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21. Januar 2017 19:00 Uhr

Protest gegen Trump

"Women’s March": Die größte Demo der US-Geschichte?

Hunderttausende Demonstranten haben am Samstag am "Million Women March" in Washington D.C. teilgenommen. Politiker und Stars riefen zum Protest gegen den neuen US-Präsidenten Trump auf.

  1. Weltweit versammelten sich Demonstranten gegen den neuen US-Präsidenten. Foto: AFP

  2. Auch viele Pop- und Filmstars wie hier Madonna beziehen deutlich Stellung gegen Donald Trump. Foto: dpa

Es war noch dunkel in Washington, als die mit Demonstranten überfüllten U-Bahnen und die meisten von bis zu 2000 angekündigten Bussen mit Protestierenden eintrafen. Und es war wieder dunkel, als die Menschen immer noch zu Tausenden die Hauptstraße entlang der Mall, der Museumszeile im Herzen der Stadt, bevölkerten. Auf 200 000 Teilnehmer hatten die Veranstalter zunächst gehofft, am Ende könnten es drei Mal so viel gewesen sein, oder sogar noch mehr, wie US-Medien schätzten.

Die wahrscheinlich größte Demo der US-Geschichte

Damit könnte der "Women’s March" die größte Demonstration der US-Geschichte gewesen sein, sollte die Teilnehmerzahl des bisherigen Protestrekordes von 1969 – damals bei der Demo gegen den Vietnam-Krieg – tatsächlich übertroffen worden sein. Der US-Sender CNN zählte landesweit mehr als eine Million Anti-Trump-Demonstranten.

"Frauenrechte sind Menschenrechte", hieß es im Aufruf zu der Kundgebung, die sich gegen zahlreiche Ideen richtet, die Trump umsetzen will, etwa Einschränkungen bei Abtreibung, Politik gegen Einwanderer, Muslime und Minderheiten oder gegen Klimaschutz und Krankenversicherung. "Wir müssen eine Gesellschaft schaffen, in der Frauen ... frei und in der Lage sind, sich um ihre Familien zu kümmern", hieß es weiter.

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Vor dem Marsch über die National Mall zum Weißen Haus sind diverse Politiker, Stars und Aktivisten aufgetreten. Darunter waren etwa der Regisseur Michael Moore, Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser oder die Schauspielerin Scarlett Johansson.

Bei der Demonstration in der US-Hauptstadt sagte die Schauspielerin America Ferrera, "Spaltung und Hass" seien an die Macht gekommen, "doch der Präsident ist nicht Amerika". Filmemacher Moore appellierte an die Versammelten, sich jeden Tag politisch zu engagieren. Die feministische Autorin Gloria Steinem befand, Trump könne nicht zwischen Fantasie und Realität unterscheiden.

Madonna ruft zur Rebellion auf

Ferrara machte in ihrer Rede klar, dass es den Protestierenden um mehr gehe, als nur um eine Verteidigung gefährdeter frauenspezifischer Rechte wie das auf Schwangerschaftsabbruch und Pille auf Krankenschein: "Es ist ein Angriff gegen uns alle", sagte sie und meinte damit unter anderem Immigranten, Homosexuelle, Transgender, Schwarze, Latinos, Rechtsprechung, die Umwelt, die Welt. Andere Promis wie Ashley Judd sprachen mit geballter Faust, Alicia Keys ließ mit ihrem Song "Girl on Fire" Funken sprühen, und Madonna rief ins Mikrofon: "Seid ihr bereit zur Rebellion?" Und für Gegner, die sagten, dass dieser Marsch zu nichts führen würde, hatte sie nur zwei Worte übrig: "Fuck you!"

Auch im Ausland wurde eifrig an pinkfarbenen "Pussy Hats" gestrickt, als Zeichen der Solidarität über Grenzen hinweg und zugleich eine Erinnerung an frühere vulgäre Äußerungen Trumps über Frauen, Prahlereien mit sexueller Gewalt - Pussy ist ein umgangssprachlicher Begriff für das weibliche Geschlechtsteil.

Ursprünglich 200.000 Teilnehmer beantragt

Ursprünglich hatten die Veranstalter eine Genehmigung für 200.000 Teilnehmer beantragt. Die Kundgebung in Washington war der Höhepunkt eines globalen Protesttags, bei dem weltweit mehr als 600 Märsche gegen den neuen US-Präsidenten und für Frauenrechte stattfanden. Auch in Amsterdam, London, Prag und Rom gingen am Samstag Menschen auf die Straße. Weitere Kundgebungen wurden aus Tel Aviv, Wien und Mexiko City gemeldet. Den Auftakt machten Märsche in Sydney und Melbourne.

Trump hatte international mit sexistischen Bemerkungen und mit Hetze gegen Einwanderer, Muslime und Behinderte Menschen gegen sich aufgebracht. Mehr als ein Dutzend Frauen gingen im Wahlkampf mit Klagen über sexuelle Belästigung durch Trump an die Öffentlichkeit.

Proteste auch in Deutschland

Auch in mehreren deutschen Städten haben tausende Frauen und Männer gegen den neuen US-Präsidenten Donald Trump demonstriert. Den größten Protestzug gab es in Frankfurt am Main, wo mehr als 2000 Menschen durch die Innenstadt zogen. In Berlin demonstrierten die Teilnehmer vor dem Brandenburger Tor.

In der Hauptstadt versammelten sich außerdem einige Hundert Frauen und Männer vor der US-Botschaft. Der Ableger der Demokratischen Partei für im Ausland lebende US-Amerikaner (Democrats Abroad) hatte die Demonstration angemeldet, wie die Polizei mitteilte. Die Demonstrantinnen riefen "No justice, no peace" oder "I"m a feminist". Auf Plakaten standen Sprüche wie "Trump ist kein Berliner".

600 Demonstranten in München, 800 in Heidelberg

In München zogen rund 600 Menschen vom US-Generalkonsulat bis in die Innenstadt. Rund 800 Menschen haben auch in Heidelberg für gesellschaftliche Vielfalt und gegen Auffassungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump demonstriert.

Die Stimmung sei friedlich und sehr ausgelassen gewesen, sagte ein Polizeisprecher nach dem Ende der Kundgebung. Die Demonstranten, den Angaben zufolge vor allem Frauen, waren durch die Fußgängerzone bis vor das Rathaus gezogen. Sichtbare Trump-Fans zählte die Polizei nur vier - sie hielten ein großes Plakat mit einem Konterfei des US-Präsidenten in die Höhe.

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Autor: kna, dpa, epd, aktualisiert am Sonntag um 11 Uhr