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25. Juli 2012

Ziel bleibt ein Cluster für neue Medien

Trotz des geplatzten Neubauprojektes sieht Stiftungspräsident das Haus für elektronische Künste in Basel auf Kurs.

BASEL. Wer hoch hinaus will, kann tief fallen, heißt es. Ganz so drastisch erfüllt sich das Sprichwort am Haus für Elektronische Künste (HeK) und dem Kunsthaus Baselland zwar nicht. Das Projekt eines gemeinsamen Domizils der zwei Einrichtungen im Kunstfreilager der Christoph Merian Stiftung aber ist Makulatur; die Verantwortlichen haben es aus Kostengründen gestoppt. Stattdessen erhält das HeK bis 2014 ein neues Domizil in einer ehemaligen Lagerhalle am Kunsthaus Oslo. Damit verbunden wird zudem das Shift-Festival für elektronische Künste ein weiteres Mal bis 2014 verschoben.

Das Haus für elektronische Künste wurde erst 2011 am heutigen Standort in der Olso Straße im Dreispitz-Areal im Grenzgebiet der Kantone Basel-Stadt und -land eröffnet; schon da war allerdings klar, dass das nur eine Überganglösung ist. Im Hintergrund gab’s bereits damals die Idee, das HeK und das Kunsthaus Baselland in einem gemeinsam genutzten Neubau im Kunstfreilager anzusiedeln. Doch der architektonisch spektakuläre Neubau neben dem Projekt der Hochschule für Gestaltung sei mit Kosten von rund 20 Millionen Franken letztlich nicht darstellbar gewesen, sagt Beat von Wartburg, Präsident der Stiftung, die das HeK trägt, und zugleich Kulturverantwortlicher der Christoph Merian Stiftung (CMS).

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Vor allem das Kunsthaus und dessen Trägerverein haben sich mit seinem Finanzierungsanteil schwer getan. Damit ist das Konzept, beide Häuser unter einem Dach zu bündeln, zwar hinfällig; gleichwohl halte das Kunsthaus an der Verlagerung ins Kunstfreilager fest – allerdings an einem anderen Ort und in abgespeckter Form; entsprechend wird nun für das HeK in einer derzeit leeren Lagerhalle in direkten Anschluss an das Haus Oslo bis 2014 eine eigenständige Lösung realisiert, inklusive der internationalen Austauschateliers (IAB) der CMS. Das sei für alle Beteiligten kostengünstiger als die Neubaulösung und eröffne nichtsdestotrotz neue Chancen – auch für das HeK. Die junge und aus einer Fusion entstandene Einrichtung befinde sich eben nach wie vor in einem "Häutungsprozess", beschreibt von Wartburg das.

Das Vorhaben, das Haus zu einem nationalen Schweizer Kompetenzzentrum für neue Medien zu entwickeln, das sich nicht zuletzt ums Sammeln, Archivieren und Konservieren der vergleichsweise flüchtigen digitalen Kunst kümmert, jedenfalls habe Bestand; zumal diese Säule von 2014 an von der Schweiz mit im Prinzip zugesagten und bereits im Haushalt budgetierten zusätzlichen 420 000 Franken gefördert wird. Vorbild für das HeK sei da letztlich das Schweizer Fotomuseum in Winterthur. Idee sei, um das Haus herum ein vergleichbares nationales Cluster für die neuen Medien zu formen und zu entwickeln und da sei er durchaus zuversichtlich, so von Wartburg. Das Konservieren und "Impulse für die Museumslandschaft" sei aber nur ein Standbein. Vor allem nämlich solle sich das HeK zu einer interdisziplinären Plattform mausern, die die "gesellschaftliche Relevanz" neuer Medien reflektiere und zum Beispiel das Verhältnis von Technik und Kunst beleuchte, skizziert von Wartburg seine Vorstellungen. Bis dahin indes liege noch ein Stück Weg vor dem Haus, räumt auch der Stiftungspräsident ein.

"Wir versuchen das HeK neu aufzubauen", erläutert er das. So gelte es nicht zuletzt, die zwei Gründungsvereine zu etwas Neuem zu integrieren. Dass das nicht ganz reibungslos abläuft zeigt sich nicht zuletzt daran, dass das Festival für neue Medien "Shift" einmal mehr verschoben wird. Dafür gibt es einerseits zwar finanziellen Zwänge. "Das ist derzeit nicht darstellbar", sagt von Wartburg; andrerseits brauche das HeK aber auch eine "Denkpause". Klar aber sei, dass "Shift" von 2014 auf jeden Fall fortgesetzt werden soll und bis dahin punktuell mit einzelnen Projekten Präsenz zeigen werde.

DAS HEK

Das Haus für elektronische Künste, kurz HeK, entstand 2011 durch die Fusion des Forums für neue Medien "plug.in" und Festivals für elektronische Künste "Shift". Es versteht sich als Zentrum für zeitgenössische Kunst, die elektronische Medien verwenden und will deren Gebrauch kritisch reflektieren. Zudem befasst es sich mit der Konservierung, Archivierung und Dokumentation von digitaler Kunst und baut mit Förderung ein öffentlich zugängliches Archiv auf. Langfristig soll auch eine eigene Sammlung für Medienkunst entstehen. Trägerin ist die Stiftung Haus für elektronische Künste Basel, sie wird vor allem vom Kanton Basel-Stadt und der Christoph Merian Stiftung unterstützt; Letztere steuert zum Beispiel rund 370 000 Franken im Jahr zum Budget des HeK bei.  

Autor: alb

Autor: Michael Baas