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03. November 2008
Zwei Schwalben zieht’s nach Süden
Die beiden Freiburger David Lohmüller und Lorenz Zimmermann wollen es mit alten DDR-Kraftrollern bis nach Marrakesch schaffen.
Zwei Schwalben machen vielleicht noch keinen Sommer, aber auf jeden Fall ein Abenteuer. Mit Schwalbe-Mopeds aus alter DDR-Produktion sind David Lohmüller und Lorenz Zimmermann jetzt auf eine große Tour gestartet: eine Motor-Safari von Freiburg nach Marrakesch.
Schmuddelwetter am letzten Oktobertag: Ab in den Süden, denken viele. Zwei Freiburger folgen dem Fluchtreflex auf ungewöhnliche Art und Weise: David Lohmüller (25) und Lorenz Zimmermann (32) haben am Freitagmorgen im Dauerregen ihre über 30 Jahre alten Schwalben aus dem einstigen volkseigenen Betrieb "Fahrzeug- und Gerätewerk Simson" im thüringischen Suhl gesattelt – und brettern nun mit dem Kraftroller KR-51/1 (so heißt die offizielle Bezeichnung) mit maximal 50 Stundenkilometern von Freiburg bis nach Marrakesch. Sie wollen die knapp 3000 Kilometer in vier Wochen schaffen.Nach einem Mofafahrer-Frühstück mit Freunden und Verwandten sind sie beim Wirtshaus "Goldener Sternen" am Tennenbacher Platz zu ihrem Trip gestartet. Mit Motorradfahrerregenkombi und gemischten Gefühlen: "Ich glaub’ nicht, dass wir allzu weit kommen", unkt Lorenz Zimmermann nach den ersten Kilometern Schwalbenflug von der "Packstation" beim Sponsor Sport-Kiefer bis zum Goldenen Sternen. "Es schlingert wie die Sau", berichtet er zum Verhalten des Ossi-Oldtimers mit aufgeschnalltem Gepäck. Die beiden Niedrig-PS-Abenteurer kamen zu spät zum eigenen Abschiedsfest. Sie mussten mehrfach umpacken, um die Hecklastigkeit der Fracht zu reduzieren.
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Die ganze Sache sei eine "Biergartenidee", erzählt David Lohmüller, der schon zwei Weltreisen hinter sich hat. Bei einer lautete das Motto "Ohne Flugzeug nach Australien". Und nun eben die Mofa-Safari, obwohl ihre Zweiräder eigentlich Mopeds sind. Auf die DDR-Schwalben sind sie gekommen wegen des Namens, der so schön zur Reise in den Süden passt. Zudem gelten die Schwalben unter Experten als einigermaßen wetterfest und zuverlässig "wie eine alte Lokomotive", so Lohmüller.
Er arbeitete zuletzt für die Uni und das Internetportal Sportalis. Lorenz Zimmermann ist freier Sportlehrer. Eine große Nähe zu Mopeds und deren Technik hatten die beiden bislang eher nicht. Die "Schwalben" haben sie von einem Oldtimerhändler in Kalau bei Berlin entstanden. So wird die witzige Reiseidee ausgerechnet auf zwei Kalauer Maschinen umgesetzt. Am Donnerstag lieferte eine Spedition die Mopeds. Dann folgte die erste Probefahrt. Dann bekamen die Beiden noch einen Kurzkurs von einem Fachmann in Sachen Vergaserwechsel. Nach kurzer Kennenlernphase zwischen Mopeds und Fahrern ging’s dann am Freitag los. "Das ist eher so, wie man’s nicht machen sollte", meinte David Lohmüller direkt vor dem Start. Immerhin: Ein Ersatzrad ist mit dabei, ebenso eine Blechkiste mit einem Ersatzteile-Kit plus einem Anleitungsbuch "Schwalbe reparieren leicht gemacht". Mit Pannen rechnen die Beiden so fest wie mit Sand in der Sahara.
200 Kilometer wollen sie bei jeder Tagesetappe schaffen. Natürlich soll auch Zeit für Land und Leute bleiben. Das erste Etappenziel heißt Besançon in der Franche-Comté. Danach soll es durchs Rhonetal und dann am Mittelmeer entlang einmal längs durch Spanien gehen. "Wir machen Budget-Travelling", sagt David Lohmüller. Das bedeutet: Es soll möglichst günstig sein. Übernachtet wird im Zelt und Backpacker-Unterkünften. In Almeria oder Gibraltar wollen die Mopedfahrer dann per Fähre nach Marokko übersetzen. Auf dem afrikanischen Kontinent stehen dann weitere 800 Kilometer Überlandfahrt an – bis in die Sahara wollen sie es schaffen. Den Rückflug von Marrakesch aus haben sie bereits fest für den 27. November gebucht. Die "Schwalben" werden für immer in Marokko bleiben.
Mit an Bord ist bei der Reise auch ein GPS-Sender. Der hält über Satellit die jeweils aktuelle Position der Schwalbenfahrer fest. Über das Internet kann man auf einer Landkarte live mitverfolgen, ob die "Schwalben" auf ihrem Zug nach Süden voran kommen. Im Netz berichteten sie am gestrigen Sonntag auch von der ersten Panne: einem platten Reifen. Die "Schwalben" gehen die Sache offenbar gemächlich an. Erst gestern Nachmittag hatten sie – zwei Tage später als geplant – Besançon erreicht.
http://www.mofa-safari.blogspot.com
Autor: Joachim Röderer
