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05. September 2012 17:27 Uhr

Elsass

Alarm im Akw Fessenheim - der 23. kleine Zwischenfall

Plötzliche Dampfentwicklung hat im elsässischen Atomkraftwerk Fessenheim einen Großalarm ausgelöst. Schwere Verletzungen oder gar ein Austritt von Radioaktivität sind nicht zu verzeichnen – doch die Aufregung war groß.

  1. Feuerwehreinsatz am Atomkraftwerk: Bei einem Zwischenfall in Fessenheim wurden mindestens zwei Menschen verletzt. Foto: AFP

  2. Feuerwehreinsatz am Atomkraftwerk: Bei einem Zwischenfall in Fessenheim wurden mindestens zwei Menschen verletzt. Foto: AFP

  3. Feuerwehreinsatz am Atomkraftwerk: Bei einem Zwischenfall in Fessenheim wurden mindestens zwei Menschen verletzt. Foto: AFP

  4. Feuerwehreinsatz am Atomkraftwerk: Bei einem Zwischenfall in Fessenheim wurden mindestens zwei Menschen verletzt. Foto: AFP

Zwei Angestellte seien bei dem Zwischenfall am Mittwochnachmittag an den Händen leicht verletzt worden, hieß es zunächst. Auch von sechs weiteren Betroffenen war die Rede, die nach französischen Medienangaben über ein gewisses Unwohlsein klagten. Der Akw-Chef sprach später lediglich von "Hautirritationen".

Gegen 15 Uhr kam es zu unerwartet starker Dampfentwicklung, als ein Behälter mit Hilfe von Wasserstoffperoxid gereinigt wurde. Der Vorfall ereignete sich in einem Gebäude, das an beide Reaktoren angrenzt. Dort waren während des Vorfalls noch acht weitere Personen anwesend, die ärztlich untersucht wurden. Kurz nach dem Vorfall waren etwa 50 Feuerwehrleute vor Ort. Feuer oder eine Explosion habe es aber nicht gegeben.

Akw-Sprecher Bruno Allex sagte am Abend, 35-prozentiges Wasserstoffperoxid werde regulär zur Reinigung von Behältern für radioaktive Abfälle verwendet. Der Fall werde untersucht. Zunächst habe man sich um die Betroffenen gekümmert.
Der Vorfall ist trotz des glimpflichen Verlaufs Wasser auf die Mühlen der Atomkraftgegner am Oberrhein. Am selben Nachmittag wurden Vertreter dreier Antiatomgruppen im Pariser Umweltministerium empfangen. Staatspräsident Hollande hatte das Akw in seinem Wahlkampf zum Politikum gemacht, als er dessen Stilllegung bis spätestens zum Ende seiner Amtszeit 2017 angekündigt hatte. Seit dem Wahlsieg der Koalition aus Sozialisten und Grünen war das Thema angesichts der wirtschaftlichen Krise mehr und mehr in den Hintergrund gerückt.

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"In der Summe bilden sie die größte Schwachstelle des Akw ab" Jean-Marie Brom über 23 kleine Vorfälle
Die Atomkraftgegner aus dem Elsass verließen das Treffen mit nicht mehr als der Zusage, dass Hollande an seinem Versprechen festhalten werde. Zu der Abordnung gehörte auch der Straßburger Atomphysiker Jean-Marie Brom. Er sieht den Vorfall in Fessenheim in einem größeren Kontext. In den vergangenen sechs Monaten musste das Akw 23 Vorfälle melden. Zwar handele es sich dabei im Einzelfall nicht um schwerwiegende nukleare Vorkommnisse. "In der Summe bilden sie jedoch die größte Schwachstelle des Akw ab", sagte Brom, "und das ist die mangelhafte Sicherheitskultur."

Schweiz: Akw Leibstadt meldet Risse in Schweißnaht

Ebenfalls am Mittwoch meldet auch das schweizerische Atomkraftwerk Leibstadt, das vis à vis von Waldhut-Tiengen am Rhein liegt, eine Panne: Hier wurden Risse in einer Schweißnaht entdeckt. Das Kraftwerk ist zurzeit allerdings außer Betrieb – wegen der routinemäßigen Revision.

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Autor: Bärbel Nückles, aktualisiert um 21 Uhr