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14. November 2010 19:54 Uhr

1:0-Sieg

Cissé schießt Hoffenheim in letzter Minute ab

Das Beste kommt zum Schluss: Der SC Freiburg gewinnt bei 1899 Hoffenheim 1:0 durch einen Tor von Papiss Cissé in der Nachspielzeit. Damit klettern die Breisgauer in der Tabelle auf den vierten Platz.

  1. Papiss Cissé schießt Hoffenheim in letzter Minute ab. Foto: schön

SINSHEIM. Es war, als hätte jemand urplötzlich einen Millionengewinn für die Freiburger Reisegesellschaft verkündet. Ein emotionales Beben, ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Die Spieler und die Besatzung der SC-Bank ergingen sich im kollektiven Jubel, Robin Dutt hüpfte wie von Sinnen über den Rasen und die Statik der Fankurve wurde durch das Hüpfen der Fans einer ernsthaften Prüfung unterzogen: Mit der letzten Chance, der letzten Ballberührung des Spiels überhaupt, hatte Papiss Cissé getroffen.

1:0 in der 91. Minute, 1899 Hoffenheim war geschlagen, der SC Freiburg auf den vierten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga, vorgerückt – und das vor den Augen der auf der Tribüne sitzenden Hanne Stocker, der Ehefrau des verstorbenen, langjährigen Vorsitzenden Achim Stocker.

Unspektakulärer beginn

"Das war", hat Trainer Dutt hinterher gesagt, "eine tolle Energieleistung der gesamten Mannschaft." Einer fand sich dennoch ganz besonders ins Scheinwerferlicht der Medien gestellt: Torhüter Oliver Baumann hatte gehalten, was zu halten war. Mit spektakulären Paraden hatte der Breisacher U-21-Nationaltorwart die Hoffenheimer Angreifer zur Verzweiflung gebracht – und die Anhänger der Kraichgauer mehrfach an den Rand eines Herzinfarktes.

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Dabei hatte alles recht unspektakulär angefangen. Beide Teams benötigten eine längere Anlaufzeit, das Hin und Her war wenig erfrischend – und es bedurfte einer Ansage des Stadionsprechers, um die Galerie so richtig zu unterhalten. In der 16. Minute hatte dieser den WM-Gewinn von Sebastian Vettel beim finalen Grand Prix der Formel 1 in Abu Dhabi bekanntgegeben und die Gastgeber aufgefordert, jetzt ebenfalls tüchtig Gas zu geben.

Sichere Beute für Baumann

Das Personal von Hoffenheims Coach Ralf Rangnick bemühte sich zwar redlich, es baute Druck auf und bevölkerte mehrheitlich die Freiburger Hälfte. Aber mehr als ein Lattentreffer von Boris Vukcevic sprang für die Nordbadener nicht heraus. Alles was aufs Tor kam wurde zur sicheren Beute von Baumann oder blieb schon zuvor im Dickicht der vielbeinigen Freiburger Defensive hängen. Dort lieferte, neben dem Keeper, noch ein anderer eine tadellose Leistung: Ömer Toprak war der Turm in der Schlacht und degradierte Hoffenheims Spitze Demba Ba über weite Strecken zum Statisten.

"Die Automatismen greifen langsam wieder", sagte der lange verletzt gewesene Innenverteidiger und schob noch nach, dass er von seiner Qualität nach wie vor überzeugt sei. Ein Satz, der durchaus als Versprechen gewertet werden darf. Die zweite Hälfte geriet, zumindest aus Hoffenheimer Sicht, streckenweise zur Groteske. Obschon mit der Marschroute aus der Kabine gekommen, den Druck auf die südbadischen Gäste zu verstärken, waren es die Freiburger, die jetzt gezielte Nadelstiche setzten. Das Kombinationsspiel der Dutt-Elf wurde sicherer, dazu zahlte sich einmal mehr die enorme Laufbereitschaft des gesamten Kollektivs und das gekonnte Pressing der Breisgauer aus. Die Hoffenheimer verhedderten sich immer mehr – und wurden auch noch ungeduldig. Ein schlechtes Vorzeichen für überlegtes, kaltschnäuziges Spiel.

Der Joker sticht wieder und bereitet das Siegtor vor

Schließlich kam der Auftritt von Stefan Reisinger. Der zum Joker mutierte Angreifer ersetzte in den letzten zehn Minuten Jan Rosenthal und wurde dabei zum eigentlichen Gewinner des Spiels. In der 89. Minute hatte das "Strafraumungeheuer" plötzlich den Siegtreffer auf dem Fuß, doch Daniel Haas vereitelte das Erfolgserlebnis mit einem tollen Reflex. Wie sich der Bayer zwei Minuten später einen schon verloren geglaubten Ball gegen eine Vielzahl Hoffenheimer Akteure erstritt und ihn Cissé auch noch mustergültig auflegte, war dann zum mit der Zunge schnalzen. Der Senegalese, der zuvor unermüdlich gearbeitet hatte, ließ sich diese Chance nicht entgehen – er traf und erzielte bereits seinen zehnten Saisontreffer.

Natürlich war Cissé überglücklich. Zum Egomanen ist er darob aber nicht geworden. Er widmete den Treffer "der Defensive, die so tolle Arbeit geleistet hat". Reisinger indes beschlichen nach einem flüchtigen Blick auf die Tabelle ganz andere Gedanken. "Ich hätte nichts dagegen, wenn die Reise nach oben weitergeht", formulierte er unerschrocken und nahm gedanklich schon mal die internationalen Plätze ins Visier. Vielleicht habe die Mannschaft ja das dazu notwendige Glück, träumte er ein bisschen vor sich hin: "die Erfahrung kennt man ja in Freiburg".

Während sich Ralf Rangnick sichtlich konsterniert auf den Heimweg machte und davon sprach, einen falschen Film gesehen zu haben, hatte Robin Dutt das zuvor Gesehene "recht gut gefallen". Jetzt freue er sich auf das Heimspiel gegen den Tabellenführer aus Dortmund am kommenden Samstag. Eine Begegnung, der schon in Hoffenheim das Attribut Spitzenspiel verpasst wurde. Er hoffe, dass man die Erwartungen werde einlösen können, sagte Dutt.

Hoffenheim: D. Haas, Beck, Vorsah, Compper, Ibertsberger (87. Thomalla), Vukcevic (66. Ibisevic), Luiz Gustavo, Rudy, Sigurdsson, Ba, Mlapa (66. Salihovic). Freiburg: Baumann, Mujdza, Barth, Toprak, Bastians, Schuster, Abdessadki, Rosenthal (81. Reisinger), Makiadi, Putsila (84. D. Caligiuri), Cissé. Schiedsrichter: Zwayer (Berlin). Zusch.: 30 150 (ausverkauft). Tor: 0:1 Cissé (90.+1). Gelbe Karten: – / Makiadi.

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Autor: Michael Dörfler