Mittelfristig für Neubau

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Mi, 04. Juli 2018

Biederbach

Gemeinderat Biederbach befasst sich mit Überbelegung des Kindergartens und Übergangslösung.

BIEDERBACH. Die bestehende Raumnot im Kindergarten St. Martin war Hauptthema der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Die 72 Plätze der Tagesstätte sind überbelegt. Für das neue Kindergartenjahr 2018/19 müssten ab September fünf Aufnahmewünsche für Plätze mit verlängerter Öffnungszeit abgewiesen werden, was vermieden werden soll. Der Rat folgte deshalb einem von Bürgermeister Rafael Mathis vorgelegten Konzept aus Übergangslösung und Neubau.

Hauptamtsleiterin Simone Müller stellte zunächst die von der Verwaltung geprüften Alternativen zur Bewältigung der Überbelegung vor. Als Erstes führte sie die Aufstellung eines Kindergarten-Containers für eine Gruppengröße von etwa 25 Kindern an. Angebote wiesen dafür Mietkosten von monatlich 2100 Euro und einmalige Stellkosten von 8000 Euro aus. Die zweite Variante ergab sich durch ein Privatangebot an die Gemeinde, die ehemaligen Räume der Volksbank in der Dorfstraße 7 in unmittelbarer Nähe von St. Martin für die Kinderbetreuung zu vermieten. Eine Besichtigung durch die Fachberatung bescheinigte eine Eignung für 20 bis 22 Kinder. Nur der hier fehlende Außenbereich müsste noch gefunden werden. Eine zusätzliche Entlastung könnte als dritte Alternative von einem Bauernhof-Kindergarten ausgehen. Die Kita Natura Genossenschaft, ein privater Träger, überlegt sich derzeit die Eröffnung einer solchen Einrichtung im Bechererhof an der Sonnhalde. Die Gemeinde müsste dafür einen Betriebskostenzuschuss von 63 Prozent erbringen; Gespräche der beiden Erzieherinnen, die den Kindergarten gern betreiben würden, mit Kita Natura stehen noch an. Eine Eröffnung wäre ab April 2019 denkbar.

Als vierte, dauerhafte Lösung empfahl die Verwaltung, über einen Neubau nachzudenken. Denn auch die Funktions- und Personalräume in St. Martin seien beengt. Zudem könnte ein Neubau, gegenüber dem jetzigen Kindergarten, die Bildung eines Ortskerns weiter voranbringen. Bürgermeister Mathis erläuterte weiter, dass die Nutzung eines Containers in zwei Jahren rund 70 000 Euro kosten würde, der vorübergehende Umbau eines Raums in der ehemaligen Volksbank dagegen nur die Hälfte. Die dort untergebrachte Geschäftsführung der Bürger-Energie-Genossenschaft wäre bereit, ihr Büro ins Rathaus zu verlegen.

Im Kindergarten St. Martin gibt es aktuell drei Gruppen mit je 25 Kindern. Eine dieser Gruppen würde komplett in die Dorfstraße verlagert und dafür eine neue Kleingruppe mit zehn Plätzen eingerichtet. Das brächte übergangsweise 13 freie Plätze und in St. Martin eine Entlastung. Auch müsste nur eine Erzieherin eingestellt werden. Mehr als eine Übergangslösung könne dieser Weg aber nicht sein, sagte Mathis. Langfristig hielt er es für geboten, im Rahmen des finanziell Machbaren ein neues Gebäude "mit weiteren Funktionen für Synergien" anzustreben. Vor allem weil die Kinderzahlen in Biederbach erfreulicherweise seit acht Jahren gestiegen sind.

Diesem Vorgehen schloss sich der Rat nach mehreren Wortmeldungen einhellig an. Er fasste den Beschluss, in den nächsten zwei Jahren die Planung eines Neubaus anzugehen, die Räume in der Dorfstraße 7 zur kurzfristigen Abhilfe der Überbelegung anzumieten, dies aber lediglich als Übergangslösung anzusehen. Elvira Meier und Christian Joos begrüßten, dass damit eine Containerlösung, auch wegen des Standortproblems, vom Tisch ist. Die Übergangslösung in der Dorfstraße wurde durchweg für gut befunden. Einige Ratsmitglieder sprachen sich aber auch für den Bauernhof-Kindergarten aus. Christian Schneider regte an, diesen zudem für Kinder aus Elzach zu öffnen. Christine Schwendemann-Brugger und Jürgen Rißler sahen eine Alternative zum kirchlichen Angebot, was eine moderne Gemeinde heute ebenfalls bieten müsse. Mathis leitete daraus als Auftrag ab, den Bauernhof-Kindergarten als dauerhaftes Nebenangebot weiterzuverfolgen. Die Einrichtung einer altersgemischten Gruppe mit Kindern ab zwei Jahren könnte später für eine Entlastung der kommunalen Kita "Zwergenhaus" sorgen. Einvernehmen bestand daher auch, Kindern aus Biederbach den Vorrang einzuräumen.

Über die Funktionen, die ein Neubau erfüllen sollte, wird der Rat in einer Klausurtagung beraten. Ein neuer Kindergarten sollte Platz für vier Gruppen, also bis zu 100 Kindern, sowie einen Gymnastikraum haben. Er sollte eine flexible Raumnutzung ermöglichen. Auch weitergehende Nutzungen, etwa für Senioren, sollten geprüft werden.