Neues Sicherheitskonzept

Das Freiburger Münster wird jetzt komplett videoüberwacht

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Do, 09. August 2018 um 18:29 Uhr

Freiburg

Es geht um Taschendiebstahl und Sachbeschädigung: Um die Besucher des Freiburger Münster und das Inventar besser zu schützen, hat die Dompfarrei flächendeckend Überwachungskameras einrichten lassen.

Die Sicherheitsanforderungen im Freiburger Münster sind gestiegen. Immer mehr Menschen besuchen die größte und bekannteste Kirche der Stadt, zugleich nehmen die Straftaten zu. Die zuständige Dompfarrei hat sich jetzt für eine flächendeckende Videoüberwachung im Innenraum entschieden.

"Wir haben da eine Fürsorgepflicht." Pater Markus Fischer, Pfarradministrator
"Das Gebet ist ja sehr intim und sollte geschützt sein", sagt Pater Markus Fischer. Deshalb sei es zunächst nicht vorstellbar gewesen, wie in anderen öffentlichen Gebäuden Kameras auch im Kirchenraum zu installieren. Nach reiflicher Abwägung habe man sich zur Videoüberwachung im Münster durchgerungen, erklärt der leitende Pfarradministrator der Seelsorgeeinheit Mitte. "Das ist eben auch aus anderer Sicht ein schützenswerter Raum, und wir haben da eine Fürsorgepflicht."

Aufnahmen werden zwei Tage gespeichert

Und so hängen seit Kurzem zehn Kameras an Ecken im Mittelschiff, in den Seitenschiffen sowie im Chor- und Kapellenbereich. Darunter sind neben neu angebrachten Geräten, die kaum erkennbar sind, auch die bereits vorhandenen Anlagen für Fernsehübertragungen von Gottesdiensten. Deren Aufnahmen, die für 48 Stunden gespeichert werden, können nur wenige Mitarbeiter auf Monitoren in der Sakristei sehen.

Laut Jan Kühle, stellvertretender Stiftungsratsvorsitzender der Dompfarrei, schaut der Messner neben seinen Kontrollrundgängen neuerdings auch immer wieder auf die Bildschirme, um die Situation besser zu überblicken. Die Kameras sind so installiert, dass kaum eine Ecke unbeobachtet bleibt. Das geschlossene System, das für 5000 Euro ausgebaut wurde, halte sich an alle Datenschutzrichtlinien, betont Kühle. "Es ist uns schon klar, dass das sensibel ist, und wir mussten auch dicke Bretter bohren", sagt der Stiftungsrat. "Aber leider hat das jetzt sein müssen."

Zwei Jahre wurde am neuen Sicherheitskonzept gearbeitet

Bereits vor zwei Jahren habe man damit begonnen, ein neues Sicherheitskonzept zu erarbeiten. Zunächst ging es dabei um die großen Gottesdienste, bei denen das Münster brechend voll ist. Dabei spielten Brandschutz, Fluchtwege und engere Absprachen mit Polizei und Feuerwehr eine zentrale Rolle. "Uns ist wichtig, dass bei einem möglichen Zwischenfall keine Panik ausbricht", sagt Kühle. Dazu gehörten unter anderem Bedrohungssituationen oder der Auftritt von Aktivisten, wie etwa bei einer Bischofsmesse im vergangenen Jahr. Damals reagierte der Organist spontan und spielte laut los, als diese vom Altar aus Botschaften verbreiten wollten.

In den letzten Jahren seien aber vermehrt Kleinkriminalität und Sachbeschädigung in den Fokus geraten. Handtaschenraub und der Diebstahl von Altarkerzen seien mittlerweile an der Tagesordnung. Hin und wieder verschwindet sogar größeres Inventar. Während die im vergangenen Jahr gestohlene Wappenkartusche der vor dem Münster stehenden Lambertussäule kurz später wieder auftauchte, fehlt eine knapp 200 Jahre alte Figur des Apostels Paulus des Annenaltars bereits seit diesem Frühjahr. Neben Prävention und der Präsenz von Personal sei die Videoüberwachung ein entscheidendes Instrument, gerade auch für die Beweissicherung, betont Jan Kühle, der sich für das Sicherheitskonzept starkmachte und verantwortlich zeichnet.

Gerade bei Diebstählen oder Vandalismus könnten die Aufnahmen der Polizei bei ihren Ermittlungen dienen.

Vor der Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen, deren Gesamtkosten laut Kühle noch nicht endgültig feststehen, habe man sich unter anderem auch mit Besuchen in den Bistümern in Speyer, Würzburg und Regensburg Rat geholt. Wie auch im weltberühmten Kölner Dom habe man in den dortigen Kirchen bereits Maßnahmen umgesetzt. Nun hat auch das Freiburger Münster, das mittlerweile 1,3 Millionen Besucher pro Jahr zählt, nachgerüstet.