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31. August 2013 15:17 Uhr

Rheinfelden

Zu wenig bezahlbare Wohnungen für Asylbewerber

Manche Asylbewerber in der Unterkunft an der Schildgasse könnten umziehen, finden aber keine geeignete Wohnung – es fehlt schlicht bezahlbarer Wohnraum.

  1. Familie Emmini könnte aus der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber ausziehen, hat aber keine Wohnung. Foto: Danielle Hirschberger

  2. Familie Marho soll nach Kandern ziehen. Foto: Danielle Hirschberger

Seit Beginn diesen Jahres ist die Zahl der Flüchtlinge, die in Europa Schutz suchen, drastisch gestiegen. Zusätzliche Wohncontainer in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber sollen die Flüchtlinge aufnehmen, die von der Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge in Karlsruhe nach Rheinfelden zugewiesen wurden. Und während auf der einen Seite immer mehr Asylsuchende anklopfen, fließt auf der anderen Seite nichts ab. Auszugsberechtigte Familien bleiben noch lange in der Gemeinschaftsunterkunft wohnen und blockieren dort eine weitere Belegung.

Unterbringung in Notunterkunft

Es gibt viel zu wenig bezahlbare Wohnungen, ein bundesweites Phänomen. Die Mitarbeiter des Landratsamtes suchen händeringend nach Wohnungen, die für Flüchtlinge erschwinglich sind. Familie Emmini könnte schon seit Monaten ausziehen. Mama Aferdite, Papa Ahmet und sechs Kinder im Alter von sieben bis 15 Jahren. Damit gilt Familie Emmini aus dem Kosovo als Großfamilie, keine Seltenheit in der Schildgasse. Immer wieder kommen Familien mit sechs oder acht Kinder, zurzeit leben 101 Kinder in der Schildgasse.

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Eine Großfamilie auf Wohnungssuche? Mit anderem Aussehen und gebrochenem Deutsch? Familie Emmini ist noch im Asylverfahren, da aber das Heim überfüllt ist und für die Familie die Möglichkeit besteht, Aufenthalt zu bekommen, könnten sie schon eine Wohnung nehmen. Dies hat im letzten halben Jahr nicht geklappt, so gab es eine Zuweisung nach Grenzach-Wyhlen. Diese Gemeinde sieht sich bis November nicht in der Lage, eine adäquate Wohnung zu finden. So droht die Unterbringung in einer Notunterkunft.

Sozialdezernentin Elke Zimmermann – Fiscella des Landratsamtes Lörrach möchte es nicht so weit kommen lassen wie 1990, als nach der Wende viele Spätaussiedler kamen. Damals mussten Turnhallen zur Unterbringung dienen, was für die betroffenen Menschen außerordentlich belastend war. Bei der derzeitigen politischen Lage könnte das wieder aktuell werden. Die Zuweisung an die Städte und Gemeinden in die so genannte Anschlussunterbringung soll die Lage in der Gemeinschaftsunterkunft entschärfen, stößt aber bei den Asylbewerbern häufig auf Widerstand.

Viele kommen zuerst in Notunterkünft

Bisher konnten sich die auszugsberechtigten Asylbewerber selbst eine Wohnung im Landkreis suchen. Diese Möglichkeit besteht im Prinzip immer noch, da aber so viele neue Asylbewerber von Karlsruhe kommen und gleichzeitig keine passenden Wohnungen zur Verfügung stehen, werden die Flüchtlinge den Städten und Gemeinden im Landkreis Lörrach zugewiesen. Diese müssen dann geeigneten Wohnraum zur Verfügung stellen.

Die Gemeinden nehmen ihre Obdachlosen- und Notunterkünfte für die Flüchtlinge; gerade für Familien sind diese oftmals nicht gut geeignet. Diese Unterbringung ist jedoch nur vorübergehend, eben, bis eine geeignete endgültige Wohnung gefunden wird. Durch die verkürzte Aufenthaltsdauer in der Gemeinschaftsunterkunft und die anschließende kommunale Unterbringung werden die Städte und Gemeinden des Landkreises Lörrach zukünftig stärker in das Flüchtlingsgeschehen eingebunden. Die Flüchtlinge haben andererseits große Probleme damit, in ländliche Bereiche umziehen zu müssen. Dörflicher Charakter, keine Freunde, wenig Infrastruktur – sie versuchen, sich der Zuweisung zu entziehen.

Familie Marho wurde Kandern zugewiesen und soll innerhalb weniger Tage dorthin umziehen. Sie wissen nicht, wo Kandern liegt, sie sind ohne Auto wenig mobil und müssen alle ihre syrischen Freunde in der Gemeinschaftsunterkunft zurück lassen. Familie Marho sind "nur" drei Personen, Mama, Papa und eine kleine Tochter, die jetzt zur Schule kommt. Die dem Bürgerkrieg entkommene Familie sucht bereits seit einem halben Jahr nach einer Wohnung. Sie würden sich sehr freuen, wenn sie bald eine passende und bezahlbare Wohnung finden.
Wer Familie Marho, Familie Emmini oder einer anderen Familie oder einer Einzelperson eine Wohnung anbieten möchten, kann sich melden beim Landratsamt Lörrach, Tel. 07621/410-5142.

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Autor: Danielle Hirschberger