Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

12. August 2015

Hausfrau begeht nichtsahnend Straftat

Das Gericht verurteilt die 43-Jährige wegen leichtfertiger Geldwäsche zu einer Geldstrafe.

  1. Leider gibt es noch keinen Hund, der heiße Ware erschnüffeln könnte. Dieser Zollhund ist spezialisiert auf Drogenfunde. Foto: Sven HOppe/dpa

REBLAND (tm). Naivität schützt nicht vor Strafe. Dass musste eine 43-jährige Frau aus einer Reblandgemeinde erkennen, die sich übers Internet dafür anheuern ließ, Paketlieferungen entgegenzunehmen und weiterzuschicken. Der Haken dabei: Die Waren in den Paketen stammten aus Betrügereien. Weil sie die Waren aber weiter verschickt hat, wurde sie nun vor dem Amtsgericht Lörrach wegen leichtfertiger Geldwäsche zu 600 Euro Geldstrafe verurteilt.

Die 43-Jährige Hausfrau war guten Glaubens und sich keiner Schuld bewusst. Als Mutter von drei Kindern suchte sie einen Nebenerwerb, den sie von zu Hause aus erledigen konnte. Mit Hilfe ihres 17-jährigen Sohnes stieß sie im Internet auf eine Anzeige, die für das Entgegennehmen und Weiterversenden von Pakten einen Verdienst von 25 Dollar pro Lieferung versprach. Der angebliche Auftraggeber war eine Firma in San Francisco, mit deren angeblicher Vertreterin sie nur Kontakt per E-Mail hatte. Die Scheinfirma schickte immerhin einen schriftlichen Vertrag über die Tätigkeit, mit dem die Angeklagte sogar zum Finanzamt ging, um den Nebenverdienst anzumelden. Kurz darauf kamen die ersten Pakete bei ihr an.

Werbung


"Ich dachte, die Firma spart Kosten, wenn die Pakete gebündelt werden", erklärte die Angeklagte vor Gericht. Darüber, dass sie auch einzelne Pakete weiterschickte, dachte sie nicht weiter nach. 23 Pakete hat sie erhalten, aus denen sie elf Sendungen machte, die sie jeweils entweder an eine Adresse in Riga in Lettland oder an einen Empfänger in Moskau sandte. In den Pakten waren mehrere teure Kaffeevollautomaten, Staubsauger, Bekleidung, Kameras und Kameraobjektive, ein I-Pad und weitere elektronische Geräte. Insgesamt waren die verschickten Waren mehr als 17 000 Euro wert.

Irgendwann merkte die Angeklagte, dass sie für ihre Tätigkeit keinen Lohn erhielt. "Mein Sohn hat dann eine Mail geschrieben, aber da gab es die Mailadresse schon nicht mehr", berichtete sie. Nun forschte sie im Internet nach, entdeckte eine amerikanische Firma ähnlichen Namens, der sie ebenfalls eine Mail schrieb und die aber umgehend antwortete, damit nichts zu tun zu haben. Nun forschte die Frau nach den Empfängern. Die Adressatin in Riga gab es tatsächlich, sie gab jedoch an, die Waren bereits auch weitergeschickt zu haben. Die Adresse in Moskau existierte gar nicht. Tatsächlich hatten die Auftraggeber durch Phishing oder Computersabotage Kreditkartendaten erlangt und damit die Waren bestellt und die Angeklagte dazu benutzt, um den Weg der betrügerisch erlangten Waren zu verschleiern, erklärte ein Kriminalbeamter vor Gericht. Dahinter steckte offenbar eine russische Tätergruppe. Der Polizist betrachtete es als durchaus glaubhaft, dass die Frau dachte, einen Nebenjob angenommen zu haben. "Aber sie dachte nicht darüber nach, weshalb bei der Bestellung der Umweg über sie genommen wurde, was ja zusätzliche Kosten verursacht", sagte er.

"Es ist richtig, dass Sie selbst Opfer eines Betrugs geworden sind", sagte Richter Dietrich Bezzel zur Angeklagten. "Sie sahen keinen Grund, die Sache zu überprüfen, aber als Sie ihr Geld nicht bekamen, haben Sie genau das gemacht". Hätte sie das vorab getan, ergänzte er, wäre das alles nicht passiert. Das Gericht sah sie deswegen der leichtfertigen Geldwäsche für schuldig an und verhängte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 10 Euro.

Die Staatsanwältin hatte 90 Tagessätze gefordert, der Verteidiger Freispruch. Da sie weder der deutschen, noch der englischen Sprache mächtig sei, habe sie den Betrug nicht erkennen können. Auch habe sie alle ihre Unterlagen der Polizei gegeben, damit diese die Sache aufklärt. Das schließe die Strafe aber nicht aus, so das Gericht, denn die Ermittlungsbehörden hätten gleichzeitig Anzeigen von den Eigentümern der Kreditkarten erhalten. Neben der Geldstrafe hat die Angeklagte auch noch Regressforderungen der Lieferfirmen zu befürchten, da einige Rechnungen an sie adressiert waren.

Autor: tm