Zehn Medaillen für Heimat-Aktive

Karin Heiß

Von Karin Heiß

Mo, 10. September 2018

Waldkirch

LANDESFESTWOCHENENDE: Der Jüngste unter den Geehrten ist der Waldkircher Christoph Herr / Breites Spektrum an Heimatpflege.

WALDKIRCH. Zum würdevollen Auftakt des Landesfestwochenendes anlässlich der Heimattage 2018 in Waldkirch wurden zehn engagierte Menschen aus Baden-Württemberg mit der Heimatmedaille des Landes am Freitagabend im katholischen Pfarrzentrum St. Margarethen ausgezeichnet.

Ihre Hingabe und ihr Handeln manifestiert sich in ganz verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, aber eins ist ihnen gemein: Allen Geehrten ist "Heimat" wichtig und deren Gestaltung und Erhaltung, im nachhaltigen, gemeinnützigen Sinne. Waldkirchs Oberbürgermeister Götzmann verwies darauf, "dass die zu Ehrenden die Medaillen hart erarbeitet haben". Er hoffe, dass sich viele Nachahmer für solch engagiertes Tun finden.

"Heimat ist viel mehr als Bollenhut und Blasmusik", betonte Theresia Bauer, Landesministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Heimatpflege sei auch immer das Bemühen um Integration von Fremdem. Die Ministerin zitierte hier Winfried Kretschmann: "Heimat wird nicht weniger, wenn man sie teilt." Ob Freiwilligenarbeit oder Ehrenämter, diese Tätigkeiten seien Zeichen dafür, "wie frei und stark eine Gesellschaft ist". Das sei gelebte Demokratie.

Auch Karlheinz Geppert vom Landesausschuss Heimatpflege würdigte die Bedeutung von Heimat und dem Einsatz für sie. Für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgte die Waldkircher Familie Zickgraf, die Moderation übernahm die Radio-Journalistin Dinah Steinbrink. Statt der klassischen Festreden wurden Kurzfilme gezeigt, die bei den zehn zu Ehrenden zu Hause gedreht wurden.

Christel Mösch (geboren 1934) aus Ettenheim ist unter anderem seit Gründung der Regionalgruppe der Muettersproch-Gsellschaft, 1984, mit über 300 Mitgliedern, deren Vorsitzende. Das ganze Jahr hindurch hält sie "mit ihrer besonders engagierten, temperamentvollen und fröhlichen Art Mundartvorträge und tritt im Besonderen durch die monatlichen Stammtische ihrer Gruppe für den Dialekt ein". Auch sei ihr die Verbindung ins benachbarte Elsass und zur dortigen Sprache ein wichtiges Anliegen. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer ehrenamtlichen Arbeit liegt in der Fastnacht.

Klaus G. Kaufmann (geboren 1944) aus Haslach im Kinzigtal vermittelt die Ortsgeschichte und macht sie der Öffentlichkeit zugänglich. 1989 wurde er Mitglied des Historischen Vereins Haslach. Er forschte über die Scharfrichterfamilie Seidler, deren Spuren bis 1610 nach Triberg zurückverfolgt werden konnten. Bis heute hält Kaufmann Vorträge zum Thema "Hohe Gerichtsbarkeit in Mittelbaden" und verfasste etliche Berichte in Jahrbüchern des Historischen Vereins Mittelbaden "Die Ortenau", bei dem er wie im heimatlichen Verein seit langem führende Vorstandspositionen innehat. Bei den "Hirtensängern vom Goldenen Winkel" pflegt er das Dreikönigssingen. Er befasste sich intensiv mit der Sprache der Jenischen. Mit Kollegen betreut er ein ehemaliges kleinbürgerliches Haus, welches sie instandgesetzt haben.

Satis Shroff (geboren 1950 in Dharan/Nepal) kam 1975 nach Freiburg. Shroff ist Dozent an der Akademie für medizinische Berufe. Er ist Autor mehrerer Bücher über Nepal, sieht sich aber vor allem als "als Mittler der Kulturen". Shroff spricht fließend Deutsch, Englisch, Nepali, Hindu und Urdu. Er betreute Stipendiaten des Akademischen Auslandsdienstes und war für die Caritas und das Sozial- und Jugendamt in Freiburg jahrelang Dolmetscher, insbesondere für Gespräche mit Asylbewerbern. Auch dem Freiburger Amtsgericht steht er seit Jahren als ehrenamtlicher Dolmetscher zur Verfügung. In den 1990er Jahren engagierte Shroff sich in Flüchtlingsfamilien aus dem Kosovo, heute für Flüchtlinge aus Indien, Nepal und Pakistan. Ehrenamtlich tätig ist er auch im Männergesangverein "Liederkranz" (seit 2014 Vorsitzender). Er veranstaltet regelmäßig Benefizkonzerte.

Gerlinde Trunk (geboren 1958) aus Buchen (Odenwald) arbeitet als Diplom-Archivarin. Viele Jahre war sie ehrenamtliche Geschäftsführerin des Vereins Bezirksmuseum Buchen und unterstützt den Verein auch durch Veröffentlichungen. Seit 1991 ist sie die ehrenamtliche Geschäftsführerin der musikwissenschaftlichen "Internationalen Joseph Martin Kraus Gesellschaft". Daneben führt sie ehrenamtlich die Archivpflege in mehreren Pfarrgemeinden und wirkt als Schatzmeisterin im Verband der Odenwälder Museen und Sammlungen mit.

Peter Plachetka (geboren 1936) aus Mannheim hat sich seit vielen Jahren verdient gemacht in der ehrenamtlichen Erhaltung und Dokumentation des baulichen kulturellen Erbes der Stadt Mannheim und der Region. 1989 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Mannheimer Architektur- und Bauarchivs. Unter seiner Regie gelang die Fortschreibung des 1906 erschienenen Standardwerks "Mannheim und seine Bauten 1907 bis 2007". Er realisierte Ausstellungen und versucht Architekturnachlässe im Privatbesitz ausfindig zu machen, zu sichern und ins Stadtarchiv zu überführen. Er hat Tausende von Plänen inventarisiert, um sie öffentlich zugänglich zu machen.

Hans-Jörg Kalmbach (geboren 1950) aus Calw ist seit frühester Kindheit mit Musik in all ihren Facetten verbunden. Schon in seiner Schulzeit komponierte und arrangierte er Stücke für Schulchöre und -orchester und gründete einen Männerchor. Nach Abschluss des Schulmusikstudiums in Karlsruhe war er Mitbegründer der Musikschule in Calw. Sein Wirken für die Chormusik zeigt sich nicht nur in den von ihm geleiteten angesehenen Ensembles, sondern vor allem in den Spuren, die seine Musik und Bearbeitung in der Musikwelt hinterlässt. Kalmbach habe die musikalische Landschaft Baden-Württembergs geprägt wie kaum ein anderer seiner Generation.

Irma Barraud (geboren 1936) aus Lahr trat 1960 in die Landsmannschaft Ost-/Westpreußen in Lahr ein. Mit 29 Jahren gründete sie die Frauengruppe, die sie als Leiterin seit nun 52 Jahren führt. Unter dem Motto "Erhalten und gestalten" wird bei den Treffen von der einstigen Heimat erzählt, werden Traditionen, Esskultur und das Liedgut bewahrt. 1991 verhinderte Barraud die Auflösung des örtlichen Bundes der Vertriebenen, indem sie sich zur Kreisvorsitzenden wählen ließ. Seit 2006 ist sie Vorsitzende der Landsmannschaft Ost-/Westpreußen in Lahr. Sie gründete außerdem den Ostdeutschen Lesekreis und engagiert sich in der evangelischen Gemeinde.

Elfriede Elser (geboren 1950) aus Uttenweiler ist seit der Gründung des Landfrauenverbandes 1977 dort Mitglied. 1985 gründete sie die Landfrauen-Trachtentanzgruppe Riedlingen und leitet die Gruppe seit 1995. 1999 gründete Elser mit mehreren Frauen den Partyservice Riedlinger Landfrauen und ist bis heute dessen Geschäftsführerin. Die Verwendung von regionalen und saisonalen Produkten stehe im Vordergrund. Als stellvertretende Vorsitzende der Landfrauen Biberach-Sigmaringen und in verschiedenen Gremien setzte sie sich besonders für die Qualifizierung und Förderung von Frauen im ländlichen Bereich ein.

Botho Walldorf (geboren 1945) aus Wannweil hat seit 1960 als Hobbyfotograf in unzähligen Aufnahmen die Entwicklung des Eisenbahnwesens sowie Alltagsgeschichte dokumentiert. Mit einem besonderen Gespür fotografiere er "das Untergehende" – die letzten Dampflokomotiven in Betrieb, Plumsklos, rauchgeschwärzte Dachstühle sowie Hausabbrüche. Walldorf veröffentlichte zwar zahlreiche Bildbände, doch damit die Allgemeinheit Zugang zu seiner gesamten Dokumentation hat, verwahrt er sie in öffentlichen Archiven.

Der jüngste zu Ehrende ist aus der diesjährigen Heimattage-Stadt Waldkirch: Christoph Herr (geboren 1975) betreut ehrenamtlich das Archiv der Narrenzunft Krakeelia Waldkirch. Seiner unermüdlichen Arbeit sei es unter anderem zu verdanken, dass im Jubiläumsjahr 2015 nicht nur zahlreiche Veranstaltungen stattfinden konnten, sondern auch eine vielbeachtete Ausstellung zur damaligen 165-jährigen Geschichte des Vereins im Elztalmuseum realisiert werden konnte. Mit Artikeln und Aufsätzen bereichert Herr zudem seit Jahren den Waldkircher Heimatbrief des Heimat- und Geschichtsvereins, ist dessen Vorsitzender und organisiert immer wieder geschichtliche Projekte. Dabei ist es ihm ein besonderes Anliegen, Heimat speziell Kindern und Jugendlichen näher zu bringen. Regelmäßig benutzt Christoph Herr das Waldkircher Stadtarchiv und hilft dem Archivteam bei der Tiefenerschließung mancher Akten.