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13. Januar 2010 17:20 Uhr

Internationales Lob

Worldwatch-Institut: Vauban ist ein Vorbild

Der State-of-the-World-Bericht des führenden US-Ökoinstitutes Worldwatch gilt als Nachhaltigkeits-Bibel. Die neue Ausgabe 2010 blickt auch auf den Stadtteil Vauban – und nennt das Quartier ein Vorbild für die Stadt der Zukunft.

  1. Foto: Ingo Schneider

Ausartender Konsum ist der Klimakiller Nummer eins – so das Urteil des führenden US-amerikanischen Umweltinstitutes Worldwatch. Im Kampf gegen den Klimawandel sei ein grundsätzlicher Wandel des Konsumverhaltens notwendig, fordert das Worldwatch-Institut, das seit 1984 seine jährlichen "State-of-the-World"-Berichte vorlegt. In der am Mittwoch als Buch erschienenen Ausgabe für das Jahr 2010 beschreibt Worldwatch in einem Kapitel auch den Freiburger Stadtteil Vauban als Vorbild, wie Städte in der Zukunft gebaut werden müssten.

Derzeit liegt der Ressourcenverbrauch weltweit um ein Drittel über den Kapazitäten der Erde. Ein durchschnittlicher Europäer verbraucht laut dem Worldwatsch Institute täglich 43 Kilogramm Materialien wie Metalle, Lebensmittel oder Energie. Ein Amerikaner bringt es gar auf 88 Kilogramm täglich. "Am Ende muss der menschliche Überlebenswillen über dem Drang nach einem Konsum um jeden Preis siegen", meint dazu Christopher Flavin, Präsident des Worldwatch Instituts. Die herrschende Konsumkultur sei jedoch fest im Alltag verankert. Nach Einschätzung der Wissenschaftler, die am State- of-the-World-Bericht 2010 arbeiteten, werde sich der Sinn für Nachhaltigkeit nur mühsam etablieren.

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"SITTING LIGHTER IN THE PLANET"

Als positives Beispiel führt der australische Professor Peter Newman im Kapitel "Die Städte der Zukunft bauen" den Stadtteil Vauban auf – auch wenn Freiburg im Bericht als "Frieburg" auftaucht. In Vororten wie Vauban, würden es Radwege, Windräder und Bauernmärkte nicht nur leicht machen, nachhaltig zu leben – sie würden es schwer machen, dies nicht zu tun, heißt es. Wissenschaftler Newman lobt, dass die Frage der Nachhaltigkeit von der Planung des Stadtteils bis zur Umsetzung jede Entscheidung bestimmt habe.

Andere Städte müssten werden wie Vauban oder wie das ebenfalls als Beispiel angeführte und (als nahe bei Freiburg liegend beschriebene) Hannover: "Sitting lighter on the planet" – sie sollen leichter auf der Erde sitzen. Vauban wird mit der neuen Stadt Masdar in Abu Dhabi und Projekten wie Treasure Island in der San Francisco Bay Area, dem Londoner Nullenergie-Stadtteil Beddington sowie dem Olympischen Dorf in der englischen Hauptstadt zu den Pionieren weltweit gezählt, die den "ökologischen Fußabdruck" dramatisch reduziert hätten.

SO ODER SO: ES WIRD UM 3,5 GRAD CELSIUS WÄRMER

Rund 60 Wissenschaftler haben in dem knapp 300 Seiten starken Buch viele spannende Fakten zum Thema Konsum und Klimawandel zusammengetragen:
  • Die 500 reichsten Millionen Menschen der Welt, die nur etwa sieben Prozent der Weltbevölkerung stellen, verursachen etwa die Hälfte des Treibhausgasausstoßes weltweit. 2005 sei achtmal so viel Erdöl verbraucht worden wie im Jahr 1950.
  • Macht die Welt so weiter wie bisher, steigt die Durchschnittstemperatur bis zum Jahr 2100 um 4,5 Grad Celsius. Und selbst wenn alle Länder nun ihre ambitioniertesten Anstrengungen zur Treibhausgas-Reduktion umsetzen,steigt die Temperatur trotzdem um 3,5 Grad.
  • Ein britische Studie hat herausgefunden, dass englische Kinder mehr Pokemon-Figuren kennen als Wildtierarten.
  • Die Werbeindustrie in den USA gibt derzeit 17 Milliarden Milliarden Dollar für Werbung für die Zielgruppe Kinder aus – im Jahr 1983 waren es nur 100 Millionen Dollar.
  • Um genug Energie zu produzieren und die fossilen Energieträger zu ersetzen, bräuchte die Welt 200 Quadratmeter Photovoltaik Zellen und 100 Quadratmeter Solarthermie-Panele jede Sekunde und 24 Drei-Megawatt-Windturbinen jede Stunde in diesen 25 Jahren.

Autor: Joachim Röderer