Quote für Sozialwohnungen müsse deswegen genauso auf den Prüfstand wie übertriebene Freiburger Bauvorschriften.