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21. Januar 2011 15:53 Uhr
Schwarzwälder Innovation
Kirschkuchen aus der Dose: Aus St. Peter in alle Welt
Kennen Sie das? Eine Wander- oder Radtour. Plötzlich – schon leicht erschöpft – erleben Sie die Fata Morgana eines Stücks Kuchen, bloß gibt es weit und breit kein Café? Abhilfe kann dann der neue Schwarzwälder Kirschkuchen in der Dose schaffen.
Die Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG) hat damit diese Woche auf der Messe CMT in Stuttgart geworben. Vater des 400 Gramm-Rundlings ist Johannes Ruf (43) von der gleichnamigen Holzofenbäckerei in St. Peter. Der Ort selbst ist seit kurzem die elfte Mitgliedsgemeinde der HTG ist.
Wie alle guten Geschichten, hat auch diese einen Prolog. Rufs Schwester lebte viele Jahre in den USA, und da war das Heimweh nach gutem Brot aus der heimischen Backstube groß. Brot aus der Dose gibt es ja schon lange, dachte er sich, das müsste doch zu machen sein. Daraus ergab sich per Zufall ein Projekt mit der Ganter-Brauerei, an dessen Ende das Schwarzwälder Wodan-Brot stand, ein Vollkornbrot, dem das Starkbier aus Freiburg beigemischt ist. Und da kam sie dann, die Idee: Warum es nicht mit Kuchen versuchen?
Wohl würde keine Hausfrau aus dem Schwarzwald ihren Lieben einen ausgebüchsten Kuchen auf den Tisch stellen wollen, ahnt Ruf. Aber der Schwarzwald hat ja eine Reihe von Mitbringseln für die Urlauber aus Holland, der Schweiz, USA, Japan und woher auch immer sie kommen mögen, vom Schinken bis zum Schnäpsle. Ein typischer Kuchen wäre eine schöne Abrundung. Der erste Gedanke galt natürlich der Schwarzwälder Kirschtorte – doch war auf den zweiten Blick klar: das scheitert an der Sahne.
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Aber Ruf gab nicht auf, sondern nahm Schwarzwälder Kirschkuchen ins Visier. Die gedankliche Verbindung von der Kirschtorte ist so weit ja nicht. Gedacht, getan: Sein Konditor Dominik Ulrich war genau so begeistert, und gemeinsam machten sie sich dran. Heraus kam – Einzelheiten werden nicht verraten – ein Marmor-Rührkuchen mit Kirschen und einer Portion Kirschwasser, das, wie Ruf verrät, "ganz kräftig herauskommt".
Ganz so einfach war es von der Idee zur Umsetzung allerdings nicht. Wie schon das Wodan-Vollkornbrot einiges an Hirnschmalz, Probieren und Zeit erforderte, bis alles klappte und qualitativ und geschmacklich vollste Zufriedenheit erreicht war. Die erste Dose, erinnert sich Ruf lachend, war "glatt in die Luft gegangen". Woher die Dosen beziehen? Wie sie öffnen, damit sich der Inhalt nicht an der Schnittkante verhakt? Wie das Mindesthaltbarkeitsdatum sichern? Echte Projektentwicklung. Beim Projekt Kuchen gab es das Problem, dass die Kirschen im Teig versanken und so manche Dosen viele und andere wenig bis keine Früchte abbekamen. Nun wird erst der helle Teig eingefüllt, dann folgen die Kirschen und danach kommt der dunkle Teig obendrauf.
Nach fast einem Jahr war das Brot im Oktober soweit, der Kuchen ließ nicht lange auf sich warten, die Qualitätskontrollen durch ein unabhängiges Institut zur Lebensmittelprüfung hatte er bestanden. Nun musste nur noch die Verpackung stimmen – Rufs Wahl fiel auf ein Motiv Schwarzwaldhof mit Trachtenmädchen. Dass es sich um eine Oberrieder Tracht handelt, lag an den Umständen, und dass die Bollen nur typisch sind für drei Kinzigtalgemeinden, nimmt er in Kauf, weil sie eben das weltberühmte Symbol für den Schwarzwald sind.
Im Dezember kam der Kuchen in die Regale – und schlug zu Rufs Überraschung voll ein. Besonders vor Weihnachten lief der Absatz wie geschmiert, nicht nur im Laden, sondern dank Internet deutschlandweit. Inzwischen hat er mehr als 1000 Portionen verkauft. Die Zahl der Vertriebsstellen wächst rundherum, Aktionen sind geplant. Auch die HTG ist eingebunden, möglicherweise wird sie ihn schon bald in allen Tourist-Infos als Souvenir verkaufen. Dass bei der CMT am Stand der HTG Südwestrundfunk-Moderator Klaus Gülcker und Hochschwarzwald-Botschafter, Musiker und TV-Moderator Hansy Vogt schon davon probierten, ist übrigens auch eine hübsche Anekdote: Vogt und Ruf haben miteinander Bäcker gelernt. Und wie ist er, der Schwarzwälder Kirschkuchen aus der Dose? Gülcker und Vogt scheint’s geschmeckt zu haben. HTG-Sprecherin Claudia Hercher ("Wir mussten ihn ja vorher probieren!") lobt: "sehr gut". Ihre Kollegin Ulrike Brodscholl erinnert sich an den gugelhupfigen Geschmack und das Kirschwasser. Ruf ist mit seinem Erzeugnis zufrieden: "super".
Der Preis liegt übrigens bei 6,95 Euro. Rein von den Zutaten her gesehen, meint er, mag das teuer erscheinen. Auf der anderen Seite sei eben alles Handarbeit, einschließlich dem Aufkleben des Etiketts. Dafür bekommt der Kunde 25 Kirschen und einen Nährwert von 1200 Kilokalorien garantiert. Und von Mitte Februar an soll’s noch ein kleines Päckchen Puderzucker dazu geben – für den letzten Schliff sogar auf der Wander- oder Radtour.
Autor: Peter Stellmach


